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Fachtagung

Gemeinsam lernen

Von Kathy Stolzenbach und Helmut Frangenberg, 08.02.10, 22:34h

Bei der Fachtagung „Längeres gemeinsames Lernen“ diskutierten Vertreter aus Schule und Bezirksregierung über Veränderungen im Schulsystem. Schnell wurde klar: Die Orientierung am Elternwillen muss zunehmen. Dennoch bleibt der Spielraum klein.

Schule
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Bei einer Kölner Fachtagung wurde die Zukunft der Schule diskutiert. (Bild: dpa)
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Bei einer Kölner Fachtagung wurde die Zukunft der Schule diskutiert. (Bild: dpa)
Innenstadt - „Die Zielrichtung, möglichst lange alle Schüler gemeinsam lernen zu lassen, muss klar sein“, formulierte der Erziehungswissenschafter und Bildungsexperte Hans Brügelmann sein Fazit. „Aber der Weg dahin wird von Vielfalt geprägt sein.“

Wichtig sei, dass die Veränderungen von einem möglichst breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens getragen werden, forderte auch Karl-Heinz Imhäuser von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Er hatte bei der Fachtagung zum Schulangebot in Köln einen Überblick über die Entwicklungen in den deutschen Bundesländern gegeben, von denen sich einige auf den Weg zu einem zweigliedrigen Schulsystem machen. Ein höchst umstrittener Weg, wie im Rathaus deutlich wurde. Denn solange die Gymnasien unangetastet als eigenständige Säule neben einer zweiten Schulform stehen bleiben und man die Grundschulzeit nicht verlängert, wird die Forderung nach einem möglichst langen gemeinsamen Lernen Makulatur.

„Stachel im Fleisch“

Entsprechend deutlich war die Aussage der anwesenden Gesamtschulleitungen: Wenn kein Wechsel zum eingliedrigen System möglich wird, solle lieber erst einmal alles bleiben wie es ist. Dann wären die Gesamtschulen weiter „der Stachel im Fleisch“, wie Referent Rainer Dahlhaus von der Gesamtschule Wuppertal-Langerfeld sagte. Die Gesamtschulen blieben dann diejenigen, die vormachen, „dass es funktioniert“.

Bei der Fachtagung „Längeres gemeinsames Lernen“ diskutierten Vertreter aus Schule, Schulaufsicht, Bezirksregierung, Interessenverbänden, Politik, Wissenschaft und Verwaltung über Veränderungen im Schulsystem. Es ging auch um konkrete Vorgaben, an denen sich eine Stadt wie Köln bei der Weiterentwicklung ihres Angebots orientieren kann. Da Änderungen der Strukturen Landessache sind, bleibt der Spielraum klein. Eine klare Perspektive kann die Orientierung am Elternwille sein, der zuletzt durch eine Umfrage unter Eltern von Kölns Drittklässlern deutlich wurde.

66 Prozent wünschen sich ein längeres gemeinsames Lernen. 72 Prozent bejahen einen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Der Wunsch nach Gesamtschulplätzen übersteigt deutlich das bisherige Angebot.

Schuldezernentin Agnes Klein sagte, das Thema Bildung „nimmt an Geschwindigkeit auf und an Brisanz zu“ - dies hätten aktuelle Forschungsergebnisse der Pisa-Studien und verschiedener Armutsberichte deutlich gemacht. Die Bildungsreformdiskussion umfasse die Infragestellung des mehrgliedrigen Schulsystems und der frühen Selektion nach dem vierten Schuljahr. Klein forderte vom Land mehr Spielräume für die Kommunen, auch um Schulen, die selbst neue Zukunftskonzepte entwickeln wollen, nicht zu behindern.

Professor Hans Brügelmann sprach sich in seinem Vortrag „Homogene Lerngruppen - Eine didaktische Fiktion und pädagogische Sackgasse“ für heterogene, also verschiedenartig zusammengesetzte Lerngruppen aus und betonte: „Jeder Mensch ist besonders und somit nicht normal.“ Es zeige sich zudem, dass leistungsschwächere Schüler oder auch Behinderte durch das gemeinsame Lernen in heterogenen Gruppen profitieren, während leistungsstarke Schüler dadurch keinen Nachteil hätten. Nur Strukturen zu ändern, reiche jedoch nicht: Produktiv werde gemeinsamer Unterricht nur bei entsprechender individueller Förderung.

Ähnliche Ergebnisse stellte Schulforscherin Gabriele Bellenberg vor: Ein leistungsstarkes und gerechtes Schulsystem verzichte möglichst lange auf eine Selektion und benötige Lernen in gebundenen Ganztagsschulen mit individuellen Fördermöglichkeiten.

Die Fachtagung im Rathaus war vom Schulausschuss des Rates einstimmig beschlossen worden. Ihre Ergebnisse sollen Grundlage für weitere politische Beschlüsse sein.



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