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Kommentar zum Zentralrat

Notwendige Zäsur

Von Tobias Kaufmann, 08.02.10, 18:30h, aktualisiert 09.02.10, 09:54h

Der Zentralrat der Juden steht vor einem Neustart. Und der ist auch nötig. Der Favorit auf das Präsidentenamt, Dieter Graumann, muss intern große Integrationsaufgaben lösen – und dem jüdischen Dachverband nach außen ein besseres Image verpassen.

Dieter Graumann
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Favorit auf die Nachfolge Knoblochs: Dieter Graumann. (Bild: ddp)
Dieter Graumann
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Favorit auf die Nachfolge Knoblochs: Dieter Graumann. (Bild: ddp)
Sie sollte die Übergangslösung sein. Das war das Signal, als im Juni 2006 Charlotte Knobloch als Präsidentin des Zentralrats der Juden präsentiert wurde. Die Dame aus München zwischen den Herren Korn und Graumann aus Frankfurt. Die letzte aus der Generation der Holocaust-Überlebenden an der Spitze des Dachverbands der deutschen Juden. Sie wolle nicht im Amt sterben wie ihre Vorgänger Paul Spiegel und Ignatz Bubis, sagte Knobloch damals in kleiner Runde.

Vielleicht war sie sich dieser Selbst-Bescheidung, dreieinhalb Jahre später und rüstig trotz ihrer 77 Jahre, nicht mehr so sicher. Knobloch wäre nicht die erste Funktionärin, die sich dann doch an ein Amt gewöhnt hat. Also haben andere im Zentralrat nun die Reißleine gezogen. Marian Ofman, Knoblochs Vize aus der Münchner Gemeinde, der sie seit 1985 vorsitzt, hat die Fassade der Eintracht jedenfalls eingerissen. Von ihren eigenen Rückzugsplänen habe Knobloch aus der Presse erfahren, zürnte Ofman am Montag. Das sei unfair und würdelos. Der Neustart ist atmosphärisch belastet.

Dass er dennoch nötig ist, steht außer Zweifel. Charlotte Knobloch ist eine honorige, beharrliche Frau. Eine moderne Macherin, die zugleich einigt, führt und kommuniziert, ist sie nicht. Genau das jedoch braucht der Zentralrat. Einerseits gilt es, zu integrieren. Junge und Alte, zugewanderte Ex-Sowjetbürger und Alteingesessene, Orthodoxe, Liberale - und religiös völlig Unbeleckte. Zugleich bedarf die Außendarstellung einer Renovierung. Seit Jahren fördern inflationäre, nicht abgestimmte Wortmeldungen persönliche Eitelkeit und Differenzen unter Spitzenfunktionären offen zutage. Das schadete dem Renommé des Zentralrats.

Da Salomon Korn kaum antreten wird, läuft es auf Dieter Graumann als Knoblochs Nachfolger hinaus. Der hat in den Verhandlungen mit der Bundesregierung zum neuen Zuwanderungsrecht Geschick bewiesen - und ist um eine knackige Formulierung selten verlegen. Auch nicht, wenn es um den eigenen Laden geht. So mahnte Graumann jüngst, der Zentralrat müsse „weniger oberlehrerhafte, moralinsauere Besserwisserei“ und mehr „offenen Dialog“ wagen.



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