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Archiv-Einsturz

Diebstahl und Fälschung

Von Andreas Damm und Detlef Schmalenberg, 09.02.10, 19:31h, aktualisiert 12.02.10, 07:51h

Gefälschte Vermessungsprotokolle, fehlende Sicherheitsbügel: Die KVB fühlt sich betrogen und kritisiert die Unternehmen, die am Bau der Nord-Süd-Stadtbahn beteiligt sind. Sogar ein Ultimatum wurde gestellt.

Baugrube
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In der Baugrube an der Einsturzstelle sind die Schlitzwände wieder freigelegt. Beim Einbau eiserner Bewehrungskörbe sollen bewusst Verbindungsbügel „eingespart“ worden sein. (Bild: Schwarz)
Baugrube
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In der Baugrube an der Einsturzstelle sind die Schlitzwände wieder freigelegt. Beim Einbau eiserner Bewehrungskörbe sollen bewusst Verbindungsbügel „eingespart“ worden sein. (Bild: Schwarz)
Bewehrungskörbe
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Bewehrungskörbe werden durch Eisenbügel (links) verbunden. (Bild: Schwarz)
Bewehrungskörbe
Köln - Man fühle sich betrogen, heißt es. Das Vertrauensverhältnis sei über alle Maßen beschädigt. Ungewöhnlich scharf ist der Tonfall, der in den zurückliegenden Tagen im Umfeld der Kölner Verkehrs-Betreibe AG (KVB) zu hören ist. Die Kritik richtet sich an die Unternehmen, die am Bau der Nord-Süd-Stadtbahn beteiligt sind. Und diesen Firmen hat die KVB nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sogar ein Ultimatum gestellt.

Die aus mehreren Unternehmen bestehende Arbeitsgemeinschaft soll spätestens in der kommenden Woche eine Reihe von Fragen beantworten, die für die Aufklärung des Archiveinsturzes am Waidmarkt wichtig sein könnten. Es geht um gefälschte Vermessungsprotokolle für Außenwände, fehlende Sicherheitsbügel und Probleme beim Abpumpen des Grundwassers.

Das Ultimatum

Die Vorfälle „sind geeignet, die Zuverlässigkeit Ihres Unternehmens bei der Durchführung der Rohbauarbeiten“ in Frage zu stellen“, heißt es in einem internen Schreiben. Sollte die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft „nicht erschöpfend oder befriedigend ausfallen“, müsse die KVB „zusätzliche Überwachungsmaßnahmen“ veranlassen. Eine erste Frist wäre am Montag dieser Woche um 12 Uhr abgelaufen. Sie ist auf Wunsch der Arbeitsgemeinschaft jetzt verlängert worden.

Während die Bauunternehmen nach Antworten suchen, fragt man sich bei den Verkehrs-Betrieben, ob die zahlreichen Ungereimtheiten beim Bau der U-Bahn das Werk einzelner Mitarbeiter ist oder ob man systematisch hintergangen wurde. Wie zu erfahren war, wird vorsorglich bereits eine außerordentliche Kündigung der Verträge geprüft - ebenso wie die Verpflichtung eines anderen Unternehmens.

Die Eisenbügel

Nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ gibt es durchaus Grund für das Misstrauen in der KVB-Zentrale. So soll ein Polier veranlasst haben, dass in der Außenwand der Waidmarkt-Grube zu wenig Eisenbügel eingeflochten wurden. Das Metall soll der Mann, der die Vorwürfe bestreitet, nach mehreren Zeugenaussagen mit der Hilfe von acht Arbeitern gestohlen und für einige tausend Euro an einen Schrotthändler verkauft haben. Internen Schreiben zufolge halten es die die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe für denkbar, dass die fehlenden Bügel mit dem Einsturz zu tun haben könnten.

Denn betroffen vom „Eisenklau“ ist auch die so genannte „Lamelle 11“. Das ist jener rund 3,50 Meter breite Teil der Stützwand, in dem die Gutachter der Staatsanwaltschaft ein Leck vermuten; diese Schadstelle könnte letztlich zum Einsturz des Stadtarchivs geführt haben könnte. Die Ermittler jedoch, die die Ereignisse akribisch aufarbeiten, sehen keinen Zusammenhang zwischen der Katastrophe und den Sicherungsbügeln.

Ob ursächlich oder nicht: Die Frage, wie das Fehlen der Metallteile unentdeckt bleiben konnte, ist bisher unbeantwortet. Denn bevor der Bauabschnitt mit Beton verfüllt wurde, hätte er eigentlich von einem unabhängigen Prüfingenieur freigegeben werden müssen. Warum blieb der angebliche Betrug des Poliers unentdeckt?

Die Bauprotokolle

Wie berichtet, soll auch das gesetzlich vorgeschriebene Bauprotokoll der „Lamelle 11“ gefälscht sein. In dem Bauteil sollen nicht nur mehrere Eisenbügel gefehlt haben. Wie in einem Vermerk der KVB zu lesen ist, soll der Beton an dieser Stelle nicht die geforderte Qualität erreicht haben. Zudem habe es im Jahr 2005 Probleme beim Bodenaushub für die 40 Meter tiefe Außenwand in diesem Bereich gegeben.

Auch in dieser Hinsicht ist unklar, ob es einen Zusammenhang zum Archiveinsturz gibt. Als sicher gilt es jedoch, dass für die Manipulation des Bauprotokolls ein Zugang zum Computerprogramm der Arbeitsgemeinschaft nötig war. Aus einem internen Bericht geht hervor, dass nicht nur das Protokoll der „Lamelle 11“ gefälscht wurde. So sollen mehrere Stützwand-Abschnitte der Baustellen am Waidmarkt, am Heumarkt und am Rathaus betroffen sein.

Die Grundwasserbrunnen

An der Baustelle Waidmarkt soll weitaus mehr Grundwasser abgepumpt worden sein, als die Stadtverwaltung genehmigt hatte. Die Bauunternehmen sind verpflichtet, den Anteil der Erdteilchen in dem abfließenden Wasser zu messen. Die KVB wirft der Arbeitsgemeinschaft jetzt in einem Schreiben vor, diese Messungen „nicht ordnungsgemäß durchgeführt beziehungsweise dokumentiert“ zu haben.

Das Grundwasser wird durch große Leitungen in den Rhein gepumpt. An der Auslaufstelle im Rheinauhafen soll sich „eine Sandbank“ gebildet haben. Das kann nach Auffassung von Fachleuten darauf hindeuten, dass mit dem Grundwasser zu viele Erdteilchen weggespült worden sind - und deshalb unter dem Archiv Hohlräume entstanden sind, die eventuell zum Unglück führten.



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