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Kommentar zu Hegemann

Die falsche Entscheidung

Von Martin Oehlen, 11.02.10, 21:59h, aktualisiert 22.02.10, 13:45h

Helene Hegemann scheint nicht verstanden zu haben, was man ihr vorwirft. Wer die spezifische Originalität eines Textes und den Schutz des Urheberrechts missachtet, der schadet der Kunst im Allgemeinen und der Literatur im Besonderen.

Helene Hegemann
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Trotz der Plagiatsvorwürfe ist die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. (Bild: dpa)
Helene Hegemann
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Trotz der Plagiatsvorwürfe ist die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. (Bild: dpa)
Helene Hegemann macht nicht den Eindruck, dass sie mittlerweile verstanden hat, was man ihr vorwirft. So hat sie am Donnerstag ihr Verfahren erneut gerechtfertigt, sich überall dort zu bedienen, wo sie Inspiration finde: „Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen.“ behauptet sie. „Wenn wir so anfangen, können wir den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen.“

Nein, den müssen wir noch nicht dichtmachen. Wir müssen nur festhalten, dass es rechtlich wie moralisch - man darf es mit Inbrunst wiederholen - inakzeptabel ist, fremde Zitate als eigenen Text auszugeben. Nur wer seine Quellen offenlegt oder wer die jeweilige Montage, Collage oder „Intertextualität“ zum klar erkennbaren literarischen Prinzip erhebt, darf fremde Federn ins das eigene Gewebe integrieren. Die Spielregeln des Autors müssen für den Leser klar sein.

Wer die spezifische Originalität eines Textes und den Schutz des Urheberrechts missachtet, wie Hegemann es getan hat, der schadet der Kunst im Allgemeinen und der Literatur im Besonderen. Auch Kreativität muss vor Raub geschützt werden. Daran ändert rein gar nichts unser aller Übergang von der analogen in die digitale Welt (in der ein Zitat-Erkennungs-Programm für Lektoren nun sehr hilfreich wäre).

Daher ist es ein völlig falsches Zeichen, das die Jury für den Leipziger Buchmessepreis soeben gesetzt hat. Helene Hegemanns umstrittenem Roman nun auch noch die Ehre angedeihen zu lassen, ihn zu den besten Veröffentlichungen der Saison zu zählen, ist eine Entscheidung, die einer Farce sehr nahe kommt. Sollte die Autorin am Ende auch noch für ihr Abschreibverfahren mit der Auszeichnung belohnt werden, dann muss man zwar immer noch nicht den Literaturbetrieb dichtmachen, wohl aber den Buchmessepreis.



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