Schriftgröße

Wetterkarten

Blitz und Donner über Bonn

Von Reinhard Lüke, 12.02.10, 22:41h

Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist Bonn immer noch als einzige Stadt Nordrhein-Westfalens auf der ZDF-Wetterkarte verzeichnet. Auch andere weniger große Städte finden sich kurioserweise darauf.

ZDF-Wetterkarte
Bild vergrößern
Die ZDF-Wetterkarte. (Bild: ZDF)
ZDF-Wetterkarte
Bild verkleinern
Die ZDF-Wetterkarte. (Bild: ZDF)
Mainz könnte man ja noch verstehen. Aber Bonn? Klar, das propere Städtchen am Rhein fungierte für mehrere Jahrzehnte als Hauptstadt und Regierungssitz der BRD. Doch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung und eine Dekade nach dem Regierungsumzug ist Bonn eigentlich Geschichte. Oder mit seinen rund 300 000 Einwohnern zumindest auch nicht größer als Bielefeld oder Halle an der Saale. Nur unter den ZDF-Meteorologen ist man offenbar gänzlich anderer Meinung und hält bei der Wetterkarte noch immer treu zu Bonn als einzigem Repräsentanten des Bundeslandes NRW.

Während die Konkurrenten von ARD, RTL und Sat 1 auf ihren Schautafeln die Stadt längst durch Köln ersetzt haben, prangt bei den Mainzern auf allen Wetterkarten vom Morgenmagazin bis „heute -Nacht“ noch immer Bonn. Wer ob dieses Kuriosums bei den Meteorologen auf dem Mainzer Lerchenberg nachfragt, wird überraschend an die Hauptredaktion Aktuelles verwiesen. Dort weiß Elmar Teveßen, seines Zeichens, stellvertretender Chefredakteur, allerdings auch keine schlüssige Erklärung für das Phänomen. „Das mit Bonn“, so Theveßen, „ist natürlich historisch gewachsen, aber man kann sicherlich der Meinung sein, dass man das mal ändern müsste.“ Und weshalb ist das bei der großen Runderneuerung der ZDF-Nachrichtenstudios, von der schließlich auch die Wetterkarte betroffen war, nicht geschehen? Theveßen: „Wir haben das natürlich aus diesem Anlass diskutiert und probehalber auch mal andere Städte auf die Landkarte geworfen. Aber letztlich haben sich die Befürworter einer Änderung nicht durchsetzen können.“

Während sich alle anderen großen Sender beim Wetter auf die nahe liegenden Metropolen konzentrieren, und allenfalls mal Leipzig (RTL) oder Dresden (ARD) alternativ als Städte des Ostens aufführen, leistet sich das ZDF neben Bonn noch weitere Kuriositäten. Da findet sich auch die Landeshauptstadt Saarbrücken und das Bundesland Hessen wird nicht etwa durch Frankfurt sondern von Kassel repräsentiert. Auch dafür fällt Elmar Theveßens Erklärung eher dürftig aus: „Mit Saarbrücken im Westen und Kassel im Osten und Kassel wollte man den Zuschauern in der BRD damals eine Orientierungshilfe geben.“ Schön und gut, aber Kassel liegt schon länger nicht mehr im Zonenrandgebiet. Und so aufwändig ist der schlichte Austausch von Namen auf einer Wetterkarte nun auch nicht. In einem Punkt ist sich der stellvertretende Chefredakteur aber ganz sicher: Mit dem Einfluss irgendwelchen Lobbyisten in den ZDF-Gremien soll die eigentümliche Wetterkarte jedenfalls nichts zu tun haben.

Jörg Kachelmann, der mit seiner Firma meteomedia im Ersten die Wetterprognosen im Morgenmagazin, vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen liefert, hält die Sache mit den Städtenamen ohnehin für überflüssig. „Jeder Zuschauer weiß doch sowieso, wo seine Stadt in Deutschland zu finden ist. Als Meteorologen machen wir schließlich keine Land- sondern Wetterkarten.“



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste