Von Frank Weiffen, 16.02.10, 16:01h, aktualisiert 17.02.10, 16:05h
Als erstes landet das Fleetwood-Mac-Album „Then Play On“ (1969) auf dem schweren Holztisch im Wohnzimmer, an dem Klaus Heuser Platz genommen hat - ohne den obligatorischen Hut auf dem Kopf übrigens. „Auf diesem Album“, sagt er, „gibt es nicht nur wunderschöne Gitarrenmusik, sondern auch unglaubliche Gesangsharmonien. Und wenn eine Band ihren Gesang wie ein Instrument einsetzt, dann hat mich das gerade als Musiker schon immer fasziniert.“ Fleetwood Mac, Eagles, Beach Boys - das seien Beispiele für perfektes Zusammenspiel innerhalb einer Band.
Inspiration eines GitarristenUnd das sei wiederum etwas, was vielen Künstlern der Neuzeit abgehe: „Heutzutage zählt oftmals nur noch der Produzent. Er setzt seine Vorstellungen durch. Und dann klingt vieles glatt und beliebig.“ Auch wenn sie erst kürzlich den Grammy gewonnen habe: „Was will ich denn etwa auf einer Alicia-Keys-Platte noch entdecken?“ Auch die so genannten „Boygroups“ klängen alle gleich. „Wenn ich aber so eine alte Platte wie die hier blind auflege, dann weiß ich nach drei Sekunden: Klar! Das ist diese oder jene Band. Die hat ihren unverwechselbaren Sound und Gesang.“ Spricht's, greift schnell noch zu Rod Stewarts „Sailing“ (1976) - und schwärmt: „Diese Stimme berührt die Seele. Als ich »Sailing« zum ersten Mal hörte, dachte ich: Von mir aus soll der den Wetterbericht vorlesen. Hauptsache, er sagt irgendwas.“
Was seine Inspiration fürs Gitarrenspiel angeht: Die holte sich Klaus Heuser bei - natürlich - Eric Clapton (dessen Platte „461 Ocean Boulevard“ von 1974 er exemplarisch zeigt) und Rory Gallagher (der in der Sammlung mit dem selbstbetitelten Debüt von 1971 vertreten ist). Und was ist mit einem wie Hendrix? „Für Hendrix war ich damals noch zu jung. Dessen Musik habe ich nie als so groß begriffen. Das war eher Krach.“
Oder Ritchie Blackmore von Deep Purple? „Den habe ich mal in der Kölner Sporthalle gesehen und war begeistert - bis er drei wunderschöne Stratocaster-Gitarren auf der Bühne zertrümmert hat. Danach hasste ich ihn.“ Ein Gitarrist darf nun einmal keine Gitarre zerstören. Er soll sie spielen. Und wenn er sie gerade nicht spielt, dann kann er sie ja immer noch liebevoll an die Wohnzimmerwand hängen, so wie Klaus Heuser das mit den beiden wunderbar verzierten Gibsons getan hat, die stumm und erhaben auf die Szenerie am Holztisch herunterblicken.
Ein LebensgefühlPink Floyds „Atom Heart Mother“ (1971, die mit der Kuh auf dem Cover) zeigt der „Major“ im Folgenden als Beispiel für eine Konsens-Platte, die man hat, „weil man sie eben haben muss“. Die niederländische Band „Livin' Blues“ („Rocking At The Tweed Mill“) entdeckte er einst bei einem Konzert im Leverkusener Forum. Die alten Genesis (mit Peter Gabriel als Sänger) und ihre LP „Selling England By The Pound“ (1973) liebte er, „weil man in seiner Band einen Mitspieler brauchte, der mindestens fünf Jahre Klavier studiert hatte, um die Stücke nachzuspielen, so kompliziert klingen die“. Mit den langhaarigen Hippie-Rebellen von Golden Earring und ihrem selbstbetitelten Album von 1970 schockte Klaus Heuser seine Eltern.
Und zu den Rolling Stones - beim „Lauschangriff“ vertreten mit „Black & Blue“ (1976) - hat er ohnehin seit jeher eine besondere Beziehung: „Wir spielten mit Bap bei ihnen im Vorprogramm und standen im Müngersdorfer Stadion auf derselben Bühne wie sie. Und: Während die Beatles ausschließlich für ihre tolle Musik bekannt waren, waren die Stones schlichtweg ein Lebensgefühl.“ Man betrachte nur die populären „Zungen-Aufkleber“, sagt der „Major“. „Wenn man so einen auf dem Auto hatte, dann war das so, als habe man da einen »Atomkraft? Nein danke!«- oder „Anti AKW“-Sticker kleben.“ Klaus Heuser lacht. Vielleicht auch weil er sich sicher sein kann, dass er da besondere Zeiten erlebt hat. Zeiten mit Statements, die man heute sowohl in der Musik als auch auf Autos vergeblich sucht.
Und irgendwie fällt auch die letzte Platte, die er an diesem Tag hervorholt, in diese Kategorie. Es ist jene Platte, von der Klaus Heuser sagt: „Sie hatte großen Anteil daran, dass ich überhaupt Musiker wurde.“ Ganz unten liegt sie im Stapel - und ist nicht unbedingt das, was man auf den ersten Blick als „erleuchtend“ für einen wie ihn ansehen würde, der in der Hauptsache Rock und Blues liebt: Bob Marleys „Rastaman Vibration“ (1976). Indes: Die Geschichte dazu ist eine wirklich schöne. Eine, die beispielhaft steht für die Kraft der Musik.
Der absolute Motivationsschub„Ich ging zu einem Marley-Konzert in die Düsseldorfer Philipshalle und kannte diesen Mann überhaupt nicht, geschweige denn Reggae. Das war reine Neugierde“, erinnert er sich. Marley kam auf die Bühne, legte los. „Und es dauerte zwei Minuten, dann stand ich und dachte die ganze Zeit nur: Hammer! Das ist unglaublich!“
Kurze Zeit später hörte Klaus Heuser die erwähnte LP bei einem Freund, bekam die Hymne „Get Up, Stand Up“ ins jugendliche Hirn gebrannt. „Und als ich danach nach Hause kam, glaubte ich felsenfest daran, jetzt wirklich alles anders zu machen.“ Es war das Gefühl purer Rebellion. Ein Ausbruch aus dem Alltag. Der absolute Motivationsschub. Und einer wie der „Major“ weiß seitdem: Genau das sind die Dinge, die eine Rock'n'Roll-Karriere ins Rollen bringen. Da ist es auch nicht schlimm, wenn Clapton gar nicht nebenan wohnt.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige