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Brass Acts

Sie lernen spielend

Von Christian Leinweber, 17.02.10, 14:46h

An der Hauptschule Baadenberger Straße können Jugendliche im Alter von elf bis 14 Jahren in einem Blasorchester musizieren. Ein junger Saxophonist hat sich von der Serie „The Simpsons“ inspirieren lassen.

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Klaas Voigt (l.), Schulleiterin Elke Mück (r.) und die Kinder des Orchesters (Bild: Leinweber)
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Klaas Voigt (l.), Schulleiterin Elke Mück (r.) und die Kinder des Orchesters (Bild: Leinweber)
Ehrenfeld - Zusammen halten, zusammen spielen und ein großes Ziel vor Augen haben: Das ist seit Anfang Januar das Motto von rund 20 Schülern der Hauptschule Baadenberger Straße. Denn die Jugendlichen im Alter von elf bis 14 Jahren nehmen an dem von der Landesarbeitsgemeinschaft Musik NRW (LAG Musik) und dem vom Blasorchester Die Domstädter initiierten Jugendblasorchesterprojekt Brass Acts teil. Saxophonist Fotios Bagirir (zwölf Jahre) ist einer der jungen Nachwuchsmusiker: „Ich schaue oft die Simpsons und Lisa Simpson spielt ja auch Saxophon. Deswegen habe ich mir das Instrument ausgesucht“, verrät er.

Und darauf spielen kann er nach nur wenigen Wochen auch schon. Immer wieder entlockt der junge Musiker seinem Saxophon eine improvisierte Melodie, die man so nicht unbedingt von einem Anfänger erwarten würde. Unter Anleitung von Saxophonist und Dozent Klaas Voigt probt Fotios mit fünf seiner Schulkameraden „Hänschen klein“ - auf Klarinette, Querflöte und Saxophon. „Unser Ziel für heute ist es, den ersten Takt zusammen zu spielen“, sagt Voigt den Mädchen und Jungen. Dann erklärt er ihnen, warum die Körperspannung beim Spiel wichtig ist, und lobt: „Der erste Takt war schon gut.“ Derzeit sind es noch einfache Kinderlieder, nach und nach werden die Stücke komplexer - möglichst bald sollen Orchesterstücke wie „When the Saints go marching in“ folgen.

Voigt ist einer von drei Dozenten, die zusammen mit Orchesterleiter Thomas Sieger die Kinder unterrichten. Sieger - Ausbilder und Dirigent der Domstädter, die auch einen Teil der Instrumente zur Verfügung stellten - sagt zur Entstehung des Projektes: „Der treibende Motor und Schirmherr des Projektes war der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges, weil er in seinem Stadtteil etwas tun und gerade hier natürlich auch die sozialen Brennpunkte fördern möchte.“ Die Domstädter wollen sich mit ihrem Engagement auch langfristig eine Nachwuchsquelle erschließen. Das Orchester hat seine Wurzeln im Karneval, ist während der Session beliebt bei den jecken Sitzungen, aber mit seinem vielseitigen Repertoire aus Konzertwerken, Märschen und Unterhaltungsklassikern das ganze Jahr über aktiv.

Ein Projekt wie Brass Acts ist ohne finanzielle Hilfe natürlich nicht zu realisieren. Michael Brüning von der LAG Musik hat dafür gesorgt, dass das Land NRW das Projekt unterstützt. Über eine Sonderförderung in Verbindung mit dem „Pakt mit der Jugend“. Hinzu kommen Mittel der Bezirksvertretung Ehrenfeld und Spenden der Karnevalsgesellschaft Große Kölner und der Interessengemeinschaft Krieler Dom. Vom Geld werden nicht nur die Dozenten bezahlt, sondern auch zusätzliche Instrumente angeschafft: Saxophone, Querflöten, Klarinetten, Trompeten, Posaunen und Euphonien. Schulleiterin Elke Mück ist begeistert: „Als Hauptschule haben wir ja fast keine Möglichkeit, Musiklehrer zu bekommen. Daher ist die musikalische Förderung ein Teil des Angebots für uns.“

Und die Schülerinnen und Schüler nehmen es mit viel Enthusiasmus an. „Ich biete solche Projekte auch an anderen Schulen und hab dort schon meine Erfahrungen gesammelt“, schildert Thomas Sieger. „Was mich hier absolut fasziniert hat, war diese geballte Energie, die von den Schülern ausgeht, und diese Freude, die man sehen kann, wenn man den Kindern in die Augen schaut. Das ist einfach bewegend.“

Marie Read (13) hat sich ihre Querflöte nicht ohne Grund ausgesucht: „Das Instrument passt zu meinem Charakter“, sagt die Schülerin. „Es ist an sich sehr ruhig, kann aber auch laut werden.“ Laut werden kann auch Voigt, denn manchmal sind die Kinder so sehr mit sich selbst und ihren Instrumenten beschäftigt, dass sie seine Anweisungen nicht mitbekommen. „Doch wir haben auch Verständnis, wenn sie mal nicht so konzentriert sind, die Proben laufen ja im Anschluss an die Schule“, sagt Voigt, „alles in allem sind die Mädchen und Jungen aber engagiert.“ Nicht jeder für sich, sondern alle zusammen - das ist ein Ziel des Unterrichts. „Die Nachwuchsförderung und das Musikalische sind das eine, aber mir ist ganz wichtig, dass es hier auch um das Erlernen von sozialer Kompetenz geht“, sagt Sieger. „Und das kann man mit Musik sehr gut. Sich in der Gemeinschaft bewegen und seine Verantwortung tragen, im Respekt zueinander: Daran lässt sich mit diesem Projekt gut arbeiten.“

An der Hauptschule Baadenberger Straße wird Brass Acts konsequent angegangen - mit Erfolg, wie es scheint. Fotios: „Mein Traum ist es zwar, Fußballstar zu werden , aber ich kann mir auch vorstellen, mit dem Orchester aufzutreten und Applaus für meine geleistete Arbeit zu bekommen.“ Wenn er und seine Mitmusiker so weiter machen, wird der Beifall wohl nicht lange auf sich warten lassen.



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