Von Jan W. Brügelmann, 17.02.10, 18:10h
Die Vorgehensweise wäre nicht neu: Bereits 1997 versuchten Geheimdienst-Agenten Hamas-Chef Chaled Meschaal in Jordanien zu vergiften. Dabei bedienten sie sich kanadischer Pässe. Mahmud el Mabhuh gehörte zu den Gründern der Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas. Israelischen Sicherheitskreisen und der Hamas zufolge hat Mabhuh auch beim Waffenschmuggel in den von Hamas beherrschten Gaza-Streifen eine Schlüsselrolle gespielt.
Am Dienstag, so berichtet die Nachrichtenagentur AFP, sickerte durch, dass die von den Behörden in Dubai gesuchten elf Verdächtigen - zehn Männer und eine Frau - über gefälschte Ausweise aus Großbritannien, Irland, Deutschland und Frankreich verfügten. Ein Sprecher des Außenministeriums in Dublin, bestätigte, dass drei falsche irische Pässe in der Untersuchung eine Rolle spielten. Die Regierung in London gab bekannt, die von sechs Verdächtigen benutzten britischen Pässe seien gefälscht gewesen. Diese Pässe enthielten wohl die persönlichen Daten von Israelis, doch seien die Fotos ausgetauscht worden, berichtet das israelische Fernsehen. „Das ist mein Pass, aber ich habe Israel nicht verlassen“, zitiert AFP den Israeli Paul Kelly, der auch die britische Staatsangehörigkeit hat. Auch der Israeli Steven Hodes sagte, seine Identität sei „gestohlen“ worden. Neben den sechs Israelis mit doppelter britischer Staatsbürgerschaft sei auch ein gesuchter Deutscher mit doppelter Staatsangehörigkeit. Unter den Verdächtigen ist auch ein schnauzbärtiger Brillenträger mittleren Alters, der einen deutschen Pass bei sich gehabt haben soll.
Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, dort lägen „keine eigenen“ Erkenntnisse vor. Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte lediglich, dass es einen „Informationsaustausch“ mit der Polizei in Dubai gebe.
Die israelische Zeitung „Haaretz“ forderte den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan. Israels Außenminister Avigdor Lieberman dementierte zwar nicht ausdrücklich, dass es eine Operation des Mossad gewesen sein könnte, sagte aber, ebenso gut könne es ein „anderer Geheimdienst“ gewesen sein. Israel halte sich an „klare, vorsichtige und verantwortliche Spielregeln“, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Die britische Regierung kündigte eine „umfassende Untersuchung“ an.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, wurde der Mord an Mabhuh über eine Art Kommandozentrale des Mossad in Österreich organisiert. Die Beteiligten seien kurz vor der Tat nach Dubai eingereist und nachher in wenigen Stunden wieder abgereist. Dabei sollen fünf Agenten aus Deutschland gekommen und zwei anschließend nach Frankfurt gereist sein. (mit afp, rtr)
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