Von F.A. Heinen, 18.02.10, 10:52h
In diesem Sinne scheint das Ende der Kurzarbeit im Hellenthaler Stocko-Werk das Ende der wirtschaftlichen Eiszeit anzuzeigen - zumindest für dieses große Unternehmen. Der Hersteller von Steckverbindungen mit Hauptsitz in Wuppertal beschäftigt im Oleftal immerhin gut 200 Mitarbeiter und gehört damit zu den letzten größeren Unternehmen des produzierenden Gewerbes im westlichen Kreisgebiet.
Gestern bestätigte der Geschäftsführer von Stocko, Selahattin Servi, dass das Unternehmen die Kurzarbeit ganz beendet habe. Servi: „Wir sind alle froh, dass dies gelungen ist.“ Das Unternehmen unterhält aktuell drei Standorte: im elsässischen Andlau, in Hellenthal und in Wuppertal. Wobei in Hellenthal gut die Hälfte der insgesamt 400-köpfigen Belegschaft beschäftigt ist, in Andlau sind es rund 160 Mitarbeiter. In Wuppertal ist die Firmenzentrale mit Verwaltung und Marketing.
Wie Servi berichtete, hat Stocko schon beim Beginn der Krise auf die Kurzarbeit gesetzt, um die schwierige Zeit zu überbrücken. Bereits Ende 2008 seien die Aufträge des exportorientierten Unternehmens drastisch weggebrochen, „innerhalb von drei Monaten fiel das von einem Extrem ins andere“. Schon Anfang vergangenen Jahres habe es daher in erheblichem Umfang Kurzarbeit in Hellenthal gegeben.
Erste Anzeichen für eine Besserung hätten sich im dritten Quartal vergangenen Jahres ergeben. Seither sei die Kurzarbeit in dem Umfang zurückgefahren worden, in dem sich die Lage stabilisiert habe. Selahattin Servi: „Das ist alles in allem sehr positiv. Wir sehen die Notwendigkeit für die Kurzarbeit nicht mehr.“ Die Unternehmensleitung arbeite sehr kooperativ auch mit dem Betriebsrat zusammen, der die Entscheidungen stets mitgetragen habe.
Hilfreiches InstrumentDie Kurzarbeit sei für das Unternehmen ein „sehr hilfreiches Instrument“ gewesen. Servi wies gestern darauf hin, dass die Krise Stocko auch noch ausgerechnet mitten in einem gravierenden Umstrukturierungsprozess getroffen habe. In der Zeit wurde ein früherer Unternehmensstandort im belgischen Malmedy geschlossen, die Abteilungen wurden überwiegend dem Standort Hellenthal zugeschlagen, der damit letztlich gestärkt aus der Krise hervorging.
Das Stocko-Werk bildet seine Mitarbeiter in erheblichem Umfang selbst aus. So weiß man, dass das Personal auch wirklich qualifiziert ist. Servi: „Diese Leute wollten wir in der Krise nicht ziehen lassen, deshalb haben wir voll auf die Kurzarbeit gesetzt. Sonst hätte man über einen Personalabbau nachdenken müssen.“
Ursprünglich wollte die Unternehmensleitung die Zeit der Kurzarbeit nutzen, um Personal fortzubilden. Das sei in vielen Fällen personenbezogen überprüft und schließlich verworfen worden: „Unsere Leute waren einfach schon zu qualifiziert für die angebotenen Fortbildungen“, sagte Servi.
Der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg des Industriebetriebs am Ende des Oleftals liegt nach Servis Einschätzung außerdem darin begründet, dass in Hellenthal hoch entwickelte Technologie zum Einsatz kommt, die die Produkte international konkurrenzfähig macht.
Das 1901 in Wuppertal gegründete Unternehmen betreibt seit 1911 eine Dependance in Hellenthal. Zunächst wurden Textilverschlüsse produziert, später Steckverbinder und elektrische Kontakte. Seit 1998 gehört das Unternehmen zur Bamberger Wieland-Gruppe. Stocko hat einen Exportanteil von 70 Prozent. Hergestellt werden beispielsweise Steckverbindungen für Waschmaschinen und Geschirrspüler, die die Käufer fast nie zu sehen bekommen, weil sie sich im Gehäuse der Geräte befinden.
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