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Schimmel in der Wohnung

Zum Lüften den Wecker stellen?

Von Jan Sting, 17.02.10, 18:21h, aktualisiert 17.02.10, 18:34h

Das Ehepaar Candido lebt in einer feuchten Mietwohnung mit Schimmelbefall. Große Probleme haben die Candidos deshalb mit ihrem Vermieter. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

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Bärbel Candido zeigt, wie sich der Schimmel im Schlafzimmer breit macht. Der Raum sei mittlerweile unbewohnbar. (Bild: Ralf Krieger)
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Bärbel Candido zeigt, wie sich der Schimmel im Schlafzimmer breit macht. Der Raum sei mittlerweile unbewohnbar. (Bild: Ralf Krieger)
Bergisch Neukirchen - Als Bärbel und Ilario Candido vor drei Jahren zum ersten Mal ihre neue Wohnung in Pattscheid sahen, waren sie gleich verliebt. Aus dem Wohnzimmer geht der Blick weit bis nach Köln. Sie mieteten die Wohnung, investierten in neue Fußböden und beschlossen, hier ihren Lebensabend zu verbringen. Heute möchten sie lieber wieder ausziehen. Doch ein Ende des Rechtsstreits mit ihrem Vermieter ist nicht in Sicht.

Ein Rundgang durch die Wohnung offenbart das Problem: Schimmel macht sich breit. Die Candidos bearbeiten die Stellen an Wänden, Stürzen und Fensterbänken regelmäßig mit Alkohol. Doch zwei, drei Tage später sind sie wieder schwarz. Bärbel Candido ist schwerbehindert und leidet unter Asthma und einem Lungenemphysem, was sie vor Abschluss des Mietvertrags auch zu verstehen gegeben habe. Sie bezieht eine Erwerbslosenrente. Die Wohnung werde für sie zum Alptraum. Regelmäßig, wenn im Winter der Schimmel verstärkt auftrete, bekomme sie eine Lungenentzündung. Ein Raum sei unbewohnbar. Candidos minderten auf Empfehlung des Mietervereins die Miete.

Unzureichend gelüftet?

Vermieter Dieter Langer räumte das Problem eines Schimmelbefalls der Wohnung ein. Langer machte selbst ein Gutachten in der Wohnung: Es werde unzureichend gelüftet. Er empfiehlt den Candidos, nachts zu lüften. Und auch tagsüber „muss intensiv an der Entsorgung der Feuchtigkeit gearbeitet werden“, schreibt er im Gutachten.

„Das Haus stammt aus den 60er oder 70er Jahren. Die Leute haben gesehen, dass es sich um keinen Neubau handelt.“ Früher seien die Fenster einfach verglast gewesen, erklärte Langer gestern. Darunter habe es ein kleines Loch gegeben, durch das die Luft zirkulieren konnte. Seit dem Einbau von doppelverglasten Fenstern gebe es häufig Probleme, dass zu hohe Luftfeuchtigkeit einen Nährboden für Schimmel gebe. Es werde nicht oder falsch gelüftet. Er vermiete mehrere Häuser in Leverkusen. Auch bei Neubauten komme es ab September regelmäßig zu Klagen über Schimmel. Regelmäßiges Stoßlüften sei das beste Gegenmittel.

Bärbel Candido wirkt resigniert: „Wir reißen mehr als drei Mal am Tag weit die Fenster auf und lüften quer. Aber es hilft nicht gegen den Schimmel.“ Sie und ihr Mann beauftragten den Wermelskirchener Gutachter Ulrich Schott. Der baute über ein Jahr seine Messinstrumente auf und sieht das Problem vor allem in dem unzureichenden Wärmeschutz der 24 Zentimeter dicken Außenwand. Der Dachüberstand aus Stahlbeton stelle eine erhebliche Wärmebrücke dar. Die Messwerte gäben nicht her, dass der Schimmelbefall allein durch Lüften zu beheben seien. „Die müssten sich schon nachts den Wecker stellen, um auch dann die Fenster weit aufzumachen.“ Zu berücksichtigen sei, dass Ilario Candido im Schichtdienst arbeite und aufgrund des Straßenlärms bei geschlossenem Fenster schlafe. Auch andere Mietparteien in dem Haus beauftragten Schott in der Vergangenheit, da sie Probleme mit Schimmel hatten.

André Juffern, Rechtsanwalt beim Leverkusener Mieterverein, erklärte gegen über dem „Leverkusener Anzeiger“, dass es in der Stadt viel alte Bausubstanz gebe und das Thema Schimmel verbreitet sei. „Wer kann schon sagen, wie das optimale Lüftungsverhalten ist? Wenn ich mir schon nachts den Wecker stellen muss, um zu lüften, dann ist das keine normale Nutzung mehr.“



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