Von Martin Oehlen, 20.02.10, 12:28h
Es handelt sich hier um die größte Präsentation buddhistischer Kunst, die jemals außerhalb der Himalaya-Monarchie zu sehen war. Am Ende hatte sich sogar das Parlament damit befasst und die Ausleihe genehmigt. Nach Stationen in den USA und Paris erhält nun Köln die einzigartige Chance, sich auf die Schönheit und Gedankentiefe der Rollbilder (Thangkas), Ritualobjekte und Skulpturen einzulassen. Als letzte Tournee-Station folgt dann noch Zürich.
„All diese heiligen Objekte“, sagt Penden Wangchuk beim Rundgang, „haben unsere Bürger noch nie in solcher Konzentration sehen können.“ Deshalb werde die Ausstellung, die von der „Honolulu Academy of Arts“ kuratiert worden ist, nach der dreijährigen Welttournee an drei Stätten des Landes gezeigt. „Alles andere wäre eine Sünde“, sagt der Staatssekretär aus dem bhutanischen „Ministerium für Heimat und Kultur“, der einer der sehr wenigen Experten ist, die das Projekt von Anfang an und überall begleitet haben.
In Bhutan wird die Aufnahme eine dramatisch andere sein als im säkularisierten Westen. „Für uns sind das alles wichtige Heiligtümer, die unser Leben bestimmen“, sagt Penden Wangchuk. Nichts habe er dagegen, wenn sich westliche Besucher vor allem der Ästhetik dieser Kunstwerke aus zwei Jahrtausenden zuwendeten. Doch geschaffen wurden sie, um den buddhistischen Gläubigen die Gottheiten vor Augen zu führen und die Gelegenheit zur Anbetung und zur Meditation zu geben. „Ich bete täglich“, sagt der fröhliche Staatssekretär. „Das gibt mir Ruhe wo immer auf der Welt ich mich gerade aufhalte.“
Nun ist er also in Köln, um dem Start der Präsentation beizuwohnen. „Für unser kleines Land ist dies eine hervorragende Plattform, um der Welt unser reiches kulturelles Erbe zu zeigen.“ Es sei einer der wichtigsten Aufgaben der Regierung, dieses Erbe zu bewahren. Aus diesem Grunde ist auch die Zahl der Touristen, die das Land bereisen dürfen, recht gering; und Berge besteigen dürfen sie schon eh nicht, weil auch diese Götter sind, die Berge.
Das Kölner Museum, meint Direktorin Adele Schlombs, sei nun für eine Weile zu einer Art Tempel mutiert. Dazu tragen die beiden Mönche bei, die dafür sorgen, dass die verehrten Exponate auch fern der Heimat mit Gebet und Meditation bedacht werden. Zudem müssen diese solcherart gereinigt werden vom möglicherweise schlechten Karma der Besucher.
Es sind insgesamt 117 Objekte aus dem 7. bis 20. Jahrhundert zu sehen. Auffallend ist, dass aus der mittleren Überlieferung, einem Zeitraum von rund 1000 Jahren, nur wenige Objekte stammen. Stephen Little, der Ausstellungs-Leiter aus Honolulu, sieht einen Zusammenhang damit, dass Bhutan erst im 17. Jahrhundert zur Einheit fand. Sein amerikanischer Kollege Eddie Jose, der noch bis 2015 bhutanische Mönche in der Kunst der Restauration ausbilden wird, vermutet gleichwohl, dass sich in den Klöstern noch manche Entdeckung wird machen lassen: „Da wird es in Zukunft einige Überraschungen geben.“
Es sind atemberaubend schöne und komplexe Objekte zu sehen, teilweise tempelgleich präsentiert vor eisenrotem Hintergrund. Wer nicht mit dem Buddhismus vertraut ist, wird sich laben können an filigraner Gestaltung und komplexem Bildaufbau, wird die für Bhutan typischen Lotussockel der Skulpturen und die ebenso spezifischen Rhododendron-Blüten auf den Rollbildern entdecken. Wer sich überdies den Erläuterungen anvertraut, die das Museum vorhält, wird schier überrollt von der Vielfalt der Mythen und Historien, die in Bildprogramm und Figurengestaltung zur Darstellung kommen.
Besonders populär sind der historische Buddha Sakyamuni, der gerne im Moment seiner Erleuchtung porträtiert wird, sowie der Meister Padmasmbhava, der um 800 nach Bhutan kam und als „zweiter Buddha“ verehrt wird, als „Guru Rinpoche“, was „kostbarer Lehrer“ bedeutet. Staatssekretär Penden Wangchuk hat auch einen persönlichen Favoriten: Die Statue des Buddha Amitayus aus dem 11. Jahrhundert, der aus seinem Heimat-Bezirk stammt. Es ist der Buddha des ewigen Lebens, worauf die Vase in seinen gefalteten Händen hinweist, und er trägt blaues Haar, was ihn als friedliche Gottheit kenntlich macht.
Die Kölner Ausstellung, prophezeit der Staatssekretär, werde ein ganz besonderer Erfolg werden. Zwar sei bereits in San Francisco „Geschichte geschrieben“ worden, weil dort am Ende sogar das Museum wegen des Besucherandrangs geschlossen werden musste. Doch jetzt habe er Köln kennengelernt.
Was ihm aufgefallen ist? Die reiche Kulturtradition der Stadt. Dann die Fröhlichkeit der Menschen, die er beim Rosenmontagszug gesehen habe („a hell of an experience“). Schließlich das Museum und seine Direktorin: „Der Einsatz, mit dem hier - trotz des geringen Personalstandes und der wirtschaftlichen Lage - diese großartige Inszenierung geschaffen wurde, ist herausragend. Die Räume des Museums, auch die Lage am See - ideal.“ Der Donnerdrache, könnte man ihn nur sehen, schüttelte zu diesen Worten gewiss zustimmend sein mächtiges Haupt.
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