Von Konstantin Muffert, 26.02.10, 21:00h
Mit seinem 50-köpfigen Team im Epea-Institut und zusammen mit seinem Partner, dem US-Architekten William McDonough, hat Braungart um die 600 Produkte nach dem C2C-Prinzip mitentwickelt: etwa die biologisch abbaubare Schuhsohle für Nike, einen Bürostuhl, aus zu 100-Prozent-weiterverwertbaren Komponenten, essbare Sitzbezüge für den Airbus A 380 oder Fords recycelbares Auto.
Braungarts Vision vom Ende der Wegwerfgesellschaft hat im Ausland viele Fans, in Deutschland scharfe Kritiker. So ist aus dem Umweltbundesamt (Uba) zu hören, dass es Braungarts Ideen häufig an Praktikabilität fehle. „Seine Vorschläge hören sich sehr gut an“, sagt Joachim Wuttke vom Uba-Fachbereich Nachhaltige Produktion, „in der Umsetzung stoßen wir auf zahlreiche Grenzen, die uns politische und ökonomische Rahmenbedingungen setzen.“ Für ein verbessertes Papierrecycling beispielsweise müsste man der Industrie vorgeben, welche Materialen sie verarbeiten darf. In der Europäischen Union sei das nicht machbar, da man damit gegen das Prinzip der freien Marktwirtschaft verstoße. „Damit das Konzept funktioniert, müssen schon alle mitmachen“, erklärt Wuttke, „am besten weltweit.“
Während in Deutschland gezaudert wird, ist in den Niederlanden eine C2C-Euphorie ausgebrochen. An der Erasmus-Universität in Rotterdam wurde Prof. Braungart ein C2C-Lehrstuhl eingerichtet, Unternehmen sind begeistert. Ein Lieblingskunde von Prof. Braungart ist Stef Kranendijk, CEO von Desso, einem der führenden Teppichhersteller in Europa. Desso hat 70 Prozent der Produktion auf C2C umgestellt, in zwei Jahren sollen es 100 Prozent sein. „Wir machen das, weil es uns neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet“, sagt Kranendijk, „für uns ist das ein echter Wettbewerbsvorteil.“
So denkt auch Arnold Schwarzenegger. Von Kaliforniens Gouverneur erhielt Braungart vor einigen Tagen Post. „Zusammen werden wir die Welt inspirieren und verändern“, schreibt Schwarzenegger im Hinblick auf das geplante „California Green Products Innovation Institute“. Das soll im Mai seine Arbeit aufnehmen. Und womöglich wird der deutsche Professor dann doch ein Star.
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