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Neue Produkte

Vision von einer Welt ohne Müll

Von Konstantin Muffert, 26.02.10, 21:00h

Mit seinem Konzept „cradle to cradle“ will der Chemieprofessor Michael Braungart die industrielle Produktion revolutionieren. Produkte sollten nicht entsorgt, sondern für ein zweites Leben konzipiert werden.

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Michael Braungart entwickelt Produkte, die komplett wiederverwertbar sind. (Bild: Braungart)
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Michael Braungart entwickelt Produkte, die komplett wiederverwertbar sind. (Bild: Braungart)
Der Mann hat das Potenzial zum Star. Brad Pitt bewundert seine Idee, Steven Spielberg dreht einen Film über sein Konzept und Arnold Schwarzenegger will mit ihm das „California Green Products Innovation Institute“ ins Leben rufen. Dabei hat Michael Braungart nur bei der Natur genau hingeschaut: „Die Natur kennt keinen Abfall. Die Kreisläufe sind geschlossen. Nur wir Menschen produzieren Müll.“ Genau das will der Chemieprofessor ändern. Mit seinem Konzept „cradle to cradle“ (kurz C2C) - von der Wiege bis zu Wiege - will der 51-Jährige die industrielle Produktion revolutionieren. Von Überbevölkerung will er nichts wissen. „Wir sind nicht zu viele, wir sind nur zu blöd. Wir müssen alles so entwickeln, das es nützlich ist.“ Produkte sollten nicht entsorgt oder verbrannt werden, sondern so konzipiert werden, dass bei der aufwändigen Entwicklung das zweite Leben eingeplant wird.

Mit seinem 50-köpfigen Team im Epea-Institut und zusammen mit seinem Partner, dem US-Architekten William McDonough, hat Braungart um die 600 Produkte nach dem C2C-Prinzip mitentwickelt: etwa die biologisch abbaubare Schuhsohle für Nike, einen Bürostuhl, aus zu 100-Prozent-weiterverwertbaren Komponenten, essbare Sitzbezüge für den Airbus A 380 oder Fords recycelbares Auto.

Braungarts Vision vom Ende der Wegwerfgesellschaft hat im Ausland viele Fans, in Deutschland scharfe Kritiker. So ist aus dem Umweltbundesamt (Uba) zu hören, dass es Braungarts Ideen häufig an Praktikabilität fehle. „Seine Vorschläge hören sich sehr gut an“, sagt Joachim Wuttke vom Uba-Fachbereich Nachhaltige Produktion, „in der Umsetzung stoßen wir auf zahlreiche Grenzen, die uns politische und ökonomische Rahmenbedingungen setzen.“ Für ein verbessertes Papierrecycling beispielsweise müsste man der Industrie vorgeben, welche Materialen sie verarbeiten darf. In der Europäischen Union sei das nicht machbar, da man damit gegen das Prinzip der freien Marktwirtschaft verstoße. „Damit das Konzept funktioniert, müssen schon alle mitmachen“, erklärt Wuttke, „am besten weltweit.“

Während in Deutschland gezaudert wird, ist in den Niederlanden eine C2C-Euphorie ausgebrochen. An der Erasmus-Universität in Rotterdam wurde Prof. Braungart ein C2C-Lehrstuhl eingerichtet, Unternehmen sind begeistert. Ein Lieblingskunde von Prof. Braungart ist Stef Kranendijk, CEO von Desso, einem der führenden Teppichhersteller in Europa. Desso hat 70 Prozent der Produktion auf C2C umgestellt, in zwei Jahren sollen es 100 Prozent sein. „Wir machen das, weil es uns neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet“, sagt Kranendijk, „für uns ist das ein echter Wettbewerbsvorteil.“

So denkt auch Arnold Schwarzenegger. Von Kaliforniens Gouverneur erhielt Braungart vor einigen Tagen Post. „Zusammen werden wir die Welt inspirieren und verändern“, schreibt Schwarzenegger im Hinblick auf das geplante „California Green Products Innovation Institute“. Das soll im Mai seine Arbeit aufnehmen. Und womöglich wird der deutsche Professor dann doch ein Star.



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