Von Johannes Schmitz, 23.02.10, 20:50h, aktualisiert 24.02.10, 12:41h
Der Kreis hatte die Studie auf Anregung der Grünen in Auftrag gegeben. Doch Kühn lässt seit mittlerweile zehn Monaten mitteilen, solange fachliche Zweifel nicht ausgeräumt seien, halte die Verwaltung es nicht für richtig, die Ergebnisse zu veröffentlichen. In dieser Zeit habe sich durch Nacharbeiten der Umfang seiner Studie verdoppelt, so Greiser. Immer wieder habe der Kreis aber wochenlang auf eine Reaktion warten lassen, so der bundesweit renommierte Epidemiologe.
Anfang Februar gab es ein Gespräch in der Kreisverwaltung, an dem neben Mitarbeitern des Landrates auch zwei externe Wissenschaftler teilnahmen. Diese hätten zwar einige zusätzliche Variablen in seiner Arbeit angeregt. So habe Greiser seine Ergebnisse noch einmal nach der Zugehörigkeit der vom nächtlichen Fluglärm betroffenen Frauen zu den verschiedenen Krankenkassen ausgefächert. Zweifel an seinen Ergebnissen hätten die beiden Kollegen aber nicht gehabt, so Greiser. Beide Wissenschaftler waren gestern nicht für eine Nachfrage zu erreichen.
Erich Klemme, Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes, nannte ein Beispiel für die Zweifel an Greisers Arbeit. So habe Greiser mit den Daten verschiedener Krankenversicherungen gearbeitet, „die nicht zu diesem Zweck erhoben wurden“, so Klemme. Möglicherweise gebe es in den Daten Unterschiede mit Auswirkungen auf das Ergebnis.
Der Landrat verwahrt sich unterdessen gegen die Behauptung, er halte den „Gutachtenentwurf“ unter Verschluss. Er habe diesen im Sommer letzten Jahres den Fraktionen geschickt. Außerdem habe Greiser die Ergebnisse der Studie selber im Sommer 2009 öffentlich vorgestellt.
Kritiker sehen auch darin ein Versagen Kühns. Der habe die Fraktionen erst nach einem Bericht des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ informiert, meint SPD-Kreischef Sebastian Hartmann. „Ich will das in den demokratischen Gremien sehen“, fordert er. Der Landrat habe sich von Anfang an unprofessionell verhalten, findet er. „Dass Greiser Widerspruch ernten würde, war vorher bekannt“; sagt Hartmann. Man könne aber nicht einen Gutachter bestellen und dann eine Hängepartie daraus machen. Wenn das Gutachten so schlecht sei, dann hätte Kühn „klare Kante“ zeigen und den Vertrag mit Greiser von sich aus kündigen müssen, so Hartmann. Ob es aber tatsächlich Mängel gebe, stellt der SPD-Mann in Frage.
Horst Becker (Grüne) hält das Vorgehen des Landrates für „mehr als unglücklich“. Dies sei ein weiterer Fauxpas Kühns, der damit sowohl der Reputation Greisers schade, als auch dem berechtigten Anliegen der unter Fluglärm leidenden Menschen. Becker möchte Greiser trotz dessen Kündigung in den Planungsausschuss einladen. Der Kreis habe eine „Klebespur gelegt, auf der nichts mehr weitergeht“. Das werde ein parlamentarisches Nachspiel haben, so Becker.
Auch der Siegburger Bürgermeister Franz Huhn (CDU) geht mit seinem Parteifreund Kühn hart ins Gericht: „Die Daten gehören auf den Tisch, die Gesundheit ist unser oberstes Gut.“ Huhn findet es „absolut bedauerlich, dass der Kreis so zögerlich“ agiert. Klaus Stich (CDU), Vorsitzender der Fluglärmkommission, hat „nicht das geringste Verständnis“ für Kühns Verhalten. Es sei zu erwarten gewesen, dass Greiser irgendwann das Handtuch werfe, da seine Arbeit vom Kreis nicht gewürdigt werde.
Zweifel an Greisers Arbeit hat man unterdessen auch beim Umweltbundesamt nicht. Für diese Institution hat Greiser bereits mehrere Gutachten erstellt. „Greisers Studien sind solide“, heißt es aus einer Fachabteilung. Es gebe keinerlei Zweifel an den Ergebnissen, zumal die Arbeiten von einem eigenen Qualitätskreis von Wissenschaftlern begleitet würden. Die Studie für den Kreis hat das Umweltbundesamt zwar nicht betreut, Greiser hat sich aber einen eigenen Beirat aus drei Kollegen dafür gesucht. Und er betont: „Die Methoden der Arbeiten für das Umweltbundesamt und den Rhein-Sieg-Kreis sind „haargenau identisch“.
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