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St. Elisabeth

Vom Winde verweht

Von Norbert Ramme, 24.02.10, 19:48h

Zum 100-jährigen Bestehen der Kirche St. Elisabeth gibt es einen umfangreichen Veranstaltungsreigen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kapelle zum beliebtesten Wallfahrtsziel im Rechtsrheinischen.

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Heute ist die Umgebung um die Pfarrkirche St. Elisabeth eng bebaut. (Bild: Ramme)
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Heute ist die Umgebung um die Pfarrkirche St. Elisabeth eng bebaut. (Bild: Ramme)
Höhenberg - Mit einem Vortrag und einer Ausstellung über die „Geschichte der Industriearbeit in Kalk“ - zusammengestellt von der Kalker Geschichtswerkstatt - startete in St. Elisabeth der Veranstaltungsreigen zum 100-jährigen Bestehen dieser Höhenberger Pfarrkirche. „Das macht auch Sinn, denn die damaligen Einwohner von Höhenberg arbeiten doch fast alle in den Kalker Fabriken“, waren sich Historiker Fritz Bilz und Pfarrer Franz Meurer einig. „Die Geschichte beider Stadtteile ist eng miteinander verknüpft, auch wenn es Höhenberg als eigenständigen Stadtteil erst seit 1927 gibt.“

Zuvor tauchte die „Gemarkung Höhenberg“ schon seit rund 300 Jahren in Urkunden und Dokumenten auf. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die Menschen, die „auf dem Höhenberg“ lebten, so Bilz zu vier verschiedenen Gemeinden. Der Bereich zwischen der Höhenberger und der Olpener Straße zählt zur Bürgermeisterei Merheim, die nördlich davon gelegenen Häuser zur damals freien Stadt Mülheim. Wer südlich der Olpener Straße wohnte, gehörte zur Bürgermeisterei Vingst und die Häuser rund um den Bennoplatz und die Rotenburgstraße waren Kalk zugeschlagen. Daher wurde der Bereich Höhenberg auch in Etappen nach Köln eingemeindet. Die Vingster und Kalker Teile 1910, der Merheimer und Mülheimer Bereich 1914.

Doch egal wozu die Höhenberger zählten - sie richteten sich zunächst nach Kalk, dann nach Köln. Denn dort lagen ihre Arbeitsplätze. Und dorthin gingen sie auch in die Kapelle zum Beten. Verehrt wurde vor allem das dortige Gnadenbild der „schmerzhaften Mutter Gottes“. Diese Skulptur hat in fünf Jahrhunderten Zerstörungen, Brände und Kriege heil überstanden. Die Figur hatten die Benediktiner aus Deutz Anfang des 15. Jahrhunderts anfertigen lassen, nachdem die Kölner Bischöfe empfohlen hatten, die Jungfrau Maria besonders zu ehren. Diese Mönche waren auch für die ersten urkundlichen Erwähnungen Kalks im Jahr 1003 verantwortlich. Zur Unterstützung der Deutzer Abtei mussten die Kalker Höfe - auf einem Hügel in Höhe der heutigen Josephskirche gelegen - den Klosterbrüdern den „Zehnten“ abliefern. Das machten die auch, so Bilz, ohne zu murren, denn die kleinen Bauern auf der Schäl Sick waren „vom rechten Glauben - katholisch und fromm“.

Das Marien-Gnadenbild, dem wundertätige Heilkräfte nachgesagt wurden, war zunächst in einem Heiligenhäuschen untergebracht. Erst 1666 wurde eine Kapelle gebaut - vom Deutzer Pastor Andreas Steprath, zum Dank, dass er die Pest überlebt hatte.

„Wie heutzutage bei Bau der U-Bahn, so hat es wohl auch schon damals Pfusch am Bau gegeben“, sagte Bilz, denn nur 37 Jahre später blies ein Sturm die Kapelle um. Der weitaus solidere Nachfolgebau hielt dann bis zu einem Bombeneinschlag in der Nacht auf den 8. August 1941. In der Zwischenzeit hatte sich die Kapelle zum beliebtesten Wallfahrtsziel im Rechtsrheinischen entwickelt.

Entlang des Pilgerweges entstanden Gaststätten und Kalk entwickelte sich zu einem gefragten Ausflugsziel. Bilz: „Die Kölner kamen damals an Sonntagen nach Kalk - wegen der sauberen Luft.“ Das änderte sich ab 1850, als sich eine Fabrik nach der anderen in Kalk ansiedelte. Den Durst der Arbeiter stillte die Brauerei Sünner, die 1859 von Deutz nach Kalk zog. 1883 wohnten 10 000 Menschen in Kalk, 1900 waren es schon 20 000, der Stadtteil war zu der Zeit eine eigenständige Stadt. Die Pfarrkirche St. Marien neben der Kapelle, die auch für Höhenberg zuständig war, wurde bald zu klein. „Obwohl es sonntags fünf Messen gab, standen die Leute bis auf die Straße.“ So wurde die Josephskirche gebaut. Doch auch die reichte bald nicht mehr aus. So gab es im November 1907 die Genehmigung zum Kirchenbau in Höhenberg. Im Februar 1908 erfolgte für St. Elisabeth der erste Spatenstich; im Dezember 1910 wurde die Kirche geweiht.



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