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U-Bahn Heumarkt

Vergebliches Werben um Vertrauen

Von Peter Berger und Andreas Damm, 24.02.10, 22:50h, aktualisiert 17.02.11, 13:28h

Mehr als 300 Kölner Bürger machten am Mittwochabend bei der Versammlung im Gürzenich ihren Unmut über den Skandal beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn Luft. Das Vertrauen in KVB und Bauunternehmen ist tief erschüttert, wie die hitzige Diskussion zeigte.

Diskussion im Grüzenich
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Die Verantwortlichen für den U-Bahn-Bau stellen sich dem Publikum. (Bild: Hennes)
Diskussion im Grüzenich
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Die Verantwortlichen für den U-Bahn-Bau stellen sich dem Publikum. (Bild: Hennes)
Köln - Bericht vom 24.2.2010

Der erste Zwischenruf könnte deutlicher kaum ausfallen. „Verbrecher“ ruft eine Frau in den großen Saal des Gürzenich. Da ist die Bürger-Veranstaltung zum Kölner U-Bahn-Skandal noch nicht einmal 30 Sekunden alt, da hat eine Sprecherin der Kölner Verkehrs-Betriebe gerade mal das Podium vorgestellt. Wo vor zwei Wochen geschunkelt wurde, sitzen die Verantwortlichen für Kölns größtes Bauvorhaben, aufgereiht wie ein Krisen-Elferrat, auf Distanz zum Publikum.

Die mehr als 300 Menschen sind nach den Enthüllungen der letzten Tage, nach den Berichten über geklaute Eisenbügel, gefälschte Bauprotokolle und Probleme bei Schlitzwand-Lamellen an den Bauwerken zur Nord-Süd-Stadtbahn ohne große Erwartungen gekommen.

„Ich kann einfach nicht kapieren, warum sechs Jahre lang niemanden aufgefallen ist, dass auf den Baustellen gepfuscht und geklaut wurde.“ Marion Ohlberger, die in der Nähe des Chlodwigplatzes wohnt und sich mit dem „ganzen Dreck, Schmutz und Lärm“ notgedrungen abgefunden hat, „weil wir uns auf die U-Bahn gefreut haben“, ist entsetzt. Inzwischen sei sie so weit, „dass ich schon froh wäre, wenn mir jemand mit Sicherheit sagen kann, dass da nichts mehr zusammenbricht.“

ksta.tv: "Wir glauben Euch nicht mehr!"

Es wird ein Abend der Entschuldigungen, der kleinlauten Bitten um neues Vertrauen. „Ich weiß, dass wir das nur in ganz kleinen Schritten zurückgewinnen können“, sagt KVB-Vorstand Walter Reinarz. „Ich entschuldige mich offiziell bei Ihnen für die Verunsicherung und die Ängste, die wir bei Ihnen ausgelöst haben“, sagt Jochen Keysberg vom Bauunternehmen Bilfinger Berger. Dass es Protokoll-Fälschungen und Eisenklau gegeben habe, streitet er gar nicht mehr ab. Mit der Sicherheit der Baustellen Heumarkt und Waidmarkt habe das aber nichts zu tun. Das Podium äußert „volles Verständnis, versteht die Ängste und die Beunruhigung“. Und es werde „nichts, aber auch gar nichts der Sicherheit komprimiert“.

Komprimierte Sicherheit. Was für ein Technokraten-Wort. Wie aber stellt man Vertrauen wieder her? Mit Schlagworten wie Standsicherheit, mit der ständigen Wiederholung der Aussage, dass alle U-Bahn-Bauwerke bei Hochwasser sicher seien? „Ich hatte heute noch die Bauaufsicht im Haus“, schimpft Heinrich Michel. Der Hausmeister der Wohnanlage von St. Maria im Kapitol schüttelt mit dem Kopf. „Die Kreuzgang der Kirche ist schon kaputt. Wir haben hier Schäden ohne Ende.“ Er erwarte eine Antwort auf die Frage, „wohin mit den 150 Bewohnern der Pipinstraße, der Kasinostraße und den 50 Jugendlichen aus dem Heim, wenn es am Heumarkt Probleme geben sollte.“

„Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen“, wiederholt der Vertreter von Bilfinger Berger. Das ist der Moment, wo einer der vom Archiv-Einsturz unmittelbar Betroffenen der Kragen platzt. „Ich frage Sie: Hätte das besser kontrolliert werden können an der Severinstraße? Dann wäre ein Teil unserer Familie noch am Leben.“ Erst spricht die blanke Wut aus Tamara Faßbender, dann weint sie. Ein Kölner bittet um eine Schweigeminute für die beiden jungen Männer, die bei der Katastrophe ums Leben kamen. Der Saal erhebt sich.

KVB-Vorstand Reinarz sichert zu, „so schnell wie möglich das Besichtigungsbauwerk zu errichten“, das der Staatsanwaltschaft die Ursachenforschung vor Ort ermöglicht. Zum ersten Mal wird an diesem Abend auch über Verantwortung und Schuld gesprochen. Eine konkrete Antwort bekommen die Bürger nicht. Reiner Kuster (71) sagt: „Es geht darum, dass jemand von der KVB die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Ich verstehe nicht, warum der für die U-Bahn zuständige Vorstand Reinarz nicht dazu steht.“

Es gibt nur eine gute Nachricht an diesem Abend, bei dem Technokraten und Bürger nur schwer zueinander finden. Stadtdirektor Guido Kahlen verspricht den Anwohnern der Severinstraße, dass sie die Stadt für die Wiederherstellung der durch den Stadtbahnbau zerstörten Nachbarschaft nun doch nicht zur Kasse bitten wird. Wenigstens das.



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