Von F.A. Heinen, 25.02.10, 17:28h
Die Folgen für Kind und Eltern können durchaus dramatisch sein, wie Prof. Claudia Mayer, Kommunikationswissenschaftlerin an der Fachhochschule Aachen, am Mittwoch im Schleidener Rathaus erläuterte. Sie rief vor zwei Jahren im Raum Monschau den Verein „Smarties - Lernen für Pfiffige“ ins Leben, der sich seither mit beachtlichem Erfolg um Hochbegabte kümmert. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Hergarten im Raum Schleiden ein vergleichbares Angebot aufzubauen, das in den weiteren Kreis Euskirchen strahlen soll. Dass es diesbezüglich offenbar eine Angebotslücke gibt, macht die Tatsache deutlich, dass mehrere Hochbegabte aus Schleiden regelmäßig nach Monschau fahren, um die dortigen Angebote von „Smarties“ zu nutzen. Wie Hergarten erklärte, gibt es derzeit nichts Vergleichbares in der ganzen Region.
Ein bis zwei Prozent aller Kinder haben einen Intelligenzquotient von 130 und höher. Nur: Das wird in den seltensten Fällen erkannt. Die kleinen „Einsteins“ sind nämlich wahrhaft genial bei ihren Versuchen, „Normalität“ vorzutäuschen - so zu tun, als ob sie genau so sind wie die anderen. Dabei verfolgen sie oft raffinierte Anpassungsstrategien „nach unten“. Häufig geht das schief und mündet in Aggressionen, psychosomatischen Erkrankungen und gestörtem Selbstbewusstsein. Kein Wunder: Auf dem Körper eines Zehnjährigen sitzt oft der Kopf eines 13-Jährigen.
Unter den 4000 Pennälern, die Schleidener Schulen besuchen, könnten 40 Hochbegabte sein. Laut Wissenschaft ist ein Prozent der der Bevölkerung dieser Gruppe zuzuordnen. Hochbegabung darf aber nicht mit jenem Typus von Kindern verwechselt werden, die man gemeinhin als „Klassenstreber“ bezeichnet und die ihre erlernten Fähigkeiten eingepaukt haben. Hochbegabung kann sich beispielsweise daran zeigen, dass sich Vierjährige in kurzer Zeit selbst das Schreiben und Lesen beibringen oder zum Experten für etwas entwickeln, das sie gerade interessiert. Da die Schlaumeier ihre Begabung bereits in die Wiege gelegt bekommen, können sich ihre Talente bisweilen schon im Kindergarten zeigen.
Info-Veranstaltung
„Smarties“ bemüht sich, den Hochbegabten das Leben zu erleichtern, aber auch den Familien und der Schule, bisweilen auch schon dem Kindergarten. Letztlich ist es auch das Ziel, die Genies „auf dem Teppich“ zu halten und zu verhindern, dass sie sich für etwas Besseres halten.
Der Verein berät die betroffenen Familien hinsichtlich des Schultyps und bietet beispielsweise Kurse an, die sicherstellen, dass das Kind nicht an chronischer Langeweile zugrundegeht. Aber es gibt auch Familienberatung zu der Frage, wie man die Interessen des Kindes mit denen der restlichen Familie in Einklang bringt. Und schließlich gibt es Beratung für die Untersuchung der Intelligenz.
„Smarties e.V.“ möchte sich allen Interessierten - Lehrern, Erziehern, aber auch Menschen, die glauben, betroffen zu sein - bei einer Informationsveranstaltung vorstellen. Wenn gewünscht, will Claudia Mayer das Projekt auch im Kreis Euskirchen begleiten und mit aufbauen. Die Veranstaltung findet am Freitag, 26. März, ab 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Schleidener Rathauses statt. Informationen über den Verein „Smarties“ gibt es auch im Internet.
1 %
26.02.2010 | 20.28 Uhr | klaus53
"Unter den 4000 Pennälern, die Schleidener Schulen besuchen, könnten 40 Hochbegabte sein."
Man sollte bei 1% die Sache nicht so hoch hängen.
Ich hoffe, daß...
26.02.2010 | 20.24 Uhr | klaus53
der Ehrgeiz der Eltern nicht viele Kinder zu Hochbegabten werden läßt. Man soll mit dem Begriff sehr sorgsam und klug umgehen.
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