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Ausstellung

Zeugnisse einer Unzeit

Von Jürgen Kisters, 01.03.10, 12:23h

Eine Ausstellung dokumentiert das Mülheimer Leben im Nationalsozialismus. Schwerpunkte sind der jüdische Alltag bis zum Zweiten Weltkrieg und der Widerstand der Arbeiter. Die Schau gehört zu einem umfangreichen Projekt des Lokalen Aktionsbündnisses.

Buchheimer Straße
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Die Buchheimer Straße war durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. (Repro: Kisters)
Buchheimer Straße
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Die Buchheimer Straße war durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. (Repro: Kisters)
KÖLN-MÜLHEIM - Es ist keineswegs eine Übertreibung, dass viele junge Menschen nicht mehr wissen, wer Adolf Hitler war. Noch weniger Menschen der jüngeren Generation wissen von den ganz alltäglichen Ereignissen der nationalsozialistischen Jahre in Deutschland. Dass Mülheim eine lebendige jüdische Gemeinde hatte und bis 1938 auf der Mülheimer Freiheit eine Synagoge stand. Dass die unter Denkmalschutz stehende Finnensiedlung in Höhenhaus mit Hilfe von Zwangsarbeitern errichtet wurde. Und dass im traditionellen Arbeiterstadtteil Mülheim bei aller Anpassung an das nationalsozialistische Leben vor allem von Mitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands beharrlicher Widerstand stattfand.

„Vielfalt tut gut“

All das dokumentiert die Ausstellung „Mülheim entdeckt seine NS-Geschichte“ im Kulturbunker Mülheim. Sie ist das Ergebnis eines umfangreichen Projektes des Lokalen Aktionsbündnisses Köln. Der im NS-Dokumentationszentrum Köln angesiedelte Begleitausschuss koordiniert zusammen mit der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die Fördermittel aus dem Bundesfamilienministerium-Förderprogramm „Vielfalt tut gut“ zur Bekämpfung des Rechtsextremismus. In diesem Rahmen widmeten sich im vergangenen halben Jahr zahlreiche Schulen und Initiativen der Erforschung der Jahre 1933 bis 1945 im Bezirk Mülheim. Beteiligt waren Schüler der dritten und vierten Klasse der Grundschule Mülheimer Freiheit, ein Musikkursus der Hauptschule Rendsburger Platz, das Bürgerzentrum Mütze, die Türkisch-Islamische Union Ditib, die sechste Klasse und der Leistungskursus Erdkunde der Willy-Brandt-Gesamtschule Höhenhaus, der Geschichtswerkstatt Mülheim und der Don Bosco Club in Zusammenarbeit mit der Schule Tiefentalstraße.

Quellenstudium, Zeitzeugenbefragungen und Ortsbesichtigungen erweisen sich in allen acht Teilprojekten als Grundlage in der Beschäftigung mit Geschichte. Eine zentrale Stellung in der Ausstellung nehmen die Fotos und Schriftdokumente ein, die in den vergangenen Jahren mit Beharrlichkeit von der Geschichtswerkstatt Mülheim zusammengetragen wurden. Schwerpunkte sind der Widerstand der Arbeiter gegen den Nationalsozialismus in den Industriebetrieben Mülheims und das jüdische Leben in Mülheim, dessen Jahrhunderte dauernde Tradition innerhalb weniger Jahre völlig zerstört wurde. Die Schau im Hochbunker an der Berliner Straße ist nicht erste zur nationalsozialistischen Vergangenheit Mülheims. Keineswegs geht es darin um neue Erkenntnisse. Die Entdeckung, um die es geht, ist die Einsicht, dass das Wissen um die Vergangenheit nicht automatisch da ist.

Kulturbunker Mülheim, Berliner Straße 20, Di 11-18 Uhr, bis 2. März



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