Von Inge Günther, 01.03.10, 20:56h
Nach Angaben seines Verteidigers, Schahabil Zayim, wurde die ursprünglich auf 15 Tage angesetzte Untersuchungshaft am Montag um weitere zwei Wochen verlängert. Konkrete Vorwürfe wurden bis heute nicht präsentiert. Die Hamas ließ lediglich streuen, Martin habe Gesetze missachtet und sei damit ein Risiko für die Sicherheit in Gaza. Naheliegender ist, dass das islamistische Regime einen unliebsamen Journalisten bestrafen will, dessen Themen ihm missfallen. Umso mehr, als die Problematik der Kollaborateure für die Islamisten hochaktuell ist. Dafür spricht jedenfalls das mutmaßliche Mossad-Attentat auf einen Hamas-Führer in Dubai sowie das Selbstbekenntnis des Sohnes eines Hamas-Scheichs, als Agent im Dienste des israelischen Inlandgeheimdienstes Schin Beth gearbeitet zu haben.
Martin, ein „Freelancer“, der für BBC und Times gearbeitet hat, war an einer Story über Mohammed Abu Muailik dran, der einst den Abu Rish-Brigaden angehörte, einer der Fatah nahe stehenden Privatmiliz in Gaza, und der sich seit Juni 2009 im Gefängnis befindet.
Kontakt zu Anwalt erlaubt
Es ist das erste Mal seit ihrer Machtübernahme im Juni 2007, dass die Hamas derart rabiat gegen ausländische Journalisten vorgeht. Nach ihrem Putsch hatte sie sich noch als Hüter von Recht und Ordnung aufgespielt und zum Beweis den entführten BBC-Reporter Alan Johnston aus den Klauen des Dormusch-Clans, einer weiteren Gaza-Miliz, befreit. Anders als im Geiselfall Johnston wurde Paul Martin allerdings Kontakt zu einem Bürgerrechtsanwalt sowie seiner Verteidigung erlaubt. Mit den diskreten Mitteln der Diplomatie bemüht sich auch das britische Konsulat in Jerusalem um seine Freilassung. Die Foreign Press Association, in der die Auslandskorrespondenten in Israel und den palästinensischen Gebieten organisiert sind, hatte bereits nach Martins Inhaftnahme an die Hamas appelliert, „Journalisten eine Arbeit ohne Angst vor Arrest zu ermöglichen“.
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