Von Christian Esch, 01.03.10, 20:01h
Russlands Sportler hatten in Vancouver enttäuscht. Mit dreimal Gold kam das Land nicht einmal unter die ersten zehn. Schon zuvor hatten die Oppositionsfraktionen den Rücktritt von Sportminister Vitali Mutko und von Leonid Tjagatschow, dem Vorsitzenden des Nationalen Olympischen Komitees, gefordert. Auch Premierminister Wladimir Putin hatte eine Analyse des schlechten Abschneidens gefordert - schließlich wird Russland die nächsten Winterspiele 2014 in Sotschi ausrichten, und dieses Projekt hat Putin zu seinem eigenen gemacht.
Allerdings ist NOK-Chef Tjagatschow zugleich Putins persönlicher Skitrainer. Für ihn wurden sogar die NOK-Statuten geändert, um eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Minister Mutko ist dagegen kürzer im Amt, das Sportministerium entstand erst 2008.
Erfolg unter ParteikontrolleBesonders die Niederlage im Eishockey gegen Kanada hatte die Öffentlichkeit enttäuscht, ebenso wie das Abschneiden im Eiskunstlauf, wo Russland bisher noch immer eine Goldmedaille gewonnen hatte. Im Kontrast zu den mageren Resultaten präsentierte sich Russland in Vancouver zugleich mit üppigen Empfängen, um für die Winterspiele in Sotschi zu werben.
Parlamentssprecher Boris Gryslow nannte das schlechte Abschneiden in Vancouver einen „systemischen Misserfolg“. Nun werde die Kreml-Partei „Einiges Russland“ - deren Vizevorsitzender Gryslow ist - die Vorbereitung auf Sotschi 2014 „unter Parteikontrolle nehmen“. Ein Sieg in der Mannschaftswertung in Sotschi sei ein „nationales Projekt“. Die stellvertretende Parlamentsvorsitzende Swetlana Schurowa, die in Turin 2006 Gold im Eisschnelllauf gewonnen hat, ist anderer Meinung - der russische Sport sei „im Kern verfault“, wichtiger als das Abschneiden in Sotschi sei eine langfristige Reform.
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