Von Heinz Tutt, 02.03.10, 18:03h, aktualisiert 02.03.10, 19:04h
Kraft will das Thema beenden
Trotz Wut im Bauch gab sie jedoch die Devise aus, den Ball flach zu halten. Die Fraktion wurde vergattert, sich öffentlich nicht zu äußern, obwohl eine Stunde lang heftig über den Sachverhalt diskutiert worden war. Der Hauptvorwurf: Jochen Ott habe durch sein ungeschicktes Verhalten zwei Monate vor der Landtagswahl der Union Munition für die Behauptung geliefert, die SPD bereite ein Bündnis mit der Linkspartei vor. Was die Union in einer monatelangen „Kraftilanti-Kampagne“ erfolglos behauptet hatte, bekomme nun durch Otts Kaffee-Plausch mit Schwabedissen Nahrung.
Trotz Krafts Maulkorb ließen sich einige Spitzenfunktionäre den Mund nicht verbieten. Die SPD-Landesvize Britta Altenkamp sagte zu Ott: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass ein stellvertretender Parteivorsitzender so eine hundsdumme Sache macht.“ Parteivize Ute Schäfer schlug in die gleiche Kerbe: „Ott hat sich selten dämlich benommen.“ Solche öffentliche Äußerungen über einen Kollegen im Parteivorstand sind bisher einmalig und klingen wie eine unverhohlene Rücktrittsforderung.
Fraktionsvize Ralf Jäger formulierte, Ott habe „eine Riesendummheit gemacht. Es ist sichergestellt, dass dies in Zukunft nicht mehr passiert.“ Wie das gehen soll, blieb unbeantwortet. Bemerkenswert schien eine Äußerung, mit der Ex-Fraktionschef Edgar Moron zitiert wurde. Hiernach sei der Kölner Nachwuchspolitiker eine „Zeitbombe“.
„Völlig bekloppt, erschreckend unpolitisch und unsolidarisch“, bezeichnete ein sonst eher zurückhaltender erfahrener Jurist aus der Fraktion Otts Verhalten. Lediglich ein früheres Kabinettsmitglied unternahm einen Versuch, zumindest in der Öffentlichkeit die Wogen zu glätten. „Viele wollen alte Rechnungen begleichen“, lautete die These der SPD-Politikerin. In der Tat: Ott habe sich unbeliebt gemacht, weil er Karriere-Interessen vor die seiner Partei gestellt habe, erklärten Fraktionsmitglieder aus Otts SPD-Region Mittelrhein. Dabei habe sich der Kölner selbst maßlos überschätzt.
Mit Flankenschutz der Genossen kann der Gesamtschullehrer, der auf seinem vorderen Listenplatz wohl in den Landtag ziehen wird, kaum mehr rechnen. Auch nicht, wenn am Freitag sein Verhalten als Parteivize Thema im SPD-Landesvorstand wird.
Ball flach halten...
04.03.2010 | 08.17 Uhr | stefan.fischer
Die heftigen Reaktionen aus der SPD zeigen, dass viele wohl noch offene Rechnungen mit Ott haben. Denn was, bitte, soll so schlimm daran sein, sich…
Was ist Demokratie?
04.03.2010 | 03.05 Uhr | Tom2010
Die Aussage der Parteien, bereits schon vor der Wahl Gespräche mit anderen, demokratisch gewählten Parteien nicht zu führen, ist höchst…
Ott hat nur eines im Sinn - sein eigenes Weiterkommen
03.03.2010 | 22.22 Uhr | riverphoenix
und das ohne Rücksicht auf Verluste!
Kenne ihn noch aus vergangenen Juso-Zeiten. Da wurde er von Heugel und Co. "salonfähig" gemacht und…
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