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Otts Alleingang

Bei der SPD herrscht Entsetzen

Von Heinz Tutt, 02.03.10, 18:03h, aktualisiert 02.03.10, 19:04h

Seit der Sponsoring-Affäre ist der Wahlkampf für die NRW-SPD gleichsam ein Selbstläufer. Doch jetzt kam heraus, dass der stellvertretende Landeschef Jochen Ott einen ungenehmigten Plausch mit der Linkspartei führte. Die Genossen sind empört.

Jochen Ott
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Flirt mit der Linkspartei? SPD-Landesvizechef Jochen Ott. (Bild: Worring)
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Flirt mit der Linkspartei? SPD-Landesvizechef Jochen Ott. (Bild: Worring)
DÜSSELDORF - Die SPD-Landtagsfraktion ist in heller Empörung. Der Alleingang des stellvertretenden Vorsitzenden der Landespartei, Jochen Ott (35), stieß allseits auf Unverständnis. Ott hatte sich mit der Linken-Chefin Katharina Schwabedissen (36) vor zwei Wochen zu einem Gespräch verabredet. SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft („Darüber rede ich nicht, dazu ist alles gesagt“) stand am Dienstag noch die Verärgerung über ihren Vize im Gesicht geschrieben. Sie hatte mehrfach beteuert, sie habe von dem Kontakt ihres Vizes zur Linkspartei nichts gewusst.

Kraft will das Thema beenden

Trotz Wut im Bauch gab sie jedoch die Devise aus, den Ball flach zu halten. Die Fraktion wurde vergattert, sich öffentlich nicht zu äußern, obwohl eine Stunde lang heftig über den Sachverhalt diskutiert worden war. Der Hauptvorwurf: Jochen Ott habe durch sein ungeschicktes Verhalten zwei Monate vor der Landtagswahl der Union Munition für die Behauptung geliefert, die SPD bereite ein Bündnis mit der Linkspartei vor. Was die Union in einer monatelangen „Kraftilanti-Kampagne“ erfolglos behauptet hatte, bekomme nun durch Otts Kaffee-Plausch mit Schwabedissen Nahrung.

Trotz Krafts Maulkorb ließen sich einige Spitzenfunktionäre den Mund nicht verbieten. Die SPD-Landesvize Britta Altenkamp sagte zu Ott: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass ein stellvertretender Parteivorsitzender so eine hundsdumme Sache macht.“ Parteivize Ute Schäfer schlug in die gleiche Kerbe: „Ott hat sich selten dämlich benommen.“ Solche öffentliche Äußerungen über einen Kollegen im Parteivorstand sind bisher einmalig und klingen wie eine unverhohlene Rücktrittsforderung.

Fraktionsvize Ralf Jäger formulierte, Ott habe „eine Riesendummheit gemacht. Es ist sichergestellt, dass dies in Zukunft nicht mehr passiert.“ Wie das gehen soll, blieb unbeantwortet. Bemerkenswert schien eine Äußerung, mit der Ex-Fraktionschef Edgar Moron zitiert wurde. Hiernach sei der Kölner Nachwuchspolitiker eine „Zeitbombe“.

„Völlig bekloppt, erschreckend unpolitisch und unsolidarisch“, bezeichnete ein sonst eher zurückhaltender erfahrener Jurist aus der Fraktion Otts Verhalten. Lediglich ein früheres Kabinettsmitglied unternahm einen Versuch, zumindest in der Öffentlichkeit die Wogen zu glätten. „Viele wollen alte Rechnungen begleichen“, lautete die These der SPD-Politikerin. In der Tat: Ott habe sich unbeliebt gemacht, weil er Karriere-Interessen vor die seiner Partei gestellt habe, erklärten Fraktionsmitglieder aus Otts SPD-Region Mittelrhein. Dabei habe sich der Kölner selbst maßlos überschätzt.

Mit Flankenschutz der Genossen kann der Gesamtschullehrer, der auf seinem vorderen Listenplatz wohl in den Landtag ziehen wird, kaum mehr rechnen. Auch nicht, wenn am Freitag sein Verhalten als Parteivize Thema im SPD-Landesvorstand wird.



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