Von Joachim Sprothen, 04.03.10, 10:41h, aktualisiert 04.03.10, 10:46h
Der Fahrradhändler Jörg Schumacher ist in dieser Hinsicht die treibende Kraft. Bei der jüngsten Sitzung von „Zülpich Fachgeschäfte aktiv“ stellte er seine Pläne vor. Der Arbeitstitel der römerstädtischen Währung lautet derzeit „Zülpicher-Regio“, das Zahlungsmittel könnte aber auch Tolbiacum-Taler heißen. Das ist noch völlig offen.
Der Sinn und Zweck der Übung ist indes klar. Die Zülpicher Haushalte haben laut einer Studie der Universität Bonn aus dem Jahr 2008 per anno eine Kaufkraft von 111 Millionen Euro. Aber etwa 30 Prozent dieser Summe werden nicht in Einzelhandelsgeschäften oder Handwerksbetrieben der Römerstadt ausgegeben, sondern fließen in andere Kommunen ab. Durch den „Zülpicher-Regio“ soll die Kaufkraft in stärkerem Maße an heimische Unternehmen gebunden werden.
Wie soll die Chose funktionieren? Schumacher nannte ein Beispiel. Euro und „Zülpicher-Regio“ sind zwar gleich viel wert. Geht der Kunde aber zur Bank - ein Vertreter der Kreissparkasse war zugegen, als Schumacher sein Konzept vorstellte - oder in eine andere Wechselstube, erhält er für 950 Euro 1000 „Zülpicher-Regio“. Somit hat sich der Kunde etwa beim Kauf eines Fernsehapparates in der Römerstadt bereits beim Tausch der Währungen einen Rabatt von fünf Prozent verschafft. Der Händler kann mit dem eingenommenen Regio bei Kollegen einkaufen, er kann das Geld aber auch wieder in Euro umtauschen. Im letztgenannten Fall muss er einen Wechselkursverlust von fünf Prozent hinnehmen, für 100 Regio bekommt er also nur 95 Euro. Dieser Rücktauschgewinn wird abzüglich von Kosten (etwa für den Druck der Währung) für karitative Zwecke verwendet. Schumacher: „Mir schwebt vor, dass die Kunden im Internet selbst bestimmen können, wohin das Geld fließen soll.“
Tolbiacum-Taler?So komme die Regionalwährung Kunden, karitativen Einrichtungen und den Händlern gleichermaßen zugute, so Schumacher: Einige Kollegen hätten zwar vor allem wegen des Kursverlustes beim Rücktausch in Euro Bedenken angemeldet. Aber der werde durch die mit der Kaufkraftbindung an Zülpich verbundene Umsatzsteigerung mehr als aufgefangen. Der Fahrradhändler hatte sich in anderen Kommunen umgehört. In Großstädten wie Stuttgart habe man zwar keine allzu tollen Erfahrungen gemacht, aber in kleineren Kommunen in der Größenordnung Zülpichs funktioniere die Regionalwährung prima: „Dort ist der Zusammenhalt unter den Menschen größer und man will sich gegenseitig helfen.“
Walter Blumenthal, Vorsitzender von „Zülpich Fachgeschäfte aktiv“, sagte, der Vorschlag Schumachers sei keineswegs als „spinnerter Kram“ abgetan worden. Die Mitglieder der Vereinigung hätten großes Interesse gezeigt: „Es müssen aber genügend Geschäfte daran teilnehmen.“ Das ist auch Schumacher klar. Denn mit der Regionalwährung müsse ein Großteil der Kundenwünsche auch zu erfüllen sein. Daher bedürfe es eines breit gefächerten Produktangebotes.
Langfristig müsse die Zahl der Teilnehmer im dreistelligen Bereich liegen, anfangs sei man aber bereits mit 30 bis 40 Kollegen zufrieden. Interessenten können über die eigens von Schumacher eingerichtete Internet-Seite Kontakt aufnehmen, auf der auch gründlich über den „Zülpicher-Regio“ informiert wird. Blumenthal schwebt vor, dass bei genügend Teilnehmern im April eine positive Entscheidung fallen könnte. Spitzbuben sollten aber nicht auf den großen Reibach hoffen. Den „Zülpicher-Regio“, oder wie die Zusatzwährung auch immer heißen wird, will Schumacher fälschungssicher in einer Druckerei produzieren lassen, die auch den Euro herstellt.
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