Von Antje Hildebrandt, 03.03.10, 20:44h, aktualisiert 03.03.10, 20:46h
Heute zeigt Pro Sieben den Auftakt zur fünften Staffel von „GNTM“. Glaubt man der Moderatorin Hedi Klum, dann kommt es mehr auf die innere Schönheit als auf traumhafte Maße an. „Die Mädchen sollen ganz sie selbst sein“, behauptet sie in einer Broschüre, die Pro Sieben zum Start der neuen Staffel vertreibt. Dabei dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, wie Heidi Klum mit Kandidatinnen verfährt, die ihren eigenen Kopf durchsetzen und sich nicht auf jedes Shooting einlassen. Zuckerbrot und Peitsche, lautet das Gesetz im TV-Zirkus. „Das Selbstbewusstsein der Kandidatinnen wird schnell zerstört. Das ist Teil der Show“, kritisiert Louisa von Minckwitz. Die 47-jährige Münchnerin ist die Chefin von Louisa Models, einer der größten Model-Agenturen in Deutschland. „An der Realität geht diese Sendung vorbei“, sagt sie.
„Meine Mädchen mussten noch nie zähneklappernd ein Shooting im eiskalten Gebirgsbach über sich ergehen lassen.“ Und sie spricht aus, was zugleich Segen und Fluch dieses Formates ist. „GNTM ist eine reine Unterhaltungsshow“. Louisa von Minckwitz ist seit über zwanzig Jahren als Agentin im Geschäft. Heute vertritt sie 150 Männer und 250 Frauen aus aller Welt, darunter ein internationales Top Model aus Deutschland: Julia Stegner, 25. Louisa von Minckwitz hat sie 1999 zufällig auf dem Münchener Oktoberfest entdeckt.
Fragt man ihre Agentin, warum „GNTM“ bis heute kein Top-Model hervorgebracht hat, führt sie nicht nur das TV-Training an, das eher dramaturgischen Erfordernissen gehorche. Sie sagt, im Falle der Gewinnerinnen scheitere die Karriere auch am Marketing. „Während der Show werden die Mädchen zwar systematisch gehyped. Aber danach sind sie überwiegend in Deutschland präsent.“ Dabei, glaubt von Minckwitz, hätte jemand wie Sara Nuru durchaus das Potenzial für eine internationale Karriere, wie ihr Auftritt bei der letzten New York Fashion Show für den Jeans-Hersteller G-Star gezeigt habe. Das Sprungbrett dafür stehe aber in New York oder Paris und nicht in Bergisch Gladbach.
Dort sitzt die Heidi Klum GmbH, die Firma, die die Gewinnerinnen der Castingshow vermarktet. Geleitet wird sie von Günther Klum, dem Vater der Model-Macherin. Louisa von Minckwitz sagt, er habe den Mädchen überwiegend Jobs im deutschsprachigen Raum für beispielsweise „Otto“ oder „C & A“ verschafft. Günther Klum war für eine Stellungnahme zu dieser Einschätzung nicht zu erreichen.
Nach eigenen Worten hat von Minckwitz bislang in jeder Ausgabe von GNTM ein oder zwei Mädchen entdeckt, die sie gerne „rausziehen würde“, wenn sich diese nicht zuvor vertraglich an die Heidi Klum GmbH und die Pro-Sieben-Tochter RedSeven gebunden hätten. Dabei stellt Louisa von Minckwitz hohe Anforderungen an ihre Kandidatinnen. Sie müssten mindestens 1,76 Meter groß sein, schlank, eine schöne Haut und ein fotogenes Gesicht haben und zwischen 14 und 20 Jahren alt sein. Jetzt, da die Modelsuche in die nächste Runde geht, erhält auch ihre Agentur täglich 40 bis 50 Bewerbungen. Dass unter den Absenderinnen eine neue Julia Stegner sein könnte, glaubt von Minckwitz nicht: „Die Top Models wurden alle zufällig entdeckt.“
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