Von Matthias Pesch und Rainer Rudolph, 03.03.10, 23:57h, aktualisiert 17.02.11, 14:23h
Zwei Kerzen brennen für Kevin und Khalil. Feuerwehrmann Werner Engels und Michael Fromm, der leibliche Vater des Bäckerlehrlings Kevin, haben sie gerade in der Piazzetta des Kölner Rathauses entzündet. Es ist Mittwochmittag, kurz vor 14 Uhr, ungefähr die Zeit, zu der vor einem Jahr das Kölner Stadtarchiv und Teile zweier Nachbarhäuser einstürzten und die beiden jungen Männer unter sich begruben. „Die schmerzhaften Bilder stehen uns noch heute vor Augen“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Roters. „Sie haben das Gesicht unserer Stadt verändert, aber auch unser Lebensgefühl und unsere Selbstgewissheit.“ Es gehe „um den Verlust von Sicherheit und Vertrauen“.
Angehörige und Freunde der beiden Verstorbenen, Menschen, die durch das Unglück ihre Wohnung verloren haben, Anwohner und Geschäftsleute der Severinstraße, Mitarbeiter des Archivs, Schülerinnen und Schüler, aber auch Vertreter von Politik und Verwaltung haben sich im Historischen Rathaus versammelt, um der Katastrophe vom 3. März 2009 zu gedenken, die durch die Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn verursacht worden ist.
Roters nutzt angesichts der in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Schlampereien und Betrügereien beim U-Bahn-Bau die Gelegenheit zu scharfen Vorwürfen gegen die Baufirmen und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). „Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass international handelnde Baufirmen in solch großem Umfang täuschen, manipulieren und betrügen?“, fragt der Oberbürgermeister. Indirekt fordert er außerdem Walter Reinarz, den für den Bau der U-Bahn verantwortlichen KVB-Vorstand, zum Rücktritt auf.
Man dürfe die schlimmen Vorkommnisse nicht auf das Fehlverhalten einzelner Bauarbeiter oder nachgeordneter Mitarbeiter reduzieren, fordert der OB. „Manipulation und Betrug haben offensichtlich System, wie Ermittlungen an anderen Großbaustellen in Düsseldorf oder Bayern zeigen.“ Es sei „höchste Zeit, die Verantwortlichkeiten zu klären und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“. Das gesamte System der Bauaufsicht müsse auf den Prüfstand gestellt werden, verlangt Roters. Es dürfe nicht sein, dass die Bauaufsicht letztlich in der Hand des Bauherrn liege. Roters erklärt, er betrachte es als seine persönliche Aufgabe, „neues Vertrauen und neue Zuversicht zu wecken“. Und er dankt für die weltweite „überaus große Hilfe und Unterstützung“ nach dem Archiveinsturz.
Schüler der Rheinischen Musikschule spielen Klassik, eine Ton-Collage spiegelt Gedanken und Gefühle der Bewohner des abgerissenen Hauses Severinstraße 232 wider, der Künstler Cosimo Erario singt mit Schülern der Kaiserin-Augusta-Schule, die zeitweise ausquartiert worden war, ein Lied zum Gedenken. Vom Rathaus ziehen die Gäste zum Mahnmal „Die Trauernden Eltern“ in der Gedenkstätte St. Alban, wo die Feier mit einem Gebet endet.
Zwei Stunden nach dem Ende der städtischen Gedenkfeier beginnt vor der Rathauslaube die szenische Lesung „oberirdisch - unterirdisch“. Die Veranstaltung basiert auf Zitaten aus den Ratssitzungen, in denen die Entscheidung für den U-Bahn-Bau gefallen war. Eingeladen hatte unter anderen die Bürgerbewegung „Köln kann auch anders - Schluss mit lustig!“. Auch die Initiative verlangt, KVB-Vorstand Reinarz „von seinen Aufgaben zu entbinden“.
Eine Forderung, die am Mittwochabend am Rathaus, bei einem „Zug der Fassungslosigkeit“ zur Einsturzstelle des Stadtarchivs und einer Kulturveranstaltung im Odeon in der Severinstraße, wiederholt wurde. Zu den Aktionen unter dem Motto „Schutt und Schande“ hatten die Bürgerbewegung, die Autorengruppe „Aura 09“ und die Kulturinitiative „Kölner Komment“ eingeladen.
Begleitet von Musikern wie der Schäl Sick Brass Band, der Schwarzmeerflotte und anderen zog ein Zug von mehreren hundert Menschen vom Rathaus bis zum Unglücksort. Bei der Abschlusskundgebung wurde der beiden Toten des Archiveinsturzes gedacht.
Am Mittag hatten um kurz vor 14 Uhr alle Busse und Bahnen der KVB für zwei Minuten still gestanden.
Waidmarkt: „Es wird Zeit, dass die Wahrheit rauskommt“
ksta.tv: Der Zug der Fassungslosigkeit
Bildergalerie: Gedenken an Archiv-Einsturzopfer
@schnäuzerkowski
08.03.2010 | 09.14 Uhr | Idealist
Zum einen spüren diese Kölner Bands, dass sie hier mit ihrerem Hang zur kölsch-Tümelei sicher fehl am Platz sind und zum anderen über die Geschäfte,…
Shame on you!
04.03.2010 | 10.14 Uhr | Quatschkopf68
Shame on you, KVB!
Shame on you, Verwaltung Stadt Köln!!
Shame on you, Bilfinger & Berger!!!
Arsch huh & Co.
04.03.2010 | 09.30 Uhr | Schnäuzerkowski
Wo bleiben eigentlich seit dem Einsturz die Kölner Bands mit ihren sonst reflexartigen Solidaritätskonzerten? Ist ja schon merkwürdig, dass sie hier…
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