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Kirche

Erzbistum soll Missbrauch anerkennen

Von Matthias Pesch, 05.03.10, 17:15h, aktualisiert 05.03.10, 17:18h

Mehrere katholische Verbände fordern von der Kölner Bistumsleitung „eine eindeutige Stellungnahme“ zu den Missbrauchsfällen. Die Kirche müsse auf angemessene Art mit den Opfern umgehen und die Taten anerkennen.

Franz Decker
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Caritas-Direktor Franz Decker. (Bild: ksta)
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Caritas-Direktor Franz Decker. (Bild: ksta)
Köln - In der Diskussion um den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch katholische Kleriker haben sich jetzt Katholikenausschuss, Caritasverband, Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und Josef Zimmermann, Leiter der katholischen Erziehungs- und Familienberatungsstelle im Stadtdekanat, gemeinsam zu Wort gemeldet. Sie fordern von der Kölner Bistumsleitung „eine eindeutige Stellungnahme“ zu den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen und Gemeinden. Darin müsse die Kirche die Taten anerkennen und ihre Bereitschaft erklären, diese auch zu dokumentieren und zu veröffentlichen. „Die Institution Kirche muss erklären: Das ist Faktum“, sagt Zimmermann. Dies wäre für die Betroffenen eine große Hilfe.

Katholikenausschuss-Vorsitzende Hannelore Bartscherer und Caritas-Direktor Pfarrer Franz Decker halten es zudem für zwingend notwendig, dass den Opfern ein Ansprechpartner außerhalb der kirchlichen Hierarchie zur Verfügung gestellt wird. Das Erzbistum Köln hat für diesen Zweck Domkapitular Norbert Trippen benannt. „Aus Respekt vor den Opfern muss aber die Rollentrennung beachtet werden“, fordert Decker. Und Bartscherer plädiert für „Strukturen, die sicherstellen, dass künftig nichts unter der Decke gehalten wird“. Missbrauch sei ein Straftatbestand, der unmittelbar von den zuständigen Behörden verfolgt werden müsse. „Es darf keinen Schonraum, keinen Schutzraum für die Täter mehr geben“, so Zimmermann.

Decker, Bartscherer, Zimmermann und auch SKM-Geschäftsführer Wolfgang Scheiblich berichteten, dass sich mehrere Opfer von Missbrauch - der meist mehr als 50 Jahren zurückliegt und inzwischen verjährt ist - bei ihnen gemeldet hätten. „Und es gibt eine hohe Dunkelziffer“, vermutet Decker. Die Betroffenen schilderten die lange zurück liegenden Erlebnisse „als wäre es gestern gewesen“, so Scheiblich. „Da ist kein ruhiges Reden möglich.“ Die Verletzungen seien tief, viele wollten wissen „wer war wo dabei, wer hat was gewusst“, sagt Bartscherer. Manche hätten den Wunsch, ihrem Peiniger zu begegnen. Die kirchlichen Verbände und Einrichtungen müssten bei der Aufarbeitung ihre Hilfe anbieten. Pfarrer Decker hält es zudem für notwendig, dass das Erzbistum das Gespräch mit den Tätern sucht.

Psychologe Zimmermann betont, dass beim sexuellen Missbrauch nicht nur die Gefühle der Opfer in den Blick genommen werden dürften, sondern dass es sich dabei „um eine reale Verletzung der Körperlichkeit und Integrität der Person“ handele. Und zwar eine Verletzung, die bei den Kindern und Jugendlichen „im Identitätsaufbau“ Scham und Schuldgefühle hervorgerufen haben, die das jahrelange Schweigen erklärten. „Genau das ist Täterstrategie“, so der Leiter der Beratungsstelle.

Zugespitzt werde die Problematik, wenn es sich bei den Tätern um Priester handele, die nicht nur für die ihnen anvertrauten Kinder, sondern auch für deren Eltern „absolute Respektspersonen“ seien, die „Hüter der Moral und der Würde der Person“. Das führe zu einer extremen Verunsicherung.



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