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Nächster Fall

Weiterer Missbrauch an Vorzeigeschule

Von Jörg Schindler, 05.03.10, 23:50h, aktualisiert 08.03.10, 09:51h

An der Odenwaldschule in Südhessen soll in den 70er Jahren schier Ungeheuerliches passiert sein. Ex-Schülern zufolge gab es regelmäßigen Zwang zum Oralverkehr, Wochenend-Sexschichten – und einen äußerst speziellen persönlichen „Service“ für Internatsgäste.

Missbrauch in Ordensschulen
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Die katholische Kirche will die Missbrauchs- Verdachtsfälle in Schule und Internat des bayerischen Klosters Ettal und anderen Einrichtungen in Deutschland schonungslos aufklären. (Symbolbild: dpa)
Missbrauch in Ordensschulen
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Die katholische Kirche will die Missbrauchs- Verdachtsfälle in Schule und Internat des bayerischen Klosters Ettal und anderen Einrichtungen in Deutschland schonungslos aufklären. (Symbolbild: dpa)
HEPPENHEIM - Nach den Vorgängen am Berliner Canisius-Kolleg und dem Bonn-Bad Godesberger Aloisiuskolleg bahnt sich der nächste große Missbrauchs-Skandal an einer deutschen Vorzeigeschule an. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau hat der Vorstand der Odenwaldschule (OSO), einer Unesco-Modellschule im südhessischen Heppenheim, „den jahrelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Pädagogen“ eingeräumt. So steht es in einer noch nicht veröffentlichten Stellungnahme des Vorstandes. Schulleiterin Magarita Kaufmann: „Es ist für mich eine Tatsache, dass hier mindestens seit 1971 sexueller Missbrauch stattgefunden hat.“

Die ehemaligen Schüler - fast alle Männer - berichten, wie sie als 13-, 14-Jährige von ihren Lehrern regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt, wie sie als „sexuelle Dienstleister“ für ganze Wochenenden eingeteilt, und sie zu Oralverkehr gezwungen wurden. Einige Lehrer hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen. Lehrkräfte haben demnach Schutzbefohlene geschlagen, mit Drogen und Alkohol versorgt oder beim gemeinschaftlichen Missbrauch eines Mädchens nicht eingegriffen.

Vorwürfe bereits vor zehn Jahren bekannt

Erste Vorwürfe gegen den langjährigen Rektor Gerold Becker, der die OSO von 1971 bis 1985 leitete und heute schwer krank ist, waren vor gut zehn Jahren publik geworden. Seinerzeit berichteten Altschüler von massiven Übergriffen Beckers gegen 13-Jährige, bis hin zum erzwungenen Oralverkehr. Die Vorwürfe wurden von der Schule jedoch nur halbherzig aufgegriffen.

„Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat“, sagt Kaufmann, die seit 2007 im Amt ist. Sie selbst sei im vergangenen Jahr erneut von Ehemaligen angesprochen worden, die fürchteten, die Schule werde sich auch bei der 100-Jahr-Feier im April 2010 wieder ihrer Verantwortung entziehen. Daraufhin habe sie etliche Gespräche mit Ex-Schülern geführt und dabei erst „das wahre Ausmaß“ des Skandals erahnt. Kaufmann geht von mindestens drei Lehrern aus, die sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben sollen. Zeugen hätten 20 Opfer genannt. Juristisch gesehen gelten alle diese Fälle als verjährt. Die betroffenen Ex-Schüler gehen von 50 bis 100 Missbrauchsopfern aus. Namentlich nennen sie neun Lehrer, denen sie Gewalt gegen Schüler und Sex-Übergriffe vorwerfen.

Viele berühmte Schüler

Dem Vordenker der Reformpädagogik und Lebensgefährten von Ex-Schulleiter Becker, Hartmut von Hentig, warfen die Betroffenen zumindest Mitwisserschaft vor. Von Hentig nennt den Vorwurf „grotesk“.

Die Odenwaldschule ist berühmt. Auf der Homepage werden stellvertretend für andere später bekannt gewordene „Ehemalige“ die Schriftsteller Klaus Mann und Jakob Arjouni sowie der Politiker Daniel Cohn-Bendit zitiert.



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