Von Sven Winterschladen, 07.03.10, 21:54h
Die trotz Besucher- und Ausstellerrückgang noch immer weltweit größte Veranstaltung für Informations- und Kommunikationstechnik schmückte sich in diesem Jahr mit dem Leitmotiv „Connected Worlds“. Verknüpfte Welten - und gleichzeitig auch verschwindende technische Grenzen. Das Schlagwort klingt bekannt, der Inhalt aber ist neu. Was man vor einigen Jahren noch mit einem Hightech-Kühlschrank assoziierte, der Alarm schlägt, wenn die Milch sauer wird, hat mittlerweile völlig neue Dimensionen erlangt. Vernetzung steht in erster Linie für die immer noch rasant wachsende Bedeutung des Internets. Vernetzung ist aber auch die Konzentration möglichst vieler technischer Anwendungen auf einem Gerät. Kämpften in der Vergangenheit noch verschiedene Plattformen um die Vorherrschaft, zum Beispiel das Fernsehen und der Desktopcomputer, so gibt es in diesem Jahr kaum mehr einen Zweifel, wer der Sieger in der Vernetzungs-Arena ist. Das Handy, genauer gesagt, das internetfähige Smartphone hat in seiner Bedeutung für die Zukunft allen anderen Geräten den Rang abgelaufen.
Schon jetzt ist es möglich, mit dem Mobiltelefon an der Kasse ausgewählter Supermärkte zu bezahlen. Schon lange kann man sein KVB-Ticket mit dem Handy lösen. Doch das ist nur ein bescheidener Anfang. Schon bald wird das Smartphone der zentrale Knotenpunkt unseres digitalen Lebens sein. Wir tragen keine Telefone mehr mit uns herum, sondern hoch entwickelte Minicomputer mit Zugang zum Internet, Spielkonsole, Kamera, Beamer - wir stecken uns mit ihnen ein Buch, einen Fernseher, ein Navigationsgerät ganz einfach in die Hosentasche.
Technische Grenzen verschwimmen, aber auch soziale. Feierabend hat nur, wer sein Smartphone stumm schaltet, besser noch komplett ausmacht. Aber wer schafft das schon? Ständige Erreichbarkeit ist nicht nur möglich, sie wird auch mehr und mehr erwartet. Berufliche Mails kommen immer an, auch in der Freizeit. Morgens, mittags, abends, nachts - meist erwartet der Absender eine kurzfristige Antwort. Und das ist nur ein kleiner Teil großer Veränderungen. Was ist mit Urheberrechten? Dem Datenschutz? Wie soll die ständig wachsende Virengefahr reduziert werden? Welchen Einfluss die Technik, das Internet und das Hochleistungshandy auf unseren sozialen Alltag tatsächlich haben werden, das haben wir bislang nur in Ansätzen erlebt.
Auf der Cebit wurden diese Probleme thematisiert, auch wenn viele Hersteller von solchen Debatten genervt sind. Aber wir müssen uns sowohl mit den Chancen als auch mit den Risiken auseinandersetzen. Ignorieren bringt nicht. Die Vernetzung ist nicht mehr zu stoppen.
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