Von Jan Freitag, 07.03.10, 18:45h
Die Karriere war Zufall
Die unprätentiöse Charakterdarstellerin aus der Beamtenstadt Bonn ist ein echtes Arbeitstier, hochkonzentriert und zuverlässig. „Weil ich keine Lust hab, mich selber zu spielen“, erklärt sie ihren Eifer. „So viel gebe ich von mir nicht preis“. Und so einfach erklärt sich bisweilen Brillanz. Denn nichts anderes liefert sie. Ob als zielstrebig-verzweifelte Mutter in Dieter Wedels Scheidungsdrama „Papa und Mama“, berechnend-verzweifelte Kriminologin in Martin Enlens Mordgeschichte „Eine folgenschwere Affäre“ oder couragierte Hinterbliebene in Andreas Senns Spekulanten-Abrechnung „Über den Tod hinaus“ - stets ist Silke Bodenbender authentisch, Schauspielerin durch und durch.
Ein Naturtalent. Das ist schon mal bemerkenswert. Denn eigentlich wollte sie Architektin werden. Die Filmkarriere war letztlich Zufall. In der 9. Klasse, erinnert sie sich an die späten Achtziger, „habe ich nur Theater gewählt, weil Französisch voll war“. Doch nachdem sie Gefallen an der Bühne gefunden hatte, wollte sie auch weitermachen - und ist beinahe gescheitert. Acht Schauspielschulen haben Bodenbender abgelehnt, immer als eine von Tausenden, immer im Finale. Da das jedoch ihren Ehrgeiz nur angestachelt hatte, „weil ich dachte: jetzt erst recht“, versuchte sie es noch einmal. Mit Erfolg. Am Münchner Schauspiel dann lautete ihr Ziel: Theater.
Wedel-Casting als SprungbrettDoch über Provinzengagements, Kurzfilme, Nebenrollen und Serienauftritte führte der Weg - noch ein Zufall - ins Casting von Dieter Wedel, der die Unbekannte zum Anspielen eines Kollegen geladen hatte, aber so großes Gefallen an der begabten Blonden mit dem Allerweltsgesicht fand, dass er die 29-Jährige als Mutter eines halb so alten Kindes besetzte. „Mit dem richtigen Licht und etwas Make-up kein Problem“, sagt sie über ihren Quereinstieg. Seither wird die Spätberufene mit Angeboten eingedeckt und selten sind so seichte dabei wie der Pro-Sieben-Piratenquatsch „Die Schatzinsel“. Eine Erfahrung, wie sie es heute, mit 36 und hochschwanger, nennt. Nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu „Eine Frage des Vertrauens“, wo sie eine falsche Hamburger Kinderärztin nach realen Motiven gibt.
Wie gemacht für Silke Bodenbender, nachvollziehbar und echt. Die Approbation zu fälschen, um den Traumjob zu kriegen, sagt sie, „dazu fehlt mir der Mut“. Und falls sie ihn aufgebracht hätte, nach einer neunten Absage etwa, zu alt für die Schauspielschulzulassung - „ich wäre an dem Betrug zerbrochen“. Denn Lügen, sagt sie, kann sie nicht. Schwer zu glauben eigentlich.
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