Schriftgröße

Schauspiel-Streit

„Ignoranz hat die Planung bestimmt“

Von Christian Hümmeler, 07.03.10, 17:58h, aktualisiert 09.03.10, 15:11h

Mit ungewohnt deutlichen Worten kritisiert die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ die städtischen Pläne, das Schauspielhaus durch einen Neubau zu ersetzen. Im Brief an OB Roters geißelt das Gremium mangelnden Respekt vor dem Architektur-Erbe.

Schauspiel Köln Innenraum
Bild vergrößern
Das Innenleben des Kölner Schauspiels. (Bild: Rakoczy)
Schauspiel Köln Innenraum
Bild verkleinern
Das Innenleben des Kölner Schauspiels. (Bild: Rakoczy)
Die Stadt Köln möge die bisherige Planung und die politischen Entscheidungen zur Neugestaltung des Opernquartiers „grundlegend überdenken“ und „ihren Beschluss zum Abriss des Schauspielhauses revidieren“ - mit deutlichen Worten bezieht die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“ Position in der Debatte um den geplanten Neubau des Schauspielhauses. Adressat der Kritik in Gestalt eines Schreibens, das dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, ist Kölns OB Jürgen Roters.

Fehlender "Respekt vor dem Gesamtkunstwerk"

Ungewöhnlich ist schon der Vorgang an sich, nimmt die 1985 gegründete Stiftung doch nur ganz selten direkt und in dieser Form Stellung zu einzelnen Projekten. Und auch inhaltlich wird die Stadt nicht geschont: Oper und Schauspielhaus, so Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Stiftung und Unterzeichner des Schreibens, seien nicht nur wichtige Kulturbauten, sondern über die Stadtgrenzen Kölns hinaus herausragende Beispiele der jungen demokratischen Gesellschaft der Nachkriegszeit. „Die bisher benannten Argumente, die einen Abbruch des Schauspielhauses wegen vorgeblich funktionaler Mängel und hoher Reparaturbedürftigkeit fordern, können einer ernsthaften Diskussion nicht standhalten“:

Die geplante „Verstümmelung“ des Ensembles aus Oper und Schauspiel nähre allerdings den Verdacht, dass „seine Urheber sich des baukünstlerischen Wertes entweder überhaupt nicht bewusst sind oder Ignoranz die bisherigen Planungsschritte bestimmt hat“. Jedenfalls, so Kiesow weiter, ließen die Kölner Planungen „denkmalpflegerische Verantwortung und Respekt vor dem Gesamtkunstwerk vermissen“. Zudem sei auch das von der Stadt Köln eingegangene Kostenabenteuer aus Sicht der Stiftung zulasten des Denkmalschutzes nicht zu verantworten. Kiesow: „In Köln droht jegliches Gespür für den Wert des kulturellen Erbes der Geschichte verloren zu gehen.“

Neuen Ratsbeschluss gefordert

Die Stadt solle nun nicht nur die Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren schaffen, sondern auch die weiteren Planungen in einem offenen Moderationsverfahren „kreativ und sachgerecht“ diskutieren, so die Bitte der Stiftung. Das Ziel: „Ein neuer Ratsbeschluss wäre herbeizuführen, der eine angemessene denkmalgerechte Sanierung des Schauspielhauses einschließlich der Neuorganisation des Raumprogramms mit funktionalen Verbesserungen zum Ziel hat.“

Die Kölner Stadtkonservatorin Renate Kaymer, kraft Amtes erste Ansprechpartnerin für die Denkmäler des Opernquartiers, darf sich inzwischen zu diesem Thema nicht mehr öffentlich äußern. Alle Anfragen zu Oper und Schauspiel seien an ihren Dienstvorgesetzten, Kulturdezernent Georg Quander, zu richten, hieß es am Freitag in der Denkmalbehörde.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Studio DuMont


Video


Kolumne


Extra


Stadtmenschen Community


Extra


Die andere Meinung


ksta shop


Links


Dienste