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Kommentar zu Kraft

Der Befund ist bedrückend

Von Stefan Sauer, 07.03.10, 20:52h, aktualisiert 08.03.10, 10:49h

Vielen Dauer-Arbeitslosen fehlen nicht nur Fertigkeiten, sondern schlicht Selbstvertrauen und ein strukturierter Tagesablauf. Genau hier setzt Hannelore Krafts Vorschlag an, sie im sozialen Bereich einzusetzen. Einen Versuch ist es allemal wert.

Hannelore Kraft
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Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin und Rüttgers-Herausforderin Hannelore Kraft. (Bild: ddp)
Hannelore Kraft
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Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin und Rüttgers-Herausforderin Hannelore Kraft. (Bild: ddp)
Der Vorschlag der SPD-Landesvorsitzenden Hannelore Kraft, Langzeitarbeitslose in dauerhaft gemeinnützige Tätigkeiten zu bringen, gründet auf einem bedrückenden Befund: Ein Teil der dauerhaft Erwerbslosen hat auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance auf Anstellung. Damit verknüpft sind Mut- und Perspektivlosigkeit, in der die Abhängigkeit von staatlichen Transfers irgendwann als selbstverständlich empfunden wird. Strukturierte Tagesabläufe fehlen ebenso wie Selbstwertgefühl und Eigeninitiative. Dass Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, den psychosozialen Notstand gleichsam mit der Muttermilch aufsaugen, ist unbestritten. Auch so wird Armut vererbt.

Genau hier setzt Krafts Vorschlag an: Wenn Papa morgens das Haus verlässt, um in Altenheimen Bücher vorzulesen, mag das nicht nur für die Bewohner und den Papa von Nutzen sein, sondern eben auch für dessen Kinder. Sind solche Beschäftigungsverhältnisse anders als bisher auf Dauer angelegt, kann im Einzelfall sogar doch der Sprung in den ersten Arbeitsmarkt gelingen. Besser als Ganztagsfernsehen ist es allemal, den Versuch zu wagen.

Der Vorwurf von Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), Kraft gebe mit ihrem Vorschlag Langzeitarbeitslose verloren, ist nicht sehr glaubhaft. Auch Laumann weiß: Der Grundsatz, alle Erwerbslosen in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bringen, scheitert in der Wirklichkeit oftmals - nicht nur, aber eben auch wegen der Defizite der Langzeitarbeitslosen selbst. Die Schwäche des SPD-Vorstoßes ist liegt anderswo: Staatlich geförderte Arbeit könnte reguläre Jobs verdrängen.



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