Von Jörg Schindler, 07.03.10, 21:44h
Ex-Schüler schilderten in Berichten weitere Details des sexuellen Missbrauchs an der Schule. So habe ein inzwischen verstorbener Lehrer einen Schüler regelmäßig zum „Mittagsschläfchen“ aufgefordert, bei dem er ihn im Intimbereich streichelte. Auch der Adoptivvater des Lehrers habe sich bei einem Besuch an den Übergriffen beteiligt. Ein anderer ehemaliger Schüler sagte, es habe auch Übergriffe gegen Mädchen gegeben. In einem Fall sollen sich zwei Lehrer ein Mädchen als sexuelle Gespielin „geteilt“ haben.
Als "Spießer" geächtetEin Ex-Schüler sprach von einer „Anti-Spießer-Hysterie“, welche die Übergriffe in den 70er und 80er Jahren erst möglich gemacht habe. Wer seinerzeit etwas bemerkt und gesagt habe, sei „sofort als Spießer geächtet worden. Das war grauenhaft“, sagte er.
Ehemalige Schüler erwägen nun auch eine Verwaltungsklage gegen das Land Hessen, um Versäumnisse der Politik aufzudecken. Bereits im November 1999 hatte die Frankfurter Rundschau erstmals über den jahrelangen Missbrauch durch den früheren Schulleiter Gerold Becker berichtet. Eine damals vom Hessischen Kultusministerium zugesagte Prüfung der Odenwaldschule als staatlich anerkannte Schule habe es aber nie gegeben. Die amtierende hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kündigte eine Prüfung der Vorgänge und möglicher Versäumnisse der Schulaufsicht an.
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