Von Norbert Ramme, 08.03.10, 17:29h
Einstimmig beschlossen Kalker Bezirksvertreter einen Dringlichkeitsantrag der Grünen, die auf Sorgen von Anwohnern, des Kirchenvorstandes und des Merheimer Bürgervereins reagiert hatten: Es wurde befürchtetet, dass durch die Bauarbeiten, die zum Wochenende schon bis an die Broichstraße vorgerückt waren, der alte Baumbestand dauerhaft geschädigt würde. „Die Baustelle wird vor den Bäumen stillgelegt“, sagte Bürgeramtsleiter Norbert Becker zu.
Schon seit einigen Wochen lässt die Firma Netcologne entlang der Ostmerheimer Straße, aus Richtung Holweide kommend, neue Glasfaserkabel verlegen. Auf dem Straßenstück zwischen Rüdigerstraße und Fußfallstraße sieht der „bisherige Genehmigungsstand“, so Grünen-Sprecherin Karin Schmidt, eine Verlegung der Kabel unter der hundertjährigen Lindenreihe vor. Und bislang habe es stets geheißen, dass die Kabel nicht unter der Fahrbahn verlegt würden, da sonst die Mindestabstände zu anderen Leitungstrassen nicht eingehalten werden könnten.
Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Verwaltung und der Baufirma wusste jedoch laut Bürgervereins-Vorsitzender Horst Hanika „keiner mehr so genau, wo denn derzeit die Leitungen für Gas, Wasser und Telefon entlang laufen.“
Die Merheimer Bürger glauben, dass es durchaus Alternativen für die Verlegung direkt unter oder gar im Wurzelwerk der Linden gibt. Hanika: „Wir wollen die alten Bäume erhalten und uns nicht mit irgendwelchen späteren Ersatzpflanzungen zufrieden geben.“ Schließlich hatten die früheren Kölner Stadtkonservatoren Dieter Krings und Henriette Meynen das Ensemble rund um die Gereonskirche als „schützenswert“ bezeichnet.
„Das ist eines der Highlights von Merheim“, sagte SPD-Bezirksvertreterin Kerstin Schmedemann. Ähnlich sah das auch CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Schuiszill: „Das Anliegen, die Bauarbeiten vorerst zu stoppen, ist zu begrüßen.“ Es sollte allerdings geklärt werden, ob die Stadt dann mit Schadensersatzansprüchen rechnen müsse. Das Risiko wollen die Bezirksvertreter eingehen. „Eventuell muss man den Rechtschutz in Anspruch nehmen“, sagte Schmedemann.
Noch in dieser Woche soll es einen erneuten Ortstermin geben. Anwohner Hans Sauer hat schon signalisiert, dass er mit einer Verlegung der Kabel entlang seiner Grundstücksmauer auf der den Linden gegenüberliegenden Straßenseite einverstanden sei.
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