Von Katrin Voss, 09.03.10, 21:03h, aktualisiert 10.03.10, 08:26h
Muss es ein Exotentrip nach Übersee sein? Oder reicht nicht vielleicht ein Ausflug an den Ostseestrand? Wie sich die Menschen am liebsten erholen, diese Frage unterliegt dem Zeitgeist, natürlich auch der Konjunktur - und ist somit hochgradig individuell. Dem einen reichen fünf Tage Outdoor-Feeling, um auf wohltuende Distanz zum Alltag zu gehen. Für den nächsten muss es unbedingt eine Fernreise sein, am besten weit weg von vertrauten Mustern. Urlaub ist also zweifelsohne mehr als die bloße Abwesenheit vom Arbeitsplatz. Schon deshalb muss die Reiseindustrie, die mit unserem Freizeitverhalten Geld verdienen will, Bedürfnisse beobachten, wecken - und daraus Trends formen.
In Zeiten knapper Kassen bleibt jedoch wenig Raum für Produktinnovationen. „Einen großen Kracher habe ich nirgends gesehen“, urteilte jüngst Professor Karl Born, Ex-TUI-Vorstand und Tourismusforscher an der Hochschule Harz in Wernigerode. Die Branche pusht trotz allem ehemalige Nischenprodukte: Abenteuer- und Outdoor-Reisen sind „in“, Pilger- und Brauchtums-Reisen boomen und der „Eco-Tourismus“ - Reisen, die einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und sozialem Gleichgewicht der Gastbevölkerung leisten - soll weiter voran gebracht werden. Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), räumt ein, wie schwierig es sei, im Massenmarkt Neues zu probieren: Gerade Familien wollten keine Experimente, sondern Strandurlaub mit gutem Essen im solide ausgestatteten Hotel.
Rund 48 Prozent aller Deutschen planen die Fahrt in den diesjährigen Urlaub mit dem eigenen Auto. Egal ob Städtetrip oder Aktiv-Urlaub, das Heimatland ist dabei erklärtes Lieblingsziel. Zwischen Haustür und Urlaubsort liegen selten mehr als 750 Kilometer - so lässt sich das Ergebnis einer aktuellen Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen zusammenfassen.
Dass es wieder öfter auf die Friesischen Inseln statt auf die Seychellen gehen wird, ist aber nur einer unter mehreren Trends. Für Flugreisende haben die Reiseveranstalter dank sinkender Kerosinkosten und schwachem Dollarkurs die Preise verbilligt. Besonders schonend für die Urlaubskasse sind in diesem Jahr Ferien in der Türkei, Tunesien oder Spanien. Bei gezielter Urlaubsplanung lassen sich die Kosten noch weiter drücken. „Um besonders günstig zu verreisen, muss man nicht auf Last-Minute setzen. Auch frühzeitige Reisebuchungen im ersten Quartal werden mit bis zu 30 Prozent vergünstigt“, erläutert Tom Reiter von Opodo Deutschland. Wer diese Frühbucherrabatte nutzen will, hat dazu bei den meisten Veranstaltern noch bis Ende März Zeit. Zwar sind die Hotelpreise weltweit so niedrig wie nie, aber auch so genannte „Economy Accomodations“ legen weiter zu - billige Unterbringungen bei großen Low-Cost-Hotelketten oder Jugendherbergen. Das klingt dann doch irgendwie nach Urlaub in der Krise.
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