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Lanxess

Gegner in den eigenen Reihen

Von Thomas Käding, 09.03.10, 09:33h

Vor der Betriebsratswahl bei Lanxess kämpfen die Gruppierungen verbissen um Stimmen. Drei Ratsmitglieder haben sich von der Mehrheitsfraktion der IG BCE losgesagt und „Die Neue Liste“ gegründet.

Werner Czaplik
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Leverkusen - In gut einer Woche erreicht der Wahl-Marathon Lanxess: Ab Dienstag, 16. März, haben die Beschäftigten drei Tage lang Gelegenheit, ihren Betriebsrat zu bestimmen. Und nirgendwo im Chempark ist die Lage verworrener und der Wahlkampf verbissener. Nicht weniger als fünf Gruppierungen bewerben sich um die - der Personalabbau lässt grüßen - künftig noch 25 Sitze. Derzeit sind es 29 Mandate.

Die Verringerung der Mandate ist freilich nicht der Grund für die überaus harte Auseinandersetzung bei Lanxess. Vielmehr werden dort gerade ein paar alte Rechnungen beglichen. Anlass dazu haben Ralf Deitz und Axel Berndt, die sich mit ihrem Betriebsratskollegen Lothar Klameth verselbstständigt und mit der Mehrheitsfraktion von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) gebrochen haben - obwohl sie weiterhin Mitglied der Gewerkschaft bleiben. „Die Neue Liste“ moniert, dass mit der Kandidatenaufstellung bei der IG BCE klar geworden sei, „dass unsere Kritik nicht erwünscht war und nunmehr entsprechende Listenplätze zur Konsequenz hätte“, heißt es in einem Flugblatt der Gruppe. Mehr als Platz 5 wäre nicht drin gewesen. Das hätte zur Folge, dass die „Kritiker“ im nächsten Betriebsrat „keine oder nur eine unbedeutende Rolle spielen würden“, lautet der Vorwurf.

Besonders Ralf Deitz dürfte den Coup nicht vergessen haben, mit dem er im Spätsommer 2005 von der Spitze des Gesamtbetriebsrats vertrieben wurde. Deitz war gerade einen Monat im Amt, als ein Abwahlantrag gestellt wurde, der eine Mehrheit fand. Sachlich begründet wurde die Abwahl nicht - das musste auch nicht sein, weil Deitz mit Hilfe von Paragraf 49 des Betriebsverfassungsgesetzes abgesetzt wurde - ohne Angabe von Gründen.

Deitz' Nachfolger wurde Werner Czaplik, dem einige Mitglieder mehr Widerstandskraft gegen die Arbeitgeberseite zutrauten. Denn im Spätsommer 2005 war längst klar, dass es bei Lanxess wesentlich ungemütlicher werden würde als im Schoße von „Mutter Bayer“.

Der „Putsch“ gegen Deitz

Kenner der Machtverhältnisse in der Leverkusener IG BCE bewerten die Abwahl von Deitz und die nachfolgende Inthronisierung von Czaplik als „Putsch“, mit dem auch Thomas de Win getroffen werden sollte. Bayers oberster Betriebsrat gilt als Vertrauter von Ralf Deitz, und beiden wird im Umgang mit der Arbeitgeberseite mehr Kooperation als Konfrontation unterstellt. In der heißen Wahlkampfphase ist Arbeitgebernähe ein gern erhobener Vorwurf, und da trifft es sich gut, dass auch Deitz' Kompagnon Axel Berndt beste Beziehungen in die Personalabteilung von Lanxess nachgesagt werden.

Die Czaplik-Fraktion betont, sie sei wochenlang kompromissbereit gewesen. Nachdem im November klar geworden sei, dass Deitz, Berndt und Klameth unzufrieden sind, habe man bis in den Januar nach Lösungen gesucht. Besonders Alfred Wagner habe bei mehreren Veranstaltungen immer wieder betont, dass ein Kompromiss geschlossen werden müsse. Dem Vorsitzenden des Lanxess-Betriebsrats im Werk Leverkusen wurde noch am ehesten eine Vermittlerrolle zwischen Czaplik und Deitz zugetraut. Auch, weil er bei dem „Putsch“ nicht direkt betroffen war. Wagner warnte auch vor den Folgen des Streits: „Wir wollen eine gemeinsame Interessenvertretung der Belegschaft. Eine weitere Zersplitterung hilft niemandem.“

Genützt hat es nichts: Neben IG BCE und „Neuer Liste“ werden sich wie gehabt die „Basisbetriebsräte“, die „Durchschaubaren“ und das von Verdi bestimmte „Belegschaftsteam“ um Stimmen bei der Betriebsratswahl bemühen. Und es ist wahrscheinlich, dass alle Gruppierungen Sitze in dem Gremium bekommen. In der Belegschaft kommen diese Kabale nicht gut an. Im Diskussionsforum der Basisbetriebsräte findet ein Lanxess-Mitarbeiter: „Der Arbeitgeber lacht sich doch kaputt. Fünf Listen. Besser kann es für den nicht kommen.“



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