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AOK-Stichproben

Kliniken rechnen zu viel ab

Von Günther M. Wiedemann, 09.03.10, 06:45h

Die Zahl stimmt bedenklich: Bei einer Überprüfung der Klinik-Rechnungen in NRW stellte die AOK fest, das jede zweite Stichprobe zu hoch ausfällt. Den Schaden beziffern die Kassen auf eine Milliarde Euro. Die Krankenhäuser wehren sich.

Krankenhaus-Rechnung
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Jede zweite Krankenhaus-Rechnung ist laut AOK überhöht. (Bild: dpa)
Krankenhaus-Rechnung
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Jede zweite Krankenhaus-Rechnung ist laut AOK überhöht. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - „Etwa jede zweite geprüfte Krankenhausrechnung ist fehlerhaft, zu hoch.“ Das sagte Matthias Mohrmann, Geschäftsbereichsleiter Krankenhaus der AOK Rheinland-Hamburg dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die größte gesetzliche Krankenversicherung in NRW überprüft jährlich etwa 60 000 Rechnungen. Das entspricht einem Anteil von gut sieben Prozent, sagt der Kassen-Manager. „Allein mit diesem kleinen Segment holen wir Millionenbeträge zurück.“ Bei der AOK Rheinland-Hamburg sind es im Jahresschnitt rund 45 Millionen Euro. Bundesweit sparen die Kassen durch die Rechnungsprüfungen eine Milliarde Euro ein.

Die Krankenkassen prüfen Rechnungen der Kliniken dann, „wenn es Auffälligkeiten gibt“, sagt Mohrmann. In fast jedem zweiten Fall stellt die Kasse dann fest, dass die Rechnung zu hoch ausgefallen ist. Die Kassen müssen den Betrag dann rückerstatten. Krankenhäuser rechnen mit den Kassen inzwischen vieles über Fallpauschalen ab. Aber zu diesen Festbeträgen für bestimmte Behandlungen gibt es auch immer wieder Nebenleistungen, wenn ein Fall besonders schwierig war, berichtet Mohrmann von der AOK Rheinland-Hamburg. Dabei stutzen Kassen-Mitarbeiter häufig bei hohen „Beatmungsstunden“ für Patienten, die Sauerstoff benötigen. Haben Kassen-Mitarbeiter Bedenken, geben sie den Fall weiter an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen MDK). Dessen Mediziner setzen sich dann mit ihren Kollegen in den Kliniken in Verbindung oder mit der Klinikleitung. Eine Universitätsklinik in NRW halbierte daraufhin laut AOK in einem Fall die Beatmungsstunden und musste über 22 700 Euro erstatten. Ein Krankenhaus im Ruhrgebiet, so ein anderes Beispiel musste eine Rechnung von 37 700 auf 7900 Euro korrigieren, weil fälschlich eine Nebendiagnose zur Blutversorgung berechnet worden war.

In wirtschaftlicher Not

AOK-Manager Mohrmann schätzt, dass überhöhte Rechnungen zur Hälfte aus Vorsatz ausgestellt werden. Kliniken stünden unter wirtschaftlichem Druck, zumal in NRW, weil es zu viele Krankenhausbetten gebe. Misslich sei, dass die Kassen „keine Sanktionsmöglichkeiten haben gegen Kliniken, die zu hohe Rechnungen ausstellen“. „Eine Strafgebühr hätte abschreckende Wirkung.“

Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der rheinischen AOK, kann angesichts dieser Zahlen nicht verstehen, dass der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler die Kontrollen einschränken will. Rösler hatte kürzlich in einem TV-Interview eine Reduzierung der Überprüfungen angekündigt und moniert: „Das, was wir jetzt haben, ist eindeutig zu viel.“ Man müsse mehr davon ausgehen, dass Ärzte und andere Klinikmitarbeiter „selbstverständlich im Interesse der Patienten handeln“. Jacobs kontert nun: „Es gibt im Finanz-Controlling nicht zu viel Bürokratie. Wir machen das nicht aus Freude, sondern weil es notwendig ist.“ Die Kassen sind, so die AOK, „gesetzlich dazu verpflichtet, wirtschaftlich mit den Geldern der Versicherten umzugehen“.

Der Präsident der NRW-Krankenhausgesellschaft, Hans Rossels, weist die Vorwürfe der Kasse „scharf zurück“. Der Krankenhauschef aus Mechernich sagte dieser Zeitung: „Der vermittelte Eindruck, Kliniken würden in beträchtlichem Umfang zu hohe Rechnungen zu Lasten der Krankenkassen abrechnen, stellt die Krankenhäuser unter Generalverdacht und ist falsch.“ Die Kliniken in Nordrhein-Westfalen stellten jährlich vier Millionen Rechnungen aus. Nur bei 2,5 Prozent stimmten die Ärzte des medizinischen Dienstes der Kassen nicht mit den Klinikärzten überein.

Rossels hält die Häufigkeit, mit der Kassen Rechnungen prüfen, „für unverhältnismäßig hoch und nicht sachgerecht.



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