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Porträt

Ihm reicht so schnell keiner das Wasser

Von Tobias Christ, 09.03.10, 15:09h

Josef Formanns fährt Fahrrad. Bis zu 250 Kilometer legt der 76-Jährige am Tag zurück. In seiner Altersklasse ist der Wesselinger damit Weltspitze. Er hat auch schon mehrere Weltmeistertitel der Senioren.

Josef Formanns
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Schon in den 1950er Jahren war Josef Formanns aus Wesseling bei Radrennen erfolgreich. Auf dem Foto ist er bei einem Rennen in Köln-Klettenberg unterwegs. (Bild: Privat)
Josef Formanns
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Schon in den 1950er Jahren war Josef Formanns aus Wesseling bei Radrennen erfolgreich. Auf dem Foto ist er bei einem Rennen in Köln-Klettenberg unterwegs. (Bild: Privat)
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Josef Formanns zeigt stolz die glänzenden Trophäen, die er bei den Rad-Weltmeisterschaften in Österreich gewonnen hat. (Bild: Christ)
Josef Formanns
Wesseling - Josef Formanns sitzt auf dem Sofa und berichtet von seinem großen Hobby. Das tut er gern, doch viel lieber wäre er auch jetzt unterwegs. In die Pedale treten, schwitzen, Berge bezwingen, Kilometer abspulen - das Radfahren ist seine Welt. Bis zu 250 Kilometer ackert sich Formanns pro Tag mit seinem ultraleichten Carbon-Rennrad durch das Rheinland. Und das mit 76 Jahren.

Anfang des Jahres, als auf den Straßen viel Schnee lag, musste er das Training drei Wochen lang aussetzen. So etwas ist für Formanns anstrengender als jede Berganfahrt: „Der Körper braucht das Radfahren“, sagt der Rentner. Was ihn antreibt, ist aber vielleicht auch die Aussicht auf Titel und goldglänzende Pokale. Ein paar davon hat er bereits. 2004 zum Beispiel siegte er bei den vom internationalen Radsport-Verband UCI ausgerichteten Senioren-Weltmeisterschaften im Radrennen. Rund 80 Fahrer seiner Altersklasse ließ er auf dem 40-Kilometer-Kurs im österreichischen St. Johann hinter sich. Durchschnittsgeschwindigkeit: 40 Stundenkilometer. Auf der selben Strecke gewann Formanns im vergangenen Jahr den Weltcup der Senioren: „In meinem Alter gibt es kaum jemanden, der mir das Wasser reichen kann.“ Deshalb will auch die Stadt Wesseling Formanns ehren: Am 21. März soll er den Sportpreis 2009 überreicht bekommen.

Das Radrennen hatte der durchtrainierte Wahl-Wesselinger und gebürtige Kölner schon früh für sich entdeckt. Zwischen 1948 und 1958 ließ er kaum eines der damals weit verbreiteten Radsport-Wettbewerbe in Köln und Umgebung aus: „Jeder Ort hat damals ein Rennen gemacht“, erzählt Formanns. Jeden Sonntag schwang er sich auf sein Rad, um sich in der Spitzenklasse der Amateure einen der begehrten Sachpreise zu erstrampeln. Immer wieder war der gut gelaunte Rheinländer vorne mit dabei und gewann neue Räder oder auch mal einen Sessel. „Alles so ein Kram eben“, sagt Formanns. Aber wertvoll für einen jungen Mann aus einfachen Verhältnissen.

1958, als die Radrennen wegen des zunehmenden Autoverkehrs weniger wurden, stieg Formanns aus dem Renngeschäft aus. Der gelernte Schlosser widmete sich seinem zweiten Hobby, der Pferdezucht. Jahrzehnte lang hatte er mit dem Radfahren nichts mehr zu schaffen.

Dann überredeten ihn Freunde 1997, an einer gesponserten Radtour quer durch Südafrika teilzunehmen. Für Formanns, untrainiert und 95 Kilogramm schwer, war es eine echte Herausforderung. Um abzunehmen, aß er sechs Wochen lang nur Salat und trank Wasser. Zu seinen Pferden in Rösrath-Hoffnungsthal fuhr er nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Rad. Schließlich fühlte er sich fit genug für sein persönliches Comeback: 6000 Kilometer radelte Formanns durch Südafrika, die Strecke führte von Johannesburg nach Kapstadt: „Es war eine wunderbare Tour.“ Danach war Formanns nicht mehr zu bremsen, erlebte seinen zweiten Frühling auf dem Drahtesel. Bei den Weltmeisterschaften in St. Johann arbeitete er sich beharrlich auf die vorderen Plätze vor. Auch Stürze und üble Verletzungen halten Formanns nicht vom Sattel fern. Erst kürzlich wurde er beim Training von einem Auto angefahren. Doch Formanns macht weiter - „so lange die Knochen mitmachen.“ Doch ein bisschen verrückt sein müsse man für dieses Hobby schon.

Zur Vorbereitung auf die nächste Senioren-Weltmeisterschaft will Formanns demnächst auf zum 2000 Meter hohen Tour-de-France-Etappenziel L'Alpe dHuez fahren. Das heimische Sofa ist dann wieder ganz weit weg.



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