Von Thomas Wüpper, 09.03.10, 17:53h
Man habe die Wirtschaftskrise „mit einem blauen Auge“ überstanden, sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbands, zum Start der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin. Nun stehe man „am hoffnungsvollen Beginn eines neuen Reisejahrzehnts“. Man rechne damit, dass die Nachfrage dieses Jahr zumindest stabil ausfalle. Erst 2011 erwartet der Verband wieder ein Buchungsplus.
Im abgelaufenen Touristikjahr 2009, das am 30. November endete, sank der Umsatz der Reiseveranstalter erstmals seit langem wieder, und zwar um drei Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zu anderen Branchen sei das „nicht ganz so dramatisch“, betont Laepple. Zudem sei 2008 ein Rekordjahr gewesen. / Deutlich heftiger erwischte es allerdings die Reisebüros, deren Umsatz um mehr als ein Achtel auf 19 Milliarden Euro einbrach. Das lag vor allem an der schweren Krise bei Geschäftsreisen, wo die Erlöse wegen der Sparmaßnahmen vieler Unternehmen um ein ganzes Viertel sanken.
Beliebtestes Reiseziel der Deutschen bleibt das eigene Land, das seinen Marktanteil mitten in der Krise deutlich von 38 auf 40 Prozent ausbaute. Rund 30 Millionen Urlaubsreisen gingen an die Ost- oder Nordsee, in den Schwarzwald oder ins Allgäu. „Es zahlt sich aus, dass Hoteliers in vielen deutschen Regionen in Qualität investiert haben“, betont Laepple.
Im Ausland ist trotz sinkender Gästezahlen weiterhin Spanien das beliebteste Reiseziel der Deutschen, gefolgt von Italien und Österreich. Die Nachfrage nach Türkei-Reisen wächst wegen des guten Preis-Leistungsverhältnisses weiter. Einige Fernreiseziele wie die USA profitierten vom günstigen Dollarkurs und gesunkenen Flugpreisen. Der Wettbewerb zwischen den Reiseländern werde immer härter, so Laepple. Den allergrößten Teil des Umsatzes machen die Veranstalter mit den Pauschalreisezielen rund ums Mittelmeer. Dort mussten wegen der Krise und ausbleibender Kundschaft viele Hoteliers ihre Preise teils drastisch senken. Besonders britische, russische und US-amerikanische Gäste fehlten. Dagegen sank die Urlaubslust der Deutschen nach Verbandsangaben „nur geringfügig“.
Nach der enttäuschenden Wintersaison, die am 30. April endet und bisher Buchungsrückgänge um rund ein Zehntel brachte, hofft die Branche nun auf ein besseres Sommergeschäft. Dazu sollen auch die um fünf bis sieben Prozent niedrigen Preise in den Reisekatalogen beitragen. Die Buchungen liegen laut Laepple „zum Teil über Vorjahresniveau“. Auch der Abwärtstrend bei Geschäftsreisen scheine gestoppt zu sein. Insgesamt rechnet Laepple „mit einem weiteren herausfordernden Jahr“.
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