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Boeing gegen Airbus

Filmreifer Bestechungsskandal

Von Dietmar Ostermann, 09.03.10, 21:22h

Das Geschäft um die Tankflugzeuge war von Beginn an begleitet von Skandalen und Kontroversen. Schon beim ersten Versuch der Auftragsvergabe hat Boeing die Entscheidungsträger mit lukrativen Posten bestochen.

WASHINGTON - Skandale und Kontroversen haben den Versuch der US-Luftwaffe, die veraltete Tankflugzeug-Flotte zu ersetzen, von Anfang an begleitet. Drei Anläufe endeten im Eklat. Schon 2004 rief einer der größten Rüstungsaufträge der Geschichte den Staatsanwalt auf den Plan: Nachdem der US-Konzern Boeing bei der ersten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatte, erschütterte ein filmreifer Bestechungsskandal Washington.

Boeing hatte Darleen Druyun, bei der Air Force für die Vergabe von Rüstungsaufträgen zuständig, heimlich und illegal einen lukrativen Job angeboten, während sie über den Kauf neuer Rüstungsgüter entschied. Auch Druyuns Tochter und Schwiegersohn wurden mit guten Posten versorgt. Darleen Druyun gestand später, sie habe quasi als Abschiedsgeschenk einen höheren Preis von Boeing akzeptiert, bevor sie kurz darauf einen mit 250 000 Dollar dotierten Führungsposten beim US-Flugzeugbauer antrat. Vor Gericht räumte sie ein, Boeing mindestens vier Aufträge zugeschanzt zu haben. Dazu gehörte die Vereinbarung, für 23,5 Milliarden Dollar 100 Tankflugzeuge mit späterer Kaufoption zu leasen.

Die zweite Ausschreibung gewann im Februar 2008 statt Boeing überraschend der gemeinsam mit dem US-Konzern Northrop Grumman bietende Mitbewerber EADS. Dass der Auftrag zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an ein von Europäern geführtes Konsortium gehen sollte, löste in den Vereinigten Staaten einen Aufschrei aus. Das Pentagon erklärte damals, die Airbus-Tanker seien besser geeignet, weil sie mehr Treibstoff und Passagiere transportieren könnten. Boeing legte gegen die Entscheidung Einspruch ein und nannte die Ausschreibung schwer fehlerhaft. Der US-Rechnungshof gab der Klage im Juni 2008 statt.

Zuvor hatte Boeing, unterstützt von Gewerkschaften und Politikern aus dem Nordwesten der USA, eine Kampagne gegen den vermeintlichen Ausverkauf amerikanischer Arbeitsplätze gestartet. Politiker aus dem Süden, wo EADS die Airbus-Transporter im neuen geplanten Werk in Alabama fertigen wollte, hielten dagegen. Unter massivem öffentlichen Druck folgte das Pentagon im Juli 2008 jedoch der Empfehlung des Rechnungshofes und zog den Auftrag an EADS zurück.

Für die folgende dritte Ausschreibung hatte Verteidigungsminister Robert Gates ein Höchstmaß an Transparenz angekündigt. Aber auch der neue Anlauf war früh umstritten. Diesmal beschwerte sich umgehend der EADS-Partner Northrop Grumman, die neue Ausschreibung sei einseitig auf den Konkurrenten Boeing zugeschnitten. Die US-Luftwaffe betonte, im neuen Bewerbungsverfahren spielten neben Qualität und Kapazität auch die Kosten eine entscheidende Rolle. Daraufhin stieg Northrop Grumman aus dem Bieterverfahren aus, weil das Unternehmen keine faire Chance mehr auf den Auftrag sah.



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