Von Marion Eickler, 10.03.10, 18:45h
Das Datum des Abends, der 2. Februar, war mit Bedacht gewählt worden. Denn es handelte sich um den Jahrestag der Rückkehr Ewalds aus dem All im Jahr 1997 - nachdem er zuvor gut drei Wochen auf der Raumstation Mir verbracht hatte. Eine für den dreifachen Familienvater prägende Zeit. 90 Minuten im Orbit rund um die Erde - da sehe man die Dinge manchmal aus einer ganz anderen Perspektive, betonte Ewald. „Man sieht von dort die Waldbrände im Amazonas. Man erkennt vieles, was der Mensch so treibt - als flächendeckenden Unsinn.“
Die Begeisterung für den Weltraum begleitete Ewald seit frühester Jugend. Die Astronomie war sein Berufswunsch. Doch dem Rat eines Professors folgend studierte er stattdessen Physik. „Ich kann jungen Menschen nur raten, sich nicht zu früh zu spezialisieren. Das verengt den Blick“, sagte er. Nach seiner Promotion im Jahr 1986 an der Uni Köln begann er 1987 bei dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) zu arbeiten. Vier Jahre später ging er mit seiner Familie nach Moskau, wo er zum Astronauten für die Mir-Missionen ausgebildet wurde. Im Jahr 1992 war Ewald noch Ersatzmann, 1997 dann flog er dann selbst mit der Sojus TM-25 zur Raumstation Mir, die damals in rund 390 Kilometern Höhe die Erde umkreiste.
Dort führte er biologische, physiologische und neurologische Versuche durch. „Wir wollten wissen, wie das Pflanzenwachstum in der Schwerelosigkeit funktioniert, wie sich Flüssigkeiten verhalten, wie Skelett und Muskulatur reagieren.“ Zu schaffen habe ihm dabei vor allem die Diät gemacht, die er einhalten musste: „Jeden Tag gab es Brokkoli, in - na sagen wir - wenig bissfester Konsistenz. Seitdem bin ich mit diesem Gemüse fertig.“ Auf der Mir war auch Zeit für den kulturellen Austausch. Sogar Lieder der Bläck Fööss hatte Ewald im Gepäck. „Sehr zur Freude der Russen“, so Ewald.
Die Schüler hatten viele konkrete Fragen an Ewald. Ob sich der große finanzielle Aufwand eines solchen Raumfluges denn lohne. „Das Geld holt man doch nie wieder rein“, vermutete ein Schüler. „Wir haben 1989 politisch entschieden, uns an der europäischen Raumfahrt zu beteiligen. Das ist eine enorme Investition in wissenschaftlich arbeitende Köpfe. Und wir spielen seitdem weltweit an der Spitze mit. Das hat die Marktfähigkeit Deutschlands in vielen Bereichen erheblich verbessert, auch wenn es sich nicht in Euro und Cent umrechnen lässt“, sagte Astronaut Ewald.
Reinhold Ewald kritisierte, dass nach wie vor zu wenige Frauen in der Physik, der Astronomie und der Raumfahrt an führenden Stellen arbeiteten. Ein Umstand, für den es keinen Grund gebe, wie die Amerikaner mit einem Frauenanteil in der Raumfahrt von ungefähr 50 Prozent beweisen. Aus diesem Grund engagiert sich der Wissenschaftler im Rahmen seiner Tätigkeit als Leiter des Columbus Kontrollzentrums Oberpfaffenhofen auch für die Förderung von Mädchen und Frauen.
Das Gespräch fand im Rahmen des Kultur- und Wissenschaftsforums der Lindenthaler Liebfrauenschule statt. Mit dieser Veranstaltungsreihe will sich die Schule nach außen öffnen und außerdem gesellschaftlich relevante Themen in den Schulalltag tragen.
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