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Neue Konzepte

Tuppern für Großstädter

Von Martin Dowideit, 10.03.10, 21:53h

Immer noch verkaufen sich Tupperwaren über Veranstaltungen in Privaträumen. Das funktioniert auf dem Land bestens. Doch in Großstädten sind neue Strategien nötig - die Deutschen kochen weniger selbst.

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Arrangement aus Plastikdosen: Tupperware hat es in Herford bereits in ein Museum geschafft (Bild: dpa/av)
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Arrangement aus Plastikdosen: Tupperware hat es in Herford bereits in ein Museum geschafft (Bild: dpa/av)
FRANKFURT - Drei bis fünf Mal in der Woche steht Lydia Mayer-Rezun in fremden Wohnzimmern und lästert dabei auch mal über unfähige Männer. Von einem Mann habe sie gehört, der habe einmal einen Kuchen seiner Frau mit ins Büro genommen, erzählt sie. Am Abend sei er zurückgekommen, ohne dass nur ein Krümel angerührt wurde. „Da hat keiner es hingekriegt, die Tortenhaube zu öffnen“, sagt die 49-Jährige und ihre neun Zuhörerinnen im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach kichern.

Mayer-Rezun greift auf den Tisch neben sich, auf dem sie Schüsseln, Dosen und Becher und eben auch eine Tortenhaube gestapelt hat. Dann führt sie vor: Zwei kleine Verriegelungen und schon lässt sich das Ding ganz einfach lösen. „Falls die etwas für Sie ist, C97“, schiebt sie hinterher. Das Kürzel sollen die Frauen auf dem winzig gedruckten Bestellzettel wiederfinden, den jede auf ihren Knien hat - und dort möglichst viele Kreuze machen. Jedes Kreuz könnte am Ende eine Bestellung für die Tupperware-Vertreterin werden, die auf Einladung in Sibylle Brandenburgs Wohnzimmer gekommen ist. Für die Hausfrauen ist es ein regelmäßiger Treff, fast zweimal im Jahr lädt jede von ihnen zur „Tupper-Party“ in die eigenen vier Wände. An diesem Abend kaufen sie für insgesamt 400 Euro ein. Das ist ein Viertel mehr als im Durchschnitt einer deutschen „Tupper-Party“, wie sie jede Woche zwischen zehn- und fünfzehntausend Mal im Lande stattfindet.

Vor fast 50 Jahren ist die Absatzmasche für die Plastikdosen aus den USA nach Deutschland geschwappt und hat sich für die 1946 von Earl Tupper gegründete Gesellschaft extrem gelohnt. Neun von zehn Deutschen kennen die Marke, obwohl sie keine Werbung macht. In keinem anderen Land setzt die Firma mehr ihrer klassischen Produkte ab als hierzulande. In den 90er Jahren blieben schon mal 40 Prozent vom Umsatz als Gewinn beim Konzern hängen. Dabei gehen allein 24 Prozent vom Umsatz als Provision an die Verkäuferinnen. Doch die Erfolgsgeschichte hat Risse bekommen. So gab es im Deutschland-Geschäft zeitweise zweistellige Umsatzrückgänge. Das klassische Kundensegment schrumpft und gleichzeitig wächst die Zahl der Single-Haushalte. Die Deutschen kochen weniger selbst und haben so auch weniger „einzutuppern“.

Die Probleme kennt auch Rick Goings (64), Vorstandschef des Konzerns. In ländlichen Regionen sei man bestens vertreten, doch moderne Großstädterinnen erreiche man nicht. Statt angestaubter Hausfrauenpartys müssen mehr moderne Verkaufsveranstaltungen her, bei denen gemeinsam gekocht wird. Früher habe es einen großen Markt gegeben, jetzt müsse man sich mehr auf einzelne Nischen einlassen. „Die echten Hausfrauen kochen, die modernen Frauen stellen eher Gerichte zusammen“, sagt er. Da komme der Lachs mal aus der Mikrowelle und das Gemüse aus der Dose - da sei auch der Tupperware-Bedarf ein ganz anderer.



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