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Tourismus

Im Wettbewerb mit Alpen und Anden

Von Ralf Johnen, 11.03.10, 16:45h

Auf der Internationalen Tourismusbörse ist das Projekt des Wanderweges an der Sieg vorgestellt worden und soll nun zusätzliche Reisende ins Kreisgebiet locken. Die Region profitiert dabei auch von den größeren Städten.

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Das wunderschöne Siegtal bieten die Touristiker derzeit in Berlin als Erholungsregion an. ARCHIVBILD: PROPACH
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Das wunderschöne Siegtal bieten die Touristiker derzeit in Berlin als Erholungsregion an. ARCHIVBILD: PROPACH
Rhein-Sieg / Berlin - „Anspruchsvoll“. Das ist die Vokabel, mit der Brigitte Kohlhaas den Siegsteig umschreibt. Der Weg wird Wanderer bald von Siegburg bis nach Au an der Sieg führen. Nicht in Form einer der vielen „Waldautobahnen“, wie die Referentin bei der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises betont, sondern auf „verschlungen Pfaden“. Im Jahr 2012 soll die dann 120 Kilometer lange Strecke fertig ausgeschildert sein - inklusive Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Dies haben die Verantwortlichen zum Anlass genommen, das Projekt erstmalig einem großen Publikum vorzustellen. Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin darf sich der Wanderweg nun der Konkurrenz aus aller Welt stellen. Auf dem Stand der touristischen Zweckgemeinschaft Köln / Bonn / Düsseldorf steht der Präsentation beträchtlicher Raum zur Verfügung. Zum Vergleich: auch die Stadt Köln beansprucht für sich nur eine unwesentlich größere Fläche. Angst, zwischen Apalachen, Alpen und Anden nicht weiter aufzufallen, plagt die Verantwortlichen nicht. „Wandern ist in“, sagt Kohlhaas, die große Hoffnungen darauf setzt, dass die Übernachtungszahlen in den vier beteiligten Kommunen (auch Eitorf und Hennef sind dabei) vom Wanderweg profitieren werden.

Optimistisch ist auch Tilman R. Flaig, Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler (T & C). Einerseits habe Urlaub im eigenen Land weiter Konjunktur. „Zudem sollte man sich noch einmal in Erinnerung rufen, dass der Rhein-Sieg-Kreis in den Geburtsstunden des Tourismus im 19. Jahrhundert eine Premium-Destinantion war.“ Bis heute würden Schlösser und Hotels im Siegtal vom Reichtum der Vergangenheit künden. Um das Potenzial der Region zu neuem Leben zu erwecken, sei es sehr hilfreich, dass der Kreis Brigitte Koolhaas für die Tourismusvermarktung abgestellt habe.

Positiv entwickelt sich laut Flaig weiterhin das Besucherinteresse aus dem Inland und dem nahen Ausland. So sei die Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler mittlerweile in 25 Millionen Reisekatalogen vertreten. Weiteres Steigerungspotenzial sieht Flaig vor allem bei den Busreisen. Auch wenn diese sich thematisch vornehmlich an der „Bonner Republik“ oder dem „Beethovenfest“ orientierten, profitiere die ganze Tourismusregion, da aufgrund der gegebenen Mobilität häufig Unterkünfte in Siegburg oder Bad Honnef gebucht würden.

Auch Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch betonte bei seiner ITB-Premiere, wie wichtig das weitere Zusammenwachsen der Region für die Wirtschaft vor Ort sei. So sei die Bundesstadt zwar neu in der Riege der „Übernachtungsmillionäre“ (2009 gab es dort mehr als eine Million Übernachtungen), doch wolle man unbedingt Touristen aus fernen Ländern für das Rheinland begeistern - zum Beispiel mit der „längsten Museumsmeile der Welt“, die von Düsseldorf über Köln und Bonn bis hin nach Remagen und Koblenz reiche.

Potenzial sieht Nimptsch nicht nur in der für 2011 avisierten Vollendung des World Conference Center Bonn (WCCB), sondern auch in einem Konzept, das in Bonn und seinem Umland immer mehr Anhänger zu finden scheint. So betonte der Verwaltungschef, dass die Zukunft im „sustainable Bonn“ liege - also einer bewussten Entscheidung für alles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat. So könne die ganze Region Gewinn daraus ziehen, dass sich die Ex-Hauptstadt immer mehr zum Zentrum für internationale Zusammenarbeit, regenerative Energieen und themenverwandte Sekretariate der Vereinten Nationen entwickelt.

Nicht das schlechteste Konzept. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters auf der gemeinsamen Pressekonferenz einräumen musste, dass neben den bekannten Attraktionen (Dom, Karneval) und einigen Großereignissen (Gay Parade, Eishockey-Weltmeisterschaften) auch ein kurioser Ausflug das Image der skandalgeplagten Metropole aufpolieren soll: Roters wird in diesem Jahr gemeinsam mit 130 Funkemariechen und den „Höhnern“ nach China fliegen, um auf der chinesischen Mauer rheinische Lebensfreude zu demonstrieren. Ein Phänomen, dass man, so Roters, in Prospekten nicht angemessen abbilden kann.

Siehe auch Seite 46



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