Von Thomas Wüpper, 11.03.10, 21:00h
Kreuzfahrten sind gefragt wie nie. Weltweit soll die Gästezahl 2010 um eine Million steigen. Voriges Jahr kreuzten 15 Millionen Touristen auf 400 Schiffen über die Weltmeere. Nach US-Amerikanern und Briten sind die deutschen Reiseweltmeister in dieser Disziplin indes nur Nummer drei. Experten sehen noch großes Wachstumspotenzial.
2009 entschieden sich rund eine Million Deutsche für eine Ferienreise auf hoher See, ein Plus von gut 13 Prozent. Der Umsatz legte um 200 Millionen auf 1,9 Milliarden Euro zu. „Kreuzfahrten sind die Erfolgsstory unserer Branche“, sagt Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbands. Die Zahl der Hochseegäste hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht.
Weniger erfreulich läuft das Geschäft in der Flusstouristik. Voriges Jahr schipperten knapp 400 000 Deutsche auf Donau, Nil und Wolga, ein Plus von gut drei Prozent. Der Umsatz sank aber deutlich um fast fünf Prozent auf 424 Millionen Euro. Da sieht es auf hoher See besser aus. „Die Branche erwartet auch 2010 ein sehr gutes Jahr und ein zweistelliges Wachstum auf 1,15 Millionen Passagiere“, sagt Thamm. 70 Prozent der Anbieter rechnen mit mehr Umsatz und Gästen. Mittelmeer, Karibik, Nord- und Ostsee bleiben die bevorzugten Reiseziele deutscher Kreuzfahrer. Im Schnitt sind die Urlauber 9,7 Tage unterwegs. Der Reisepreis für eine Hochsee-Kreuzfahrt kletterte laut DRV leicht um 13 Euro auf 1881 Euro. In dieser Summe sind aber auch Flüge zum Start- und Zielhafen enthalten, außerdem verlängerte sich die Reisedauer im Schnitt um 0,3 Tage. Der Preis sank deutlich um drei Prozent auf im Schnitt 193 Euro pro Tag. Im internationalen Vergleich sei das aber ein „sehr ordentliches Niveau“, betont Thamm. Experten wie Gerd Achilles vom Branchendienst „Schiffsreisen intern“ rechnen mit sinkenden Preisen: „Auch dieses Jahr kommen weltweit zehn neue Schiffe mit 25 000 Betten auf den Markt.“ Das verschärft den Konkurrenzkampf, besonders in der Karibik. Dort kosten zehn Tage Kreuzfahrt auf einem Luxusliner schon heute im Schnitt 1200 Euro, ein Drittel weniger als noch vor zehn Jahren.
Die Branche erwartet dagegen keine Preisschlachten. Denn ab 2011 soll sich die Zahl neuer Schiffe halbieren, Reedereien wie die aggressiv wachsende MSC haben sogar Bestellungen storniert. Aida lässt dagegen 2011 sein achtes Schiff vom Stapel. Auch Costa Crociere aus Italien hat die Bettenkapazität in wenigen Jahren verdoppelt. Unglücke wie die Monsterwelle vor Spanien, die kürzlich ein Kreuzfahrtschiff beschädigte und zwei Gäste tötete, sieht die Branche nicht als böses Omen. Das sei ein Einzelfall, so Aida-Chef Thamm. Negative Auswirkungen auf das Geschäft erwarte man nicht.
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