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Wetter

Kölner haben den Winter satt

Von Susanne Hengesbach, 11.03.10, 19:16h, aktualisiert 12.03.10, 00:12h

Eisiger Wind, Frosttemperaturen und Schneeschippen als Dauerbeschäftigung: Der Winter hat Köln immer noch fest im Griff, zum Leidwesen der zitternden Bürger. Man ist sich einig: „Mit Rosenmontag hätte das Frühjahr einziehen müssen!“

Heumarkt
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Der Köbes ist bereit. Jetzt muss sich nur noch die Sonne durchsetzen und Wärme mitbringen. Dann kommen auch die Gäste. (Bild: Worring)
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Der Köbes ist bereit. Jetzt muss sich nur noch die Sonne durchsetzen und Wärme mitbringen. Dann kommen auch die Gäste. (Bild: Worring)
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Für das Wärmeempfinden oder die gefühlte Temperatur ist es ein großer Unterschied, ob man im Freien körperlich arbeitet oder ruhig auf einer Bank sitzt. (Bild: Worring)
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Till Bär ist es leid, Helga Kötter hat die Nase voll, Anne Klug schimpft: „Es ist eine Unverschämtheit!“ Alle drei sagen das, was im Moment fast jeder sagt: „Ich kann den Winter nicht mehr sehen!“ Auch die Kaufhof-Verkäuferin, die während ihrer Mittagspause in eine Decke eingemummelt im Straßencafé auf der Gürzenichstraße sitzt, hat die Schnauze voll. „Ich komme aus dem Bergischen, da ist es noch schlimmer, denn da liegt der Schnee noch immer. Schneeschippen sei in den letzten Monaten für sie zu einer Dauerbeschäftigung geworden, „jetzt reicht's!“

„Man hat das Gefühl, Tiere und Pflanzen haben es auch satt“, meint Anne Klug. Die Kölnerin engagiert sich in der Hochschulgruppe „Campusgrün“ und schaut seit Tagen frustriert auf die Stellen, wo sie Blumenzwiebeln gesetzt hat. „Aber da kommt nix!“ Und überhaupt: „Immer noch die dicken Mäntel, drei Pullis übereinander und die blöden Schuhe, in denen man rumläuft, als hätte man Gewichte dran. Ich finde, mit Rosenmontag hätte Frühjahr einziehen müssen!“

Abgesehen von so bestaunenswerten „Pflänzchen“ wie Stefanie Bauer, die auf einer Heumarkt-Bank sitzend die Stracciatella-Vanille-Himbeer-Mischung aus ihrem Eishörnchen schleckt und überhaupt nicht zu frieren scheint, sind die Kölner auf Eiskaltes nicht gut zu sprechen. Da nützt es wenig, dass die kuschelig-plüschigen „Eskimomützen“ auf der Hohe Straße inzwischen für lumpige 3,99 Euro zu haben sind. Doch woran liegt es, dass wir bibbern und frösteln, als ob die Temperaturen tief im Minusbereich lägen?

Es liegt daran, dass sich unser Körper zurzeit in einem Stadium „irgendwo zwischen Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit befindet“, erklärt die Kölner Physiotherapeutin Nicola Windler. Unsere Hormone, als wichtige Informationsträger, würden gewissermaßen zum Narren gehalten. Aufgrund von fehlender Sonne und Wärme laufe unser Körper auf Sparflamme, was Auswirkungen auf unser Nervensystem und somit auch auf unser subjektives Empfinden habe.

Es gibt jedoch weitere Ursachen dafür, weshalb an diesem Donnerstag die „gefühlte Temperatur“ stellenweise weit unter der realen lag. Der Wärme-Haushalt des Menschen reagiert nicht nur auf Lufttemperatur, sondern genauso auf Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung. „Solange die Sonne noch so niedrig steht, ist die Wärmewirkung auf die Haut gering. Und bei einer leichten Bewölkungssituation ist der Effekt völlig weg“, betont Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Schließlich haben etliche andere Faktoren Einfluss auf das thermische Empfinden eines Menschen. Etwa der Isolationswert der getragenen Kleidung. Der gefühlten Temperatur liegt laut Lux „eine ganz, ganz komplizierte Formel“ zugrunde. Damit die Behaglichkeitsgleichung trotz des für Samstag zu befürchtenden Schneefalls nicht allzu schlecht ausfällt, muss man noch eines wissen: Die Hände in den Schoß legen und fluchen, bringt gar nichts. Nicht mal ein halbes Grad plus. Bei körperlicher Aktivität hingegen wird Kälte viel weniger kalt wahrgenommen.



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