Schriftgröße

N 24

Viel Kritik am geplanten Verkauf

Von Ulrike Simon, 11.03.10, 21:50h, aktualisiert 12.03.10, 00:23h

Der Berliner Nachrichtensender N 24 steht seit zwei Wochen zum Verkauf. Doch dieser Schritt des Vorstandschef Thomas Ebeling stößt auf viel Kritik. Ebeling selbst fühlt sich vom Angebot seiner Sender nicht optimal informiert.

Thomas Ebeling
Bild vergrößern
Thomas Ebeling vertritt kontroverse Ansichten. (Bild: ddp)
Thomas Ebeling
Bild verkleinern
Thomas Ebeling vertritt kontroverse Ansichten. (Bild: ddp)
Seit Montag hat die Deutsche Bank einen Datenraum eingerichtet, in dem Kaufinteressenten von N 24 innerhalb von zwei Wochen die Geschäftsbücher des Berliner Nachrichtensenders studieren können. Dies erfuhr der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Rande eines Symposiums, das die Kontrolleure des Privatfunks, die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), in Berlin veranstalteten.

Es ging um die gesellschaftlichen Pflichten des Rundfunks. Prominentester Gast war Thomas Ebeling, seit genau einem Jahr Vorstandschef der Sendergruppe Pro Sieben Sat. 1. Zwischen fünf und zehn Interessenten für N 24 hätten sich bei ihm gemeldet, sagte Ebeling. Für ihr ernsthaftes Interesse bekannt ist bisher ein Konsortium aus den Geschäftsführern von N 24 um Torsten Rossmann sowie Stefan Aust, ehemals Spiegel-Chefredakteur. N 24 ist nicht nur ein eigener Sender, er ist zugleich Lieferant sämtlicher Nachrichtenangebote von Pro Sieben Sat. 1. Ebelings Plan, das Budget von N 24 um zwei Drittel zu kappen oder ihn besser gleich ganz zu verkaufen, hat die Medienpolitik auf den Plan gerufen. Das bestätige, sagte Ebeling, wie Recht er gehabt habe, als er den umstrittenen Satz sagte, Nachrichten seien „vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern“. Ablehnend zeigte er sich gegenüber dem Vorschlag des DLM-Vorsitzenden Thomas Langheinrich, die Privatsender sollten eine freiwillige Selbstverpflichtung eingehen, in der sie einen bestimmten Anteil der Programmkosten für die Produktion festlegen und den Einkauf von Nachrichten sowie Art und Umfang des Nachrichtenangebots definieren. Schließlich seien Privatsender nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Kulturgut und damit verpflichtet, ihren „Beitrag zur Selbstverständigung der Gesellschaft“ zu leisten, wie es vom Bundesverfassungsgericht festgestellt worden ist. Ebeling konterte: „Es gibt keinen Bedarf für weitere Regulierung“, womit er Gefahr läuft, dass aus der Forderung nach freiwilliger Selbstverpflichtung eines Tages eine Zwangsverpflichtung wird. Ebeling vertritt den Standpunkt, dass allein der Erfolg über das Programm entscheidet, wobei sich Erfolg allein in der Vermarktbarkeit und in Quoten messen lasse. Umso geringer ist sein Verständnis für das Gewese um N 24, der, so Ebeling, gerade mal auf ein Prozent Marktanteil komme und ein Programm sende, das zu sechzig Prozent gerade nicht aus Nachrichten bestehe.

Angesichts von 70 Millionen Euro Kosten, denen lediglich 20 Millionen Euro Werbeeinnahmen gegenüber stünden, frage er sich zudem: „Wie viel Verluste muss man akzeptieren: Mutet man uns 20, 40 oder 50 Millionen Euro zu, um der publizistischen Aufgabe gerecht zu werden?“ Selbst, wenn er bei der mit 3,3 Milliarden Euro verschuldeten Sendergruppe ProSieben Sat. 1 mehr Geld für Programm zur Hand hätte, sagte der Vorstandschef, würde er in vieles, aber sicher nicht ins klassische Nachrichtenangebot investieren. Er beschwerte sich über eine „Diktatur der intellektuellen Elite bei der Qualitätsdebatte“. Dass seine Sendergruppe den Anteil der Nachrichten reduziert hätte, wies Thomas Ebeling zurück: „Der Informationsanteil in unseren Programmen ist in den letzten zehn Jahren nicht gesunken“.

Ebeling selbst fühlt sich vom Angebot seiner Sender übrigens offensichtlich nicht optimal informiert. Er räumte ein, dass er abends immer Tagesthemen schaue und morgens jeweils eine halbe Stunde das Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Umfrage

Wie fanden Sie Hape Kerkeling?
Mehr als drei Stunden führte Hape Kerkeling durch den ZDF-Jahresrückblick "Menschen 2011". Hat Ihnen die Darbietung des gefeierten Allround-Moderators gefallen.

Bildergalerien


Extra


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste