Von Ulrike Simon, 11.03.10, 21:50h, aktualisiert 12.03.10, 00:23h
Es ging um die gesellschaftlichen Pflichten des Rundfunks. Prominentester Gast war Thomas Ebeling, seit genau einem Jahr Vorstandschef der Sendergruppe Pro Sieben Sat. 1. Zwischen fünf und zehn Interessenten für N 24 hätten sich bei ihm gemeldet, sagte Ebeling. Für ihr ernsthaftes Interesse bekannt ist bisher ein Konsortium aus den Geschäftsführern von N 24 um Torsten Rossmann sowie Stefan Aust, ehemals Spiegel-Chefredakteur. N 24 ist nicht nur ein eigener Sender, er ist zugleich Lieferant sämtlicher Nachrichtenangebote von Pro Sieben Sat. 1. Ebelings Plan, das Budget von N 24 um zwei Drittel zu kappen oder ihn besser gleich ganz zu verkaufen, hat die Medienpolitik auf den Plan gerufen. Das bestätige, sagte Ebeling, wie Recht er gehabt habe, als er den umstrittenen Satz sagte, Nachrichten seien „vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern“. Ablehnend zeigte er sich gegenüber dem Vorschlag des DLM-Vorsitzenden Thomas Langheinrich, die Privatsender sollten eine freiwillige Selbstverpflichtung eingehen, in der sie einen bestimmten Anteil der Programmkosten für die Produktion festlegen und den Einkauf von Nachrichten sowie Art und Umfang des Nachrichtenangebots definieren. Schließlich seien Privatsender nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Kulturgut und damit verpflichtet, ihren „Beitrag zur Selbstverständigung der Gesellschaft“ zu leisten, wie es vom Bundesverfassungsgericht festgestellt worden ist. Ebeling konterte: „Es gibt keinen Bedarf für weitere Regulierung“, womit er Gefahr läuft, dass aus der Forderung nach freiwilliger Selbstverpflichtung eines Tages eine Zwangsverpflichtung wird. Ebeling vertritt den Standpunkt, dass allein der Erfolg über das Programm entscheidet, wobei sich Erfolg allein in der Vermarktbarkeit und in Quoten messen lasse. Umso geringer ist sein Verständnis für das Gewese um N 24, der, so Ebeling, gerade mal auf ein Prozent Marktanteil komme und ein Programm sende, das zu sechzig Prozent gerade nicht aus Nachrichten bestehe.
Angesichts von 70 Millionen Euro Kosten, denen lediglich 20 Millionen Euro Werbeeinnahmen gegenüber stünden, frage er sich zudem: „Wie viel Verluste muss man akzeptieren: Mutet man uns 20, 40 oder 50 Millionen Euro zu, um der publizistischen Aufgabe gerecht zu werden?“ Selbst, wenn er bei der mit 3,3 Milliarden Euro verschuldeten Sendergruppe ProSieben Sat. 1 mehr Geld für Programm zur Hand hätte, sagte der Vorstandschef, würde er in vieles, aber sicher nicht ins klassische Nachrichtenangebot investieren. Er beschwerte sich über eine „Diktatur der intellektuellen Elite bei der Qualitätsdebatte“. Dass seine Sendergruppe den Anteil der Nachrichten reduziert hätte, wies Thomas Ebeling zurück: „Der Informationsanteil in unseren Programmen ist in den letzten zehn Jahren nicht gesunken“.
Ebeling selbst fühlt sich vom Angebot seiner Sender übrigens offensichtlich nicht optimal informiert. Er räumte ein, dass er abends immer Tagesthemen schaue und morgens jeweils eine halbe Stunde das Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF.
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