Schriftgröße

Hilfe der Eltern

Ist Erfolg in der Schule planbar?

Von Alexandra Ringendahl, 15.03.10, 21:03h

In speziellen Seminaren werden Eltern zu Nachhilfelehrern. Hier lernen Väter und Mütter, wie sie ihre Kinder professionell bei den Hausaufgaben betreuen können. Denn gute Schüler brauchen kompetente Eltern.

Schule Hausaufgaben
Bild vergrößern
Ohne Hilfe der Eltern geht es bei den Hausaufgaben oft nicht mehr. (Bild: Thinkstock)
Schule Hausaufgaben
Bild verkleinern
Ohne Hilfe der Eltern geht es bei den Hausaufgaben oft nicht mehr. (Bild: Thinkstock)
Konzentrierte Stille herrscht im Raum. Trainer Norbert O. Engelen ruft seinen erwachsenen Schülern Begriffe zu: „Frau und Ratte, Auspuff und Senf, Bundeskanzler und Badekappe.“ 13 Mütter und ein Vater üben das, was man assoziatives Lernen nennt. Vor ihrem inneren Auge setzen sie Helmut Kohl die Badekappe auf oder lassen den Senf aus dem Auspuff spritzen. Das bildliche Denken erleichtert das Behalten, weil linke und rechte Hirnhälfte verbunden werden. Ab heute sollen sie sich mit Hilfe dieser Technik 50 Begriffe merken. Im Elterntraining von „Life's'cool“ geht es aber nicht um Gehirnjogging für Eltern. Ziel ist, den eigenen Kindern den Lernalltag zu erleichtern - indem die Eltern zu Lerncoaches ausgebildet werden.

„Ein riesiger Teil des Familienalltags dreht sich um Schule“, klagt Cornelia Suhre, Mutter von drei Kindern. „Selbst am Wochenende gibt es Lernstress.“ Der Druck, der auf Kindern und Eltern lastet, ist enorm. Schon in der Grundschule erhalten laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung 15 Prozent der Viertklässler Nachhilfe. Mit 17 Jahren hat jeder vierte Schüler Nachhilfe gehabt.

Eltern sind am Schulerfolg beteiligt

Jetzt sollen Mama und Papa ran. Statt ihr Kind zur Nachhilfe zu schicken, werden sie zu Lerntrainern - mit einem Übungsprogramm auf der Basis von Hirnforschung, Psychologie und Pädagogik. Der neue Trend in der Elternbildung stützt sich auf eine Erkenntnis der Pisa-Studie: Eltern sind zu mehr als 50 Prozent am Schulerfolg ihrer Kinder beteiligt. Ihr Einfluss ist größer als der von Lehrern und Schule zusammen. „Den meisten Eltern ist nicht bewusst, dass sie selbst den Schlüssel zum Erfolg in der Hand halten“, sagt Adolf Timm, ehemaliger Schulrektor und Begründer des Elterntrainings „Die Gesetze des Schulerfolgs“. Das sieht auch Jürgen Hoffmann, Initiator der in Köln und Kürten ansässigen Elternschule „Life's'cool“, so: „Mich hat es geärgert, dass nur die Lehrer in der Verantwortung stehen und die Eltern freigesprochen werden. Als dreifacher Vater weiß ich: das ist Unsinn.“

Die Trainings locken mit der Botschaft, dass der Schulerfolg planbar sei. Timm hat das Programm mit dem Jugendforscher Klaus Hurrelmann entwickelt und verfolgt einen vor allem pädagogischen Ansatz. Sein Leitsatz: Glück macht erfolgreich, nicht umgekehrt. „Das »A und O« ist ein gutes Lernklima - geprägt von einer sicheren Bindung.“ Eltern lernen hier vor allem, wie sie richtig loben. „Alle Kinder wollen lernen. Und jedes Kind ist gut in irgendetwas“, so Timm. Sie hörten aber vor allem Ermahnungen wie „Pass auf, sonst bleibst du noch sitzen!“ Statt Schwächen zu betonen, üben Eltern, die Stärken ihres Kindes zu entdecken. An den drei Seminartagen geht es auch um Lerntechniken und Motivation, vor allem aber um das Lernklima in der Familie. Das Hauptziel: Mehr Gelassenheit.

Methoden für Profis

Hoffmann hat sein Training mit Managementtrainer Alexander Christiani entwickelt. Er berät als Persönlichkeitstrainer sonst Spitzenkräfte der Wirtschaft. Die Werkzeuge des Elterntrainings von „Life's'cool“ sind also Coaching-Methoden für Führungskräfte - angepasst an Eltern und Kinder. „Wir sind überzeugt, dass jedes Kind ein Lerngenie ist“, meint Hoffmann. Eltern verschafft das Training auch Aha-Erlebnisse: Bärbel Hilgers hatte danach das Gefühl, „dass ich mich bei meinen Söhnen für vieles entschuldigen muss“. Wenn ihr Jüngerer mit einer Fünf in Mathe ankam, fiel der Satz „Die Mama war in Mathe auch keine Leuchte“.“ Welche Programmierung sie damit in sein Hirn einbrannte, das ist ihr erst jetzt klar. Zudem bestand sie darauf, dass ihr Sohn allein auf seinem Zimmer lernt. Heute weiß Hilgers, dass er ein Teamlerner ist. Jetzt paukt er mit seinen Kumpels und die Noten stimmen. „Eltern müssen begreifen, dass jedes Kind ein eigener Lerntyp ist“, erläutert Hoffmann. Den einen treibe man mit einem Satz wie „Das schaffst du ja eh nicht“ zu Höchstleistung, andere schalteten dann komplett ab.

Timm will das Elterntraining bundesweit an Grundschulen durchsetzen. Auch Hoffmann wird jährlich 100 Trainer ausbilden. Beide suchen derzeit Partner in Ministerien und Schulämtern. „Vorerst setze ich aber auf die Eigeninitiative von Schulen“, sagt Timm. An der Nikolaus-August-Otto-Hauptschule in Berlin etwa werden Kinder nur aufgenommen, wenn Mütter und Väter ein 25-stündiges Elterntraining absolvieren. „Der Anteil der Schüler, die an einer Hauptschule die Realschulreife erlangen, ist seither von fünf auf zehn Prozent gestiegen“, so Konrektor Wolfgang Schumann. Viele fänden richtig Spaß am Lernen.

Diese Freude ist für Hirnforscher Gerald Hüther Grundlage für erfolgreiches Lernen. „Die Begeisterung, die noch jedes Kleinkind kennt, muss zurückgewonnen werden.“ Kinder würden mit Wissen abgefüllt „statt in ihnen die Fackel der Begeisterung zum Lodern zu bringen“. Um die Flamme gar nicht erst erlöschen zu lassen, entwickelt Timm gerade eine Kleinkindversion der Grundgesetze des Lernens. Künftig werden dann auch Eltern von Kindergartenkindern gecoacht.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Ausflugstipps


WAS.WANN.WO.


Das Magazin auf Facebook

Das Magazin auf Facebook

Extra


Serie


Mode und Design



Kolumne


Kolumne


Aktion


ksta-blogs.de


Dienste



Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Stadtmenschen Community