Schriftgröße

Leitartikel zum Schauspielhaus

Es fehlt an einem gelungenen Dialog

Von Alfred Neven DuMont, 12.03.10, 21:53h, aktualisiert 15.03.10, 11:21h

Kölns Politiker verstecken sich, wenn es um die Zukunft des Schauspielhauses geht. Die Kommunikation zwischen den Repräsentanten der Stadt Köln und ihren Bürgern hat in den letzten Jahren oftmals gefehlt.

Oper
Bild vergrößern
An dem Ensemble rund um den Offenbachplatz scheiden sich die Geister. (Bild: Worring)
Oper
Bild verkleinern
An dem Ensemble rund um den Offenbachplatz scheiden sich die Geister. (Bild: Worring)
Tradition ist ein schönes Gut. Wie gerne beruft sich der Kölner auf seine Tradition. Aber auch Traditionen können missverstanden werden und sich sogar ins Gegenteil verkehren. Die Kommunikation zwischen den Repräsentanten der Stadt Köln und ihren Bürgern, die Verantwortung, die daraus erwächst, hat, wenn man nur das letzte Jahrzehnt betrachtet, oftmals gefehlt. Als Anfang 2000 die U-Bahn von den Stadt-Oberen als ein großes Zukunftswerk für Köln gefeiert wurde, gab es, von den Grünen abgesehen, keinen besorgten Hinweis, dass eventuell auf dem Wege der Ausgrabungen für die Anrainer, ganz gleich ob Privat- oder Geschäftsleute, Nachteile, geschweige denn Gefahren entstehen könnten. All das mussten die Bürger - und nicht zu wenige - zum Teil sehr leidvoll am eigenen Leib spüren.

Ein ganz anderer Fall war die Bewerbung der Stadt Köln für die Position einer Kulturhauptstadt. Gab es einen engagierten Stadtvater, der eine Diskussion anstieß, wie überhaupt in Köln die Kultur in der Zukunft auszusehen habe? In Essen, das aus dem Wettbewerb als Sieger heraus ging, motivierte man alle engagierten und interessierten Bürger mit großem Erfolg. Aber hier wurde improvisiert, ein anerkannter Kulturmann der Vergangenheit wurde bemüßigt, ohne dass dieser vielleicht den Auftrag richtig verstand. Und so ist durch fehlende Kommunikation für Köln eine beschämende Pleite entstanden.

Am deutlichsten wird die mangelnde Verantwortlichkeit, geschweige denn die Kommunikation, an dem Einsturz des Archivs im letzten Jahr. Köln verfiel erst einmal, als sich alle Fragen auftürmten - "Wie konnte das geschehen?" - in eine Art Koma. Die Frage nach Zuständigkeiten oder gar Verantwortlichkeiten bedurfte Monate, in denen sich die Bürger oft verzweifelt um eine klare Sicht bemühten.

Nun liegt seit wenigen Tagen ein Votum für eine Volksbefragung vor, das die Stadt Köln nicht umgehen kann. Am deutlichsten wird der Zwiespalt der Betrachtungen, wenn man die Aussagen der beiden Intendanten, Karin Beier und Uwe Eric Laufenberg, gegenüberstellt. Die Quintessenz aus diesen Äußerungen ist in keiner Weise erhellend. Der Bürger erfährt präzise, warum die Oper gerne in der Oper bleiben will, aber der Intendant zugleich das Schauspielhaus aus seinem angestammten Haus verjagen möchte.

Positionen zusammenführen

In diesen Fragen der Verwirrung und der Gegensätze, die im Begriff sind, diese Stadt zu spalten, fehlt es an einem Dialog, an entsprechenden Persönlichkeiten, die dazu berufen sind, die Problematik in die Hand zu nehmen und die Positionen zusammenzuführen. Wenn 50.000 Bürger dieser Stadt sich engagieren und aus freien Stücken ein Votum abgeben, ist das ernst zu nehmen und geradezu sensationell. Man führe sich vor Augen, wenn derselbe oder ein ähnlicher Vorgang in Frankfurt oder in Berlin über die Bühne gegangen wäre. Frau Roth, Oberbürgermeisterin von Frankfurt, hätte sich ein Vergnügen daraus gemacht, sich an die Spitze des Dialogs zu stellen, um die beiden unterschiedlichen Perspektiven sachlich mit den Bürgern so auszudiskutieren, dass am Schluss die vernünftigste Lösung entstehen kann. Herr Wowereit in Berlin hätte mit dem ihm eigenen Temperament Frau Roth sicher gerne in dieser Sache den Rang abgelaufen.

Diese Stadt, pocht durch ihre verantwortlichen Parteien auf ihre Eigenmächtigkeit. Der Anspruch scheint zu sein: Wir können es besser als die Bürger. Aber wo ist bei diesem Machtanspruch die entsprechende Umsetzung? Der Oberbürgermeister, der uns noch vor kurzem Neues versprach, versteckt sich in der Deckung einer Parteilichkeit, der Kulturdezernent genauso. Köln läuft Gefahr, so oder so führungslos in eine Desorientierung zu geraten, der große Bevölkerungsgruppen verständnislos gegenüberstehen.

Ein Haus ohne Hüter.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


Anzeige


Umfrage

Mehr autofreie Zonen für Köln?
Der Platz vor der Eigelsteintorburg ist schon autofrei, nun soll der Chlodwigplatz folgen. Auch für den Neumarkt schlägt der Masterplan vor, eine Seite für den Verkehr zu sperren. Ist das sinnvoll?


Special


Anzeige




Modisch aufgefallen


Junge Zeiten


Bildergalerien


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Neue ksta.tv-Videos aus Köln




Offene Schulen


Top-Links (Anzeige)



Weitere Serien


ksta shop


Aktuelle Verkehrsinfos


Service


Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Aktion


Aktion



Hintergrund


Stadtmenschen Community


Extra


Dienste