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Maserati-Affäre

Ende eines lukrativen Systems

Von Sabine Rennefanz, 14.03.10, 22:37h, aktualisiert 14.03.10, 22:40h

Weil Harald Ehlert sich als Chef der Berliner Treberhilfe einen Maserati als Dienstwagen gönnte, hagelte es Kritik. Jetzt ist er zurückgetreten. Eine Geschichte über Genialität, Schamlosigkeit und Größenwahn.

Harald Ehlert
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Hat es übertrieben: Harald Ehlert. (Bild: ddp)
Harald Ehlert
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Hat es übertrieben: Harald Ehlert. (Bild: ddp)
BERLIN - Haus Nummer 24 liegt still am Schwielowsee in Caputh, mit eigenem Steg. Auf einem Messingschild steht keine Name, sondern „Villa Denkmal“. So nennt jemand sein Haus, der Großes vorhat, der in Erinnerung bleiben will. Das dürfte dem Treberhilfe-Chef Harald Ehlert, der hier wohnt, gelungen sein - wenn auch für die falschen Gründe. Ehlert, der Mann im Zentrum des Skandals, der mit einem Maserati begann, lässt nur noch seine Anwälte sprechen. Am Wochenende hat er seinen Rücktritt erklärt, „damit die unbestritten gute Arbeit der Treberhilfe“ nicht überstrahlt wird durch die Debatte um seine Person.

Der Pädagoge, Gründer einer der erfolgreichsten Obdachlosenhilfen von Berlin, ist nicht der erste aus dem Sozialbereich, dem vorgeworfen wird, dass er sich bereichert habe. Kaum jemand aber hat dabei soviel Genialität, Größenwahn und Schamlosigkeit an den Tag gelegt wie er. Für seine Dienste soll er sich ein weit überdurchschnittliches Gehalt bezahlt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Veruntreuung. Eine Insolvenz der Treberhilfe scheint unvermeidlich.

Es war eine Kleinigkeit, die alles ins Rollen brachte. Eine Radarfalle, die den zu schnellen Maserati blitzte. Ehlert wollte kein Fahrtenbuch führen, wollte dagegen vor Gericht ziehen. Wahrscheinlich wären seine Tricks nie ans Licht gekommen, wenn er begriffen hätte, dass ein Maserati und ein Chef einer gemeinnützigen Firma nicht zusammenpassen. Doch in Sack und Asche gehen sollten andere, aber nicht er, der Sozialunternehmer, Herr eines Zwölf-Millionen-Umsatz-Betriebes mit 280 Beschäftigten. War er nicht selbst so etwas wie der Maserati der Treberhilfe, stets auf Hochtouren laufend, der 440-PS-Mann, der im Eiltempo eine kleine Klitsche mit sechs Betten zu einem der größten gemeinnützigen Unternehmen Berlins getrimmt hatte? Politiker mögen sich über Ehlerts Schamlosigkeit empören. Doch sein Fall ist auch ein Lehrstück über die Anfälligkeit des Sozialmarktes für Betrügereien - und die Hilflosigkeit des Staates. Die Liste der sozialen Angebote ist so lang, die Lage so unübersichtlich, dass der Berliner Senat nicht beziffern kann, wie viel für Sozialleistungen ausgegeben wird.

Wenn man heute mit Menschen redet, die in den letzten Jahren mit Ehlert zu tun hatten, wollen sie alle ihre Zweifel an seiner Seriosität gehabt haben. Von einer „Persönlichkeitsveränderung“, die 2006 eingetreten sein soll, ist die Rede. Damals hatte er bereits einen Schlaganfall hinter sich sowie eine kurze Karriere als SPD-Haushälter im Abgeordnetenhaus. Den Posten hatte er verloren, dafür saß er im Bezirksparlament Tempelhof-Schöneberg - da, wo die Treberhilfe auch einen Großteil ihrer Geschäfte machte.

Im Jahr 2006 gründet Ehlert die Treberhilfe. Er ersinnt eine komplexe Konstruktion, die es ihm ermöglicht, Geld aus dem Unternehmen zu ziehen, offenbar legal. Die Gesellschafter, Ehlert persönlich und der Treberhilfen-Verein, zahlen je 15 500 Euro ein. Vier Jahre später beträgt das Kapital eine Million Euro sowie mehrere Immobilien.

Mit der Gründung der Firma wird Ehlert zum Unternehmer. Die Treberhilfe ist sein Baby, er steckt seine ganze Energie hinein. Kaum taucht ein gesellschaftliches Problem auf, hat Ehlert schon das Heilmittel, er erfindet dauernd neue Projekte, ob für kriminelle Jugendliche oder für alleinerziehende junge Mütter. Ehlert kann Menschen für sich einnehmen. „Während andere noch im Brainstorming saßen, präsentierte er schon die Lösung“, sagt ein früherer SPD-Konkurrent aus Schöneberg.

Die Überschüsse, zuletzt eine Million Euro, erwirtschaftete die Treberhilfe durch einen guten Tagessatz für die Unterbringung von Obdachlosen, Marketing und geringe Löhne. In der Bilanz machen Personalkosten nur rund 60 Prozent des Umsatzes aus. Üblich sind 80 Prozent.

Je mehr Geld floss, desto mehr hob Ehlert ab. Am Ende dachte er wohl, er könne das System perfektionieren. Mitte Februar hatte er zu einer Konferenz im Rathaus Schöneberg eingeladen. Ehlert präsentierte eine Studie zu den Profiten, die im Sozialbereich zu erzielen sind. In seinem Geschäftsbericht 2008 steht mit Hinblick auf 2009: „Risiken sind für die Treberhilfe dank der hohen Nachfrage nicht zu erwarten.“ Aufgrund der Krise werde sich der Beratungsbedarf erhöhen. Die Treberhilfe liefere eine Rendite von 15 Prozent.



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