Von Nadine Hantke, 15.03.10, 16:53h
Nach einer vierwöchigen Schulung durch den Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen stehen die Helfer Mankovska, Özkaya und Sadigi in den Startlöchern. „Beim ersten Hausbesuch analysieren wir den Strom- und Wasserverbrauch, untersuchen die Lampen und orten Energiefresser“, erklärt Mankovska. Die drei schreiben einen Bericht und erklären den Mietern bei einem zweiten Besuch, wie sie Strom sparen können - Soforthilfe inbegriffen. Energiesparlampen und komplett abschaltbare Steckdosenleisten werden zum Beispiel sogleich angebracht.
„Viele Leute stellen auch ihren Kühlschrank falsch ein“, erklärt Stromsparhelfer Özkaya, „optimal ist eine Temperatur von sieben Grad“. Der falsche Standort des Kühlgerätes sei ebenfalls häufig Schuld an hohen Stromrechnungen: „Man darf es nicht neben Hitzequellen wie den Herd oder gar in die pralle Sonne auf den Balkon stellen.“ Außerdem klären die drei ihre Klienten darüber auf, dass sie beim Duschen rund zwölf Liter Wasser pro Minute verbrauchen. „Kaum einer weiß das“, erzählt Sadigi. Von den Einsparmöglichkeiten, von denen die Helfer während ihrer Schulung erfahren haben, waren sie selbst überrascht. „Dass der Deckenfluter ein richtiger Stromfresser ist, hat mich geschockt“, sagt Özkaya.
Über eine sinnvolle Arbeit sind die drei früheren Langzeitarbeitslosen froh. Melaniya Mankovska wurde von Sigrid Heidt angesprochen, der Aktionskoordinatorin der Gemeinde; Mehmet Özkaya und Fawad Sadigi sind im Jobcenter auf das Projekt aufmerksam geworden. „Wir freuen uns, dass wir Stromsparhelfer gewinnen konnten, die sich mit vielen Leuten aus dem Viertel auch in ihrer Muttersprache Türkisch, Russisch und Persisch unterhalten können“, so Heidt.
Mit im Boot sitzt die Rhein-Energie AG. Das Unternehmen unterstützt das Projekt mit Know-how und finanziell. „Wir wollen mithelfen, dass einkommensschwache Haushalte vernünftig und sparsam mit Energie umgehen. Das ist die passende Alternative zu Sozialtarifen. Verbilligte Energie bietet keinen Anreiz zum Sparen“, sagt Vorstandsvorsitzender Dieter Steinkamp. Auch die Arge Köln - die Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Arbeitsagentur - hilft bei der Finanzierung der drei Stellen.
Dass beim Stromhelfer-Projekt alle profitieren - darin sind sich die Beteiligten einig. „Die Erfahrung zeigt, dass die Haushalte ihre Energiekosten um bis zu 100 Euro reduzieren können“, sagt Frank Hensel, Diözesan-Caritasdirektor im Erzbistum. Auch für die Helfer bietet das Projekt eine Chance. „Etwa 24 Prozent von ihnen finden später einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt“, so Hensel. Darauf hoffen auch die drei aus Chorweiler. Bis zum nächsten Jahr - so lange läuft das Projekt vorerst - werden sie genug zu tun haben. Die Resonanz ist groß. „Wir haben 60 Anfragen von Bürgern bekommen - ohne Werbung zu machen“, freut sich Aktionskoordinatorin Heidt. Und Mankovska fügt hinzu: „Sogar aus Holweide kamen Anrufe. Wir konzentrieren uns aber erstmal auf Chorweiler.“
Für Köln-Pass-Inhaber, Geringverdiener sowie für Bezieher von Hartz IV und Wohngeld ist die Energieberatung kostenlos. Anmeldung unter der Rufnummer 708 85 35 oder im Internet.
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