Von Susanne Hengesbach, 15.03.10, 18:16h, aktualisiert 15.03.10, 18:18h
Ich treffe Wolfgang Dichans beim Plakatkleben auf der Breite Straße an. Als ich die Aufschrift lese, „Nacht der Mystik“, werde ich neugierig und ermuntere ihn, mir davon zu erzählen. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit sei es nun soweit, freut er sich und berichtet von einem gemeinsamen Dialog aller Religionen und Konfessionen am kommenden Freitag in Chorweiler. Der Abend, der in der katholischen Kirche Papst Johannes XXIII. beginne und in der Evangelischen Kirche in Chorweiler ende, solle unter anderem zeigen, dass es zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen weitaus mehr verbindende als trennende Elemente gibt.
Mystikern gehört die Zukunft„Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein“, sagt der ehemalige Referatsleiter im Familienministerium. Er sagt es nicht, er strahlt es förmlich in den Raum, und es kommt mir vor, als hätte ich in diesem Augenblick tatsächlich „eine frohe Botschaft“ empfangen. Zugleich stelle ich fest, dass ich mit dem Begriff „Mystiker“ nicht allzu viel anfangen kann und bitte ihn um eine Erklärung.
„Ein Mystiker ist jemand, der Gott sucht“, erläutert der 62-Jährige. „Mystiker halten sich nicht an Dogmen und das, was die Lehre vorgibt, sondern an das, was sie erfahren haben.“ Mich verwundert diese Aussage aus dem Mund eines Mannes, der - wie eingangs festgestellt - jahrelang im Vorstand des Katholikenausschusses saß.
Dichans lächelt über meinen Einspruch und erzählt von persönlichen Erfahrungen. Da gab es zum einen die Berührung mit Zen-Meditation in einem Benediktinerkloster an der Weser, die den Ausschlag dafür gab, dass er nun „morgens vor der weißen Wand sitze und versuche, nichts zu denken, sondern loszulassen“. Zum anderen ist Dichans nach eigenen Worten von Alltagserfahrungen geprägt, die in ihm die Überzeugung formten: „Da ist noch etwas viel Größeres, als das, was ich sehen, schmecken und hören kann.“ Er ist heute überzeugt: „Den Schatz, den ich suche, finde ich nur in mir selbst.“
Das Verbindende suchenMystiker aller Religionen, fährt er fort, kämen zu sehr ähnlichen Aussagen. „Deshalb kann Mystik eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Religionen sein. Und deswegen gehört diese Veranstaltung auch unbedingt nach Chorweiler.“
Mich interessiert, ob er in der Vorbereitungszeit überall auf offene Türen gestoßen ist. „Wir werden sogar vom Bistum unterstützt“, meint er mit einem Augenzwinkern. „Aber es gibt auch kritische Anfragen, ob wir da nicht etwas zu sehr vermischen.“
„Verstehe“, sage ich, als er mich auf den „Mystik Walk“ am Sonntag hinweist und darauf, dass dafür jüdische und muslimische Mitbürger „mit ins Boot geholt“ wurden und die thematisch an die Weltreligionen angelehnten Kunstwerke auch in Moschee und Synagoge gezeigt werden.
Zurück zu der von Musik und Meditation umrahmten „Nacht der Mystik“ an diesem Freitag. „Wenn ich dort hin käme, auf was für Menschen würde ich dort treffen?“, frage ich. - „Auf die, die sich mit dem Üblichen nicht zufrieden geben. Auf solche, die dahinter blicken und sich sagen: Das kann es noch nicht gewesen sein.“ Menschen, die sich der Kirche zugehörig fühlten, aber dennoch das Gefühl hätten, „ich werde da nicht in der Tiefe angesprochen“. Ich staune wieder. „Das sagen Sie als Katholik?“ - „Glaube wird weitergegeben über glaubhafte Menschen“, betont Dichans. „Nicht über solche, die anderen Angst machen. Und nicht über Scheinheiligkeit.“
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