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Griechen in Köln

„Wir geben kein gutes Bild ab“

Von Katrin Diener, 16.03.10, 21:29h, aktualisiert 16.03.10, 23:48h

5000 Griechen leben in Köln. Seit die finanziellen Probleme Griechenlands bekannt geworden sind gehen sie hart mit ihrem Heimatland ins Gericht - fühlen sich aber gleichzeitig auch unfair behandelt.

Kosmas Loutsopoulos
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Kosmas Loutsopoulos vom Deutsch-Griechischen Kulturzentrum in Porz empfindet die Schuldenkrise Griechenlands als peinlich für sein Volk. (Bild: Rakoczy)
Kosmas Loutsopoulos
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Kosmas Loutsopoulos vom Deutsch-Griechischen Kulturzentrum in Porz empfindet die Schuldenkrise Griechenlands als peinlich für sein Volk. (Bild: Rakoczy)
Köln - Mit den Bildern von Demonstrationen, Ausschreitungen und Streiks wechselt die Stimmung. Wenn die Nachrichten laufen, legen die Männer im griechischen Zentrum an der Liebigstraße die Canasta-Karten zur Seite. Dann diskutieren sie laut die Geschehnisse in ihrem Herkunftsland. „Die Gehaltskürzungen im Öffentlichen Dienst sind zwar hart, aber doch völlig richtig“, sagt Apostolos Kaltekis, 64, Immobilienmakler. „Die meisten Angestellten werden überbezahlt und sind dazu noch korrupt.“ Und dann folgt ein ganzer Schwall Worte voller Wut. Eine kleine Rede über die Zustände in Griechenland. Über Bestechung und unfaire Bezahlung. „Bei uns herrschen Zustände wie bei der Mafia, nur dass unsere Mafia die Regierung ist.“

Kaltekis ist vor 40 Jahren nach Deutschland ausgewandert. 5000 Griechen leben in Köln. Seit die finanziellen Probleme Griechenlands bekannt geworden sind, wird er oft von Nachbarn und Freunden auf sein Heimatland angesprochen. Auf mögliche Hilfen von der Europäischen Union, 300 Milliarden Euro Schulden und vom Staat gefälschte Bilanzen. „Wir geben da kein gutes Bild ab“, sagt er.

Auch Kosmas Loutsopoulos empfindet das so. „Das ist echt peinlich für unser Land“, sagt der 62-Jährige vom Deutsch-Griechisches Kulturzentrum in Porz. Hier findet Donnerstagsmorgens regelmäßig ein griechisches Frühstück statt. Viele Gespräche hier drehen sich in diesen Tagen um die Schuldenkrise. „Aber dafür kann man doch nicht das Volk verantwortlich machen“, sagt Loutsopoulos. „Der Staat ist schuld, nicht die kleinen Menschen.“

Viele der in Deutschland lebenden Griechen haben sich in den vergangenen Wochen angegriffen gefühlt. Durch die Vorschläge deutscher Politiker an Athen, Inseln zu verkaufen. Oder durch ein Titelbild der Zeitschrift „Focus“. Es zeigt die Venus von Milo, eine bekannte griechische Marmor-Skulptur, mit einem ausgestreckten Mittelfinger neben dem Schriftzug „Betrüger in der Euro-Familie“.

„Das ist ein schlechter Umgang mit unserer Kultur und Geschichte“, sagt Kalliopi Papadopoulou. „Solche Bilder beleidigen uns.“ Die 40-Jährige lebt seit drei Jahren in Deutschland, arbeitete vorher in Griechenland in einer Buchhandlung. „In Griechenland wird sehr unfair bezahlt“, sagt Papadopoulou. „Die Leute im öffentlichen Dienst bekommen extrem viel Geld und die in der freien Wirtschaft kaum etwas.“ So verdiene ein Zollbeamter mit diversen Zuschlägen mehrere tausend Euro. Papadopoulou erhielt ihren Lohn in Abhängigkeit vom Umsatz. „In guten Monaten bekam ich 1000 Euro“; sagt Papadopoulou. „Das hat nicht zum Leben gereicht. Deswegen hab ich mir mit Babysitten Geld dazu verdient.“

Immobilienmakler Kaltekis ärgert sich sehr über diese Ungerechtigkeiten. Er bemängelt die Tatenlosigkeit der Regierung. „Ärzte geben vor dem Staat an, sie würden nur 10 000 Euro im Jahr verdienen. Und nur dafür zahlen sie dann auch Steuern. Aber kontrolliert werden die Angaben zum Einkommen nicht.“ Auch das müsse sich noch ändern. „Die Regierung hat sich in den vorherigen Jahren nie getraut zu handeln“, sagt Kaltekis, „weil sie Angst hatte, sich unbeliebt zu machen und nicht wiedergewählt zu werden.“ Kaltekis sieht die Krise auch als Chance für das Land. „Vielleicht ändert sich durch den Druck der EU etwas. Wenn nichts passiert, werden die Probleme nur noch größer.“



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