Von Jürgen Kisters, 17.03.10, 14:22h
Als zehn Künstler, Kunstsammler und Kunstvermittler Ende vergangenen Jahres den Kunstverein Koelnberg gründeten, haben sie das alles nicht gewusst. Aus der Region um Frankfurt kamen sie nach Köln, um in großzügigen Räumen an der Aachener Straße mitten im Zentrum einen Ausstellungsraum zu schaffen. Bei der Suche nach einem prägnanten Namen fiel ihnen, unabhängig von der Hochhaussiedlung im Süden, das Wort „Koelnberg“ ein. Die Kunst, die sie präsentieren wollen, so ihr Gedanke, soll aus dem Kulturbetrieb Kölns herausragen wie ein hoher Berg.
Als sie dann mit der Namensgleichheit ihrer Kunsteinrichtung mit dem Meschenicher Wohnkomplex konfrontiert wurden, sahen sie keinen Grund für eine Umbenennung. Vielmehr scheint der Zufall der Namensgleichheit ihrem Ausstellungskonzept sogar eine Art unbeabsichtigtes Profil zu geben. Das heißt: Internationalität, Kunst als Ausdrucksform gelebter Erfahrung, und Spannungsreichtum in jeder Hinsicht.
Die Malerei von Ann-Kristin Hamm, die derzeit ausgestellt wird, ist ein gutes Beispiel für diesen Ansatz. Mit bemerkenswerter Vehemenz wuchtet die gebürtige Mönchengladbacherin (Jahrgang 1977) die Farben in undurchsichtigen Turbulenzen auf riesige Leinwände. Bewegte Elemente strömen in alle Richtungen und halten als Ganzes doch irgendwie zusammen.
So zeigen vielschichtige Überlagerungen die postmoderne Lebenserfahrung als explosiven Zustand einer Unübersichtlichkeit, die ebenso verführerisch wie bedrohlich erscheint. Die Künstlerin, die an der Düsseldorfer Kunstakademie bei den Professoren Dieter Krieg und Albert Oehlen Malerei studierte, lebt inzwischen in Berlin. In einem großstädtischen Moloch also, der nicht nur unter Künstlern derzeit als das Zentrum kreativer Lebendigkeit und kultureller Entwicklungsmöglichkeiten gilt.
Ein Moloch, in dem immer mehr Künstler zwischen repräsentativen Großprojekten und einem von 560 000 Hartz-IV-Empfängern bestimmten Alltag ihr Glück und ihre Nischen suchen. Und dessen kulturelles, soziales und politisches Gemisch wie keine andere Stadt die Entwicklungen im gegenwärtigen Deutschland bestimmt.
Warum die Betreiber des Kunstvereins Koelnberg nicht gleichfalls nach Berlin, sondern nach Köln gezogen sind, erklärt Initiator Richard Schneider ganz einfach: „In Berlin geht man unter in der Masse, während in Köln eine große Sehnsucht besteht, dass endlich wieder Leben in den öffentlichen Kunstprozess kommt“.
Die im neuen Ausstellungsraum gezeigte Kunst soll im Gegensatz zur größtenteils glatten und gefälligen Kunst der routinierten Galerieausstellungen eine neue kreative Ruppigkeit nach Köln bringen. Dabei denkt Richard Schneider, der selbst Künstler ist, an jene Tage kreativer Wildheit zurück, als er in den 1970er Jahren an der Werkschule am Ubierring studierte.
Kunstverein Koelnberg, Aachener Straße 66, Do, Fr 18-20 Uhr, Sa 14-18 Uhr, bis 20. März
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